Endlich wieder Heim-WM! Am Freitag startet die Basketball-WM der Frauen in Berlin und Deutschland will mit den eigenen Fans im Rücken für mächtig Furore sorgen.
Basketball-WM der Frauen: Eine einmalige Chance
Einmalige Chance für ganze Sportart
Nicht weniger als das beste WM-Ergebnis der deutschen Frauen-Basketballgeschichte ist das Ziel für das Turnier. Dafür soll zum Auftakt gegen eines der absoluten Top-Teams, Spanien (ab 17:45 Uhr im LIVETICKER), gleich der erste Sieg her.
„Wir freuen uns extrem auf morgen und sind sehr zuversichtlich“, sagte WNBA-Star Nyara Sabally nach dem Abschlusstraining am Donnerstag: „Es wird ein schwerer Auftakt. Die Spanierinnen haben sehr viele gute Spielerinnen und sind generell ein sehr starkes Team.“
Die Euphorie im Team ist trotz der schweren Auftakthürde groß und auch die Fans sind heiß auf die WM. Die Arena in Berlin wird ausverkauft sein. Der Basketball-Hype in Deutschland ist aktuell auch zu den Frauen rübergeschwappt. Auch deshalb haben sie eine fast schon einmalige Chance, ihren Sport in Deutschland noch mehr zu pushen.
Basketball-WM der Frauen: Gelingt Deutschland historisches Ergebnis?
Die Möglichkeit dazu erscheint historisch gut. Auf dem Papier läuft Deutschland mit dem stärksten Kader der Geschichte auf. Gleich vier WNBA-Spielerinnen stehen im deutschen Aufgebot. Hinzu kommen zahlreiche Spielerinnen, die entweder an einem US-College oder in einer europäischen Top-Liga spielen.
Auch deshalb soll ein historisches Ergebnis her. Das Viertelfinale gilt für viele als Mindestziel. Schon das wäre das beste WM-Abschneiden einer deutschen Basketball-Nationalmannschaft.
Bisher steht in den Rekordbüchern der elfte Platz bei der Heim-WM 1998. Überhaupt nahm eine Frauen-Nationalmannschaft erst einmal an einer Weltmeisterschaft teil. Das anstehende Turnier kann also zum echten Meilenstein werden.
Das Team will sich dabei übrigens nicht mit dem Mindestziel zufriedengeben. Das klar erklärte Ziel der Deutschen ist eine Medaille.
WM große Chance für den Basketball in Deutschland
Den Spielerinnen ist bewusst, was für eine große Chance sie haben den Frauensport und natürlich ganz speziell Frauen-Basketball durch eine starke Heim-WM zu pushen.
Durch die zahlreichen Erfolge ihrer männlichen Kollegen hat Basketball in Deutschland gehörig an Anerkennung gewonnen. Für ein noch größeres Wachstum braucht es aber auch eine erfolgreiche Frauen-Nationalmannschaft, um auch vielen jungen Mädchen Vorbilder zu bieten.
Die Wichtigkeit unterstrich nach dem WM-Qualispiel gegen die Niederlande auch Welt- und Europameister Johannes Thiemann auf SPORT1-Nachfrage: „Es ist sehr, sehr wichtig, denn der deutsche Basketball ist nicht nur Männer-Basketball. Das Wachstum lebt immer vom Erfolg der Nationalmannschaft. Deshalb wünsche ich dem Team von Herzen, dass sie eine erfolgreiche WM spielen und dadurch mehr Aufmerksamkeit generieren.“
Und auch Dennis Schröder erklärte: „Das ist sehr gut. Genau das ist, was wir uns für den deutschen Basketball wünschen. Wir wollen den Sport alle gemeinsam weiter pushen. Deshalb wünschen wir den Damen jetzt erstmal viel Glück.“
Deutschland-Spiele seit Wochen ausverkauft
Für weiteres Wachstum braucht es in Deutschland traditionell Erfolge der Nationalmannschaft. Der Hype ist aktuell aber auch schon vor dem Turnier extrem groß.
Alle Spiele der deutschen Frauen in Berlin sind schon seit Wochen ausverkauft. Sowohl die Max-Schmeling-Halle als auch die große Arena sollen so zum Tollhaus werden und Deutschland im besten Fall auf einer Euphorie-Welle durch das Turnier tragen.
„Ich war extrem überwältigt, dass die Spiele so schnell ausverkauft waren. Ich habe natürlich gehofft, dass es so kommt, aber ich war mir nicht sicher, ob ich damit rechnen kann“, sagte Luisa Geiselsöder im Gespräch mit SPORT1: „Das dann so zu sehen, ist eine Bestätigung, dass es aktuell mit dem Frauen-Basketball sehr gut vorangeht und uns viele Leute unterstützen wollen.“
„Das wird ein großer Spaß“, freute sich auch Bundestrainer Olaf Lange, der aber gleichzeitig auch warnt: „Wir müssen nur sehen, dass wir, wenn die Halle ausverkauft ist, besonders am Anfang unsere Nerven unter Kontrolle haben und auch so spielen, wie wir können.“
Kann Deutschland dem hohen Druck standhalten?
Speziell hier liegt tatsächlich eine große Gefahr für Deutschland. Denn wo ein großer Hype ist, herrscht gleichzeitig auch extremer Erfolgsdruck. Ein Viertelfinale wird mit dem starken Kader und den Fans im Rücken fast als Pflicht angesehen. Doch im extrem stark besetzten Turnier ist dies alles andere als selbstverständlich. Zumal noch unklar ist, wie speziell die vielen jungen Spielerinnen im Kader mit der großen Bühne umgehen.
Dazu gibt es viele personelle Probleme. Mit Satou Sabally fehlt der absolute Top-Star verletzt. Und auch um ihre Schwester Nyara gibt es viele Fragezeichen. Sie wird zwar spielen, wie viele Minuten sie nach ihrer Knöchelverletzung gehen kann, steht aber noch in den Sternen. Hinzu kam das skurrile Kontakt-Verbot rund um den Star der Toronto Tempo in der Vorbereitung.
Auch weil sie und die anderen WNBA-Spielerinnen Leonie Fiebich und Frida Bühner in großen Teilen der Vorbereitung fehlten, war ein echtes Einspielen fast unmöglich. Allgemein verlief diese sehr holprig. Die öffentlichen Testspiele wurden alle verloren und auch bei Testspielen hinter verschlossener Tür in Berlin mit dem gesamten Team lief es bisher alles andere als gut.
Doch all dies soll heute zum Auftakt vergessen gemacht werden. Ansonsten warten in der Gruppe noch Japan (Samstag ab 18 Uhr) und Mali (Montag ab 17:50 Uhr). Der Gruppensieger zieht direkt ins Viertelfinale ein, der Zweite und der Dritte ziehen in ein Play-In-Spiel ein.