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Erzgebirge Aue in 2. Bundesliga auf dem Höhenflug: Das steckt dahinter

Aues wundersamer Höhenflug

Von der stärksten Zweiten Liga aller Zeiten war vor der Saison die Rede. Trotzdem mischt Underdog Erzgebirge Aue nun ganz oben mit. Woran liegt das?
Erzgebirge Aue erlebt unter Dirk Schuster einen unerwarteten Höhenflug
Erzgebirge Aue erlebt unter Dirk Schuster einen unerwarteten Höhenflug
© Imago
Florian Hölzl
Von der stärksten Zweiten Liga aller Zeiten war vor der Saison die Rede. Trotzdem mischt Underdog Erzgebirge Aue nun ganz oben mit. Woran liegt das?

Wenn es um Abstiegskandidaten in der 2. Bundesliga geht, wird ein Verein seit Jahren immer wieder von den Experten genannt: Erzgebirge Aue.

Kleiner Kader, kleiner Etat, diese Vermutung ist kein Tipp, mit dem man großes Geld machen würde.

Trotzdem schafft es der Verein mit Bergbau-Vergangenheit immer wieder, nach 34 Spieltagen über dem Strich zu stehen. In dieser Saison läuft es mit dem neuen Trainer Dirk Schuster sogar so gut wie noch nie.

Aue begeistert zu Hause mit spektakulären Partien. Nach dem 4:3-Sieg gegen Nürnberg sprach Schuster angesichts der Spannung im Spiel sogar von "einem Kabelbrand im Herzschrittmacher". SPORT1 analysiert: Was ist das Geheimnis des wundersamen Höhenflugs der Auer?

Aue kann Zweite Liga

Für Erzgebirge Aue ist die laufende Saison die neunte Zweitliga-Saison in den letzten zehn Jahren. Nur 2015 stieg Aue knapp mit 36 Punkten ab, meldete sich aber mit dem direkten Wiederaufstieg zurück. Seitdem sammelten die Sachsen immer genügend Punkte, um sich am Ende in Liga zwei zu halten.

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Auch in dieser Spielzeit starteten die Veilchen vielversprechend mit zwei Siegen in die Saison. Nach der 1:3-Niederlage in Bielefeld aber folgte der Schock: Nachdem Coach Daniel Meyer wegen eines Todesfalls in der Familie zwischenzeitlich bereits von seinem Bruder und Co-Trainer André Meyer vertreten worden war, gab der Verein die Trennung von den beiden bekannt.

Über die Gründe machte der Verein keine Angaben, FCE-Präsident Helge Leonhardt erklärte lediglich, alle Seiten müssten "rechtlich aufpassen, es ist ein unangenehmes Thema".

Schuster wird neuer Cheftrainer

Ein Nackenschlag für die Mannschaft und das komplette Umfeld. Mit einem Gesamtmarktwert von 13 Millionen Euro laut transfermarkt.de ist Aues Kader weit unten in der Rangliste der Zweiten Liga einzuordnen. Als dann die Verpflichtung von Dirk Schuster als neuem Cheftrainer durchsickerte, stellten sich die meisten Fans der Veilchen wohl auf eine weitere Saison im Abstiegskampf ein.

Zur Erinnerung: Schuster führte den SV Darmstadt bei seinem ersten Engagement sensationell von der Dritten Liga in die Bundesliga, hielt dort sogar die Klasse und wurde 2016 vor Trainergrößen wie Pep Guardiola und Thomas Tuchel als Trainer des Jahres ausgezeichnet.

Sein erfolgloses Engagement beim FC Augsburg und die Rückkehr nach Darmstadt, deren Erfolg höchstens als durchschnittlich bezeichnet werden kann, sorgten dann aber für Kratzer an Schusters Trainer-Image.

Schuster bremst Erwartungen

Nach dem verrückten 4:3-Heimsieg gegen Absteiger Nürnberg steht Aue jedoch überraschenderweise mit 18 Punkten auf Platz vier - und Schuster dürfte auch den letzten Aue-Fan von seiner Fußball-Idee überzeugt haben. Grund zum Abheben ist das für ihn jedoch nicht.

"Bei aller Euphorie, die rund um den Verein gern herrschen darf und die das Team auch beflügeln kann: Wir bleiben demütig und bodenständig. Wir haben mit Aue bisher 18 Punkte geholt, und das sind 18 Zähler für den Klassenerhalt", sagte der 51-Jährige im Gespräch mit t-online.

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Das Geheimnis des Erfolgs sieht Schuster vor allem in der mannschaftlichen Geschlossenheit. Dem gebürtigen Sachsen wird oft vorgeworfen, seinen Mannschaften eine zu defensive Spielweise vorzugeben. Das verneint er entschieden: "Wir legen ganz viel Wert auf einen starken Teamgeist und Disziplin. Diese geforderte Geschlossenheit wird vielleicht manchmal zu sehr auf den Defensivverbund auf dem Fußballfeld projiziert. Doch man kann diese Geschlossenheit genauso gut offensiv ausleben und aus einem Kollektiv heraus zielgerichtet nach vorn spielen."

Aue zu Gast in Darmstadt

Spieler wie Dimitrij Nazarov (5 Tore) oder Clemens Fandrich, die beide erst kürzlich ihren Vertrag verlängert haben, sind mit ihrer Aue-DNA die Eckpfeiler des Teams. Teure Neuzugänge gibt es hingegen nicht.

Am Freitagabend kehrt Schuster wieder zurück nach Darmstadt (2. Bundesliga: SV Darmstadt 98 - Erzgebirge Aue ab 18.30 Uhr im LIVETICKER), nur diesmal in Diensten des FCE. Am Böllenfalltor will Schuster den nächsten Erfolg feiern.

Und wer weiß: Vielleicht ist in ein paar Wochen schon nicht mehr von Punkten gegen den Abstieg die Rede.