Alaaf, leev Fründe! Da sitze ich hier am 11.11. und feiere nicht Karneval, sondern ich feiere, dass ich eine neue Kolumne für Euch schreiben darf. Üblicherweise bin ich vor dem Moment des in die Tasten Hauens damit beschäftigt ein kleines Skript zu erstellen und mich an diesem zu orientieren während der Text konkrete Formen annimmt. Lasse ich heute mal sein. Wollte nämlich eigentlich über etwas anderes schreiben. Aber heute ging, leider mal wieder, ein Aufschrei durch die Community.
EA SPORTS – Verhältnismäßigkeit, it`s not in the game.
Was ist denn nun schon wieder passiert? Fehler Nummer 46 in FIFA 22? Nun, ein Fehler ist es nicht. Ja, es basiert auf einem Fehler: Es gibt aktuell eine SBC bei der man eine zufällige untauschbare Baby-Icon bekommt. Für diejenigen, die sich mit FIFA nicht so auskennen und sich nun fragen was Baby-Icons sind; es sind keine Bilder der niedlichsten Babys der Welt (An die Eltern: Ja, Euer Baby wäre natürlich auf jeden Fall dabei – bevor es eigentlich in eine Rangliste der intelligentesten Kleinkinder gehört), sondern es ist die vom Rating her kleinste Karte einer Ikone des Weltfußballs. Zurück zu der SBC; diese gibt es jedenfalls und es wurde seitens EA SPORTS ein Fehler gemacht. Man konnte auch die mittlere Version einer dieser Ikonen bekommen. Ein angenehmer Fehler. Ist doch bis auf wenige Ausnahmen wie bspw. Eusebio eine mittlere Icon stärker. Fehler und EA sind gute Bekannte.
Eine Kompensation von Fehlern ist allerdings nicht so üblich. Dieses Mal gab es allerdings eine. Jede Person, welche die Baby-Icon-SBC gemacht hatte und eine mittlere Version daraus bekam, wurde mit einer zusätzlichen Baby-Icon kompensiert. Tauschbar. Ja richtig. Die SBC war von vornherein so ausgelegt, dass die Icon daraus untauschbar ist. Eine zweite als Baby-Version wäre schon echt generös. Diese aber als tauschbar Version ist völlig überzogen und nicht durchdacht. „Gönn doch!“ Ich gönne und beglückwünsche jeden, der davon profitiert hat. Aber ich kritisiere EA SPORTS, dass diese Lösung mal wieder, wie eine Hau-Ruck-Aktion wirkt, über die man nicht nachgedacht hat.
Die Folgen des Icon-Dilemmas
Was ist das Problem? Zum einen haben viele Baby-Icons dramatisch an Wert verloren. Pelé verlor zeitweise über 700.000 Coins an Wert und hat sich bislang kaum erholt. Die Besitzer dieser Karte leiden also unter einer Aktion von EA SPORTS, mit der sie nichts zu tun haben und die sie nicht hätten kommen sehen können. Durch die doppelte Ausgabe von Icons wird generell der Markt von Icons schwerer getroffen als es eigentlich der Fall gewesen wäre. Ergo leiden Icon-Besitzer darunter. Deren Vereinswert wird geschmälert.
Ein weiteres Ärgernis daran ist, dass zum ich weiß nicht wievielten Mal, die Spieler belohnt werden, die etwas besonders schnell erledigen. Couch-Harald, der die SBC gerne machen möchte, aber erst am Wochenende dafür Zeit hat? Im Nachteil. Spieler, die für die SBC noch etwas sparen mussten und erst später dazu kommen? Im Nachteil. Spieler, die schnell waren und das Glück hatten eine mittlere Icon aus dem Pack zu bekommen, können je nachdem welche Baby-Icon sie erhielten plötzlich mehrere Millionen Coins zusätzlich auf dem Konto haben. Zu Lasten der bisherigen Besitzer. Ich zeigte es bereits auf: Couch-Harald schaut in die Röhre.
Dass EA SPORTS generös entschädigt, begrüße ich. Andere Spiele handhaben es durchweg so und es hilft enorm beim Verhältnis zwischen Unternehmen und Spielern/Kunden. Aber bitte fair und mit Maß. Kompensationen von EA SPORTS sind viel zu oft unfair gegenüber anderen Spielern. Belohnt bitte nicht Schnelligkeit, sondern entschädigt fair auf breiter Basis. Ich verliere mich hier jetzt nicht in Lösungsansätzen. Die gibt es. Aber das ist Aufgabe derer bei EA SPORTS die mit dem Spiel Geld verdienen.
Die lange Liste der Verfehlungen
Nun kann man sich natürlich hinterfragen, warum diese Aktion so einen Wirbel aufbrachte und warum ich dieser sogar den Großteil dieser Kolumne widme. Stellen wir uns alle an?
Ich bin überzeugt, dass es einfach die Summe der Unverhältnismäßigkeiten und offenbar unüberlegten Aktionen ist, welche die Toleranz der Community mittlerweile so gering sein lässt.
Lasst mich mal in meinen Sack der Unüberlegtheiten greifen und daraus ein weiteres Beispiel hervorholen: Price-Ranges. Also den Maximalpreis zu dem man einen Spieler verkaufen kann.
Klar, teilweise sind Preise für Spieler nicht wirklich nachzuvollziehen. Hype, seit neuestem „Tipps“ auf Tik-Tok oder andere Gründe können einen Spieler abenteuerlich teuer werden lassen und er ist nicht mehr so leicht verfügbar. Grenze der Price-Range erreicht; „Extinct“.
Kann passieren. Aber dann dauert es teilweise Wochen, bis diese angepasst ist. Nervig. Wo es aber richtig ärgerlich wird; wenn Spieler plötzlich eine viel zu niedrige Price-Range bekommen und reihenweise riesige Verluste eingefahren werden. Denn wer den Spieler in etwa zum Marktpreis auf seiner Transferliste hatte und diesen nach Ablauf direkt erneut angeboten hat, bekam die Anpassung der Range vermutlich nicht mehr mit und listete diesen zu einem viel zu niedrigem Preis.
Erinnert sich noch jemand an Sadio Mané aus FIFA 20? Harald verliert mit einem Relisten der Transferliste hunderttausende Coins und die Bot-Nutzer freuen sich ab diesem Moment und generieren im Anschluss Millionen Coins. Kompensation? Keine. Einfach erneut ein Fehler, eine Unüberlegtheit zum Schaden vieler Spieler. Das frustriert und vergiftet jedes Mal das Verhältnis zwischen EA SPORTS und den Spielern aufs Neue.
EA zwischen Realität und Anspruch
Lernt EA SPORTS wenigstens daraus? Nein. Dieselben Fehler. Immer wieder. Jedes Jahr. Auch bei der Icon-SBC gab es denselben Fehler bereits. Nur nicht mit dieser Kompensation.
Ein Milliardenunternehmen. Welches dasselbe Produkt seit über 10 Jahren auf den Markt bringt und jeglichen Inhalt selbst in der Hand hat. Was, wann, wie. Und dennoch gefühlt kein Lerneffekt und repetitive Fehler.
Ich habe Start-ups beraten, die weniger Fehler machten. Und wenn sie Fehler machten, sicherstellten das diese nicht erneut geschehen.
Start-ups mit drei Personen, die ein Unternehmen aufbauen, nebenbei noch mangels Einnahmen Pizza ausfahren müssen und zumeist völlig übermüdet und mit dem Schwert der Insolvenz über sich professioneller und zielgerichteter arbeiten als EA SPORTS. Das ist nicht mehr nur traurig, das ist ein lächerliches Armutszeugnis. Tut mir leid. Nein, eigentlich nicht.
Findet endlich eine Linie EA SPORTS. Eine der Fairness und Verhältnismäßigkeit. Wöchentlich mit peinlichen Fehlern oder zweifelhaften Fehlern den Unmut der Spieler auf sich zu ziehen kann nicht Teil Eures Businessplans sein.
Bis zur nächsten Kolumne Euer Tim