Darmstadt erster Abstiegskandidat
Darmstadt erster Abstiegskandidat
München ? Der Ball zappelte im Netz, grenzenloser Jubel, Dirk Schuster und sein Team stürmten mit erhobenen Armen über den Platz:
Die Szenen aus dem Relegationsspiel zwischen dem SV Darmstadt 1898 und Arminia Bielefeld dürften den Meisten noch sehr präsent sein. Elton da Costa traf in der zweiten Minute der Nachspielzeit.
Mit einem 4:2 nach Verlängerung im Rückspiel machte Darmstadt - nach einem 1:3 im Hinspiel zuhause - doch noch den Aufstieg perfekt.
Doch jetzt zählt all das nicht mehr. Darmstadt muss sich in der Zweiten Liga beweisen. Und zwar in 34 statt nur in zwei Spielen (ab Fr. 20.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER, Highlights ab 22.30 Uhr in Hattrick - Die 2. Bundesliga im TV auf SPORT1).
SPORT1-Experte Christian Beeck glaubt: "Für Darmstadt wird es richtig schwer. Es wird sich zeigen, ob der Kader den Ansprüchen der Zweiten Liga genügt."
Zu den Abstiegskandidaten zählt er außerdem Aalen, Sandhausen, Aue und Bochum. Dem 1. FC Heidenheim traut er dagegen eine Überraschung zu. RB Leipzig, FSV Frankfurt und Union Berlin sieht Beeck eher im Mittelfeld.
Zusammen mit Beeck macht SPORT1 den Abstiegscheck.
? SV Darmstadt 1898
Darmstadt hofft, von der entfachten Euphorie durch die spektakuläre Relegation und der damit verbundenen Rückkehr in die Zweite Liga zehren zu können.
Doch schon früh hat man gemerkt, dass der Aufstieg viel harte Arbeit und Anpassungen bedeutet.
Die Lilien haben in monatelangen Umbauarbeiten ihr Stadion Böllenfalltor modernisieren müssen: Rasenheizung, neuer Rollrasen, Sitzschalen, Medienplätze, neue sanitäre Anlagen - die Kosten dafür beliefen sich auf rund 2,2 Millionen Euro.
"Das Geld fehlt natürlich an anderer Stelle", erklärt Beeck: "Man hätte sicherlich auch gerne in neue Spieler investiert."
Immerhin konnte Toptorjäger Dominik Stroh-Engel gehalten werden. Und den nach Heidenheim abgewanderten Stammtorhüter Jan Zimmermann ersetzt der bundesligaerfahrene Christian Wetklo.
Ansonsten kamen nur Ergänzungsspieler. Trainer Schuster muss hauptsächlich der Mannschaft aus Liga drei vertrauen.
Beecks Prognose: "Der Sprung in die Zweite Liga ist für Darmstadt kein leichtes Unterfangen. Ich glaube eher nicht, dass sie die Klasse halten können."
? 1. FC Heidenheim:
Nachdem es zweimal knapp war, hat Heidenheim im dritten Anlauf endlich den Aufstieg geschafft. Frank Schmidt hat den Verein damit in nur sieben Jahren von der Oberliga Baden-Württemberg in die zweithöchste Etage geführt.
Die eingespielte Mannschaft bleibt größtenteils zusammen und wurde punktuell mit jungen Spielern wie Adriano Grimaldi (VfL Osnabrück), Manuel Janzer (VfB Stuttgart II) oder Kevin Kraus (Greuther Fürth) verstärkt.
"Nachhaltigkeit und Kontinuität sind zwei Kennzeichen der Heidenheimer", lobt Beeck.
Viel kommt auf Kapitän und Topscorer Marc Schnatterer (214 Einsätze, 65 Tore und 58 Vorlagen für Heidenheim seit 2008) an. "Er hat die Dritte Liga gebombt", bringt es Beeck auf den Punkt.
Beecks Prognose: "Heidenheim hält die Klasse - und schafft vielleicht sogar mehr. Was sich dort in den vergangenen Jahren entwickelt hat, ist vorbildlich. Trainer Schmidt hat klare Vorstellungen und erreicht die Mannschaft."
? SV Sandhausen:
Neun Abgänge und elf Zugänge - der Kader des SV Sandhausen gibt zwar im Vergleich zur Vorsaison durchaus ein anderes Bild ab, an der Philosophie hat das aber nichts geändert: Der Star ist weiterhin die Mannschaft.
"Die Möglichkeiten in Sandhausen sind schon aufgrund des Umfelds sehr begrenzt", sagt Beeck. "Trotzdem: Respekt, was dort zuletzt geleistet wurde."
Ob sich der Erfolg von Platz zwölf wiederholen lässt, erscheint aber zumindest fraglich.
Beecks Prognose: "Sandhausen ist im Normalfall ein Abstiegskandidat. Sie werden bis zum Ende kämpfen müssen."
? VfR Aalen
Aalen war die Überraschung der vergangenen Saison, muss jetzt aber wichtige Spieler ersetzen.
Mit den Abgängen von Buballa, Hübner und Traut löst sich die so solide Vierer-Abwehrkette fast komplett auf. Aber: "Stürmer sind unsere ersten Verteidiger", sagt Trainer Stefan Ruthenbeck im "kicker".
In Zukunft will Aalen aus der Not eine Tugend machen und mehr auf die Offensive setzen. Dabei sollen die Neuzugänge Drexler und Ludwig helfen.
Beecks Prognose: "Im letzten Jahr waren sie so stabil, dass man diesen Namen bei den Absteigern fast gar nicht nennen darf. Aber ich bin skeptisch, ob sie so ein Jahr wiederholen können. Es wird eng."
? Erzgebirge Aue:
Viel wird in Aue davon abhängen, ob ein Ersatz für Top-Torjäger Jakub Sylvestr (wechselte nach Nürnberg) gefunden werden kann.
"Er hat richtig gut gespielt und seine Tore werden Aue fehlen", sagt Beeck. Die Hoffnungen im Angriff ruhen in Zukunft auf den estnischen Brüdern Hannes und Henri Anier.
"Keine Ahnung, wo Falko Götz die ausgegraben hat, aber es ist schwer zu sagen, ob die das können", sagt Beeck.
Ob mit oder ohne Torjäger: Aue hofft erneut auf guten Teamgeist und die problemlose Integration von Neuzugängen wie Patrick Schönfeld (Bielefeld) oder Thorsten Schulz (Dynamo Dreden).
Beecks Prognose: "Für Aue ist es standardmäßig ein Kampf. Falko Götz macht einen super Job. Wenn genauso gut gearbeitet wird wie in der vergangenen Saison, hält das Team die Klasse."
? VfL Bochum
Vom Papier her hat sich Bochum mit bekannten Namen verstärkt:
Stanislav Sestak ging bereits von 2007 bis 2010, teilweise sehr erfolgreich, auf Torejagd für den VfL. Stefano Celozzi (Frankfurt), Simon Terodde (Union Berlin), Timo Perthel oder Marco Terrazzino (Freiburg) sind gestandene Erst- und Zweitligaspieler.
Trotzdem traut Beeck den Bochumern keinen großen Sprung zu: "Für mich ist dort bisher kein funktionierendes Mannschaftsgefüge erkennbar."
Die Namen stimmen. Mancher Fan träumt sogar vom Aufstieg. Bochum ist eines der großen Fragezeichen.
Beecks Prognose: "Der VfL spielt für mich gegen den Abstieg. Ich glaube nicht, dass sie wieder oben angreifen können."