Darum hakt Werders Umbruch

Darum hakt Werders Umbruch

Am Freitag startet die 2. Bundesliga. Bislang hat sich im Kader von Werder Bremen noch nicht viel getan - doch das muss sich ändern.
Werder Bremens neuer Trainer Markus Anfang stapelt tief und will das Ziel Wiederaufstieg noch nicht in den Mund nehmen.
Wiederaufbau statt Wiederaufstieg: So macht sich Werder im Zillertal fit
02:37
Felix Kunkel
von F. Kunkel
am 21. Juli

Zwei Tage vor dem Start in die neue Saison der 2. Bundesliga geht es beim SV Werder Bremen in puncto Kaderplanung ziemlich ruhig zu. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 2. Bundesliga)

Doch der große personelle Umbruch wird kommen, das verdeutlichte Sportchef Frank Baumann.

Bis Ende August soll es bei den Grün-Weißen noch „15 bis 20 Transfers“ geben, erklärte der 45-Jährige auf der Klub-Homepage. „Die Abgänge werden etwas höher sein.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 2. Bundesliga)

Fritz: „Die Mannschaft weiß, dass es noch Veränderungen geben wird“

Auf die Bremer Verantwortlichen kommt demnach noch einiges an Arbeit zu. Der Verein ist aufgrund der angespannten finanziellen Situation, die sich durch die Corona-Lage noch einmal zugespitzt hat, zum Verkauf einiger Profis verpflichtet. „Die Mannschaft weiß aber auch, dass es noch Veränderungen geben wird“, sagte Clemens Fritz im Doppelinterview mit Baumann gegenüber der Deichstube. (DATEN: Die Tabelle der 2. Bundesliga)

Der Leiter Scouting und Profifußball ist sich über die prekären Umstände der Kaderplanung durchaus bewusst. „Je näher wir an das Ende der Transferperiode kommen, desto schwieriger wird die Situation auf dem Transfermarkt. Spieler, mit denen wir uns seit Wochen oder Monaten beschäftigen, unterschreiben irgendwann woanders“, führte Fritz aus.

Heißt umgekehrt, dass die Verkäufe in Bremen langsam Fahrt aufnehmen müssen, um Platz für neue Gesichter zu schaffen. Das bekräftigte auch Baumann: „Wir müssen definitiv noch Transfereinnahmen erzielen und das Gehaltsbudget reduzieren.“ Fritz gab zu, dass der Klub eigentlich davon ausgegangen sei, „dass sich das Bild der Mannschaft zu diesem Zeitpunkt schon etwas mehr verändert“ habe.

Scheitert ein Abgang von Bittencourt an der Verletzung?

Bislang konnte allerdings mit Milot Rashica (Norwich City) erst ein namhafter Spieler verkauft werden. Bremen werde aber „keinen Spieler verschenken“, stellte Baumann klar.

Nicht gut sieht es bei einem potenziellen Verkaufskandidaten seit dem letzten Werder-Testspiel bei Feyenoord Rotterdam (1:2) aus. Leonardo Bittencourt zog sich während der Partie am Samstagnachmittag eine Knieverletzung zu und wird „definitiv während der ersten Saisonspiele“ ausfallen – so lautet die offizielle Diagnose.

Mit einem geschätzten Marktwert von rund 4,5 Millionen Euro hätte der Offensivmann die Bremer Kasse ein Stück weit füllen können. Nun befindet sich ein Abgang in dieser Transferperiode auf der Kippe.

Bremen-Stars mit Wechselwünschen

Dafür stehen noch andere Werder-Stars im Schaufenster. Innenverteidiger Milos Veljkovic wurde zuletzt mit dem AC Florenz in Verbindung gebracht, doch der 25-Jährige muss aufgrund eines positiven Coronatests zunächst beim Zweitliga-Auftakt passen. Abwehrkollege Ludwig Augustinsson soll nach seinem öffentlich angekündigten Wunsch, Werder verlassen zu dürfen, bei verschiedenen Klubs auf dem Zettel stehen.

Auch Maximilian Eggestein will offenbar den Klub aus eigenem Antrieb heraus verlassen. Der Mittelfeldspieler tauschte jüngst seinen Berater aus, dadurch erhoffe er sich bessere Abgangschancen, berichtete die Deichstube.

Sein Bruder Johannes steht aus einem anderen Grund vor einem Wechsel. Offenbar, weil Bremen mit dem 23-Jährigen eine ordentliche Ablösesumme einnehmen will. Berichten zufolge könnte damit ein gewünschter Flügelspieler für den neuen Trainer Markus Anfang finanziert werden.

Mittelstürmer Josh Sargent blickt ebenfalls in eine ungewisse Zukunft. Der US-Amerikaner soll zwischenzeitlich bei Eintracht Frankfurt auf dem Zettel gestanden haben, aber auch im Ausland gibt es wohl Interessenten.

Aktuell kein Neuzugang in Sicht

Gerüchte um Zugänge gibt es dagegen derzeit fast keine. Der kicker hatte Anfang Juli berichtet, dass der Transfer des norwegischen Mittelfeldspielers Fredrik Aursnes von Molde FK realisiert werden soll. Der 25-Jährige machte bislang zwölf Spiele in der Europa League. Doch einen neuen Stand gibt es hier offenbar nicht – weil eben auch kein weiterer Werder-Spieler verkauft wurde.

Das veranlasste auch Trainer Anfang von einer „außergewöhnlichen“ Situation zu sprechen. „Wie diese Mannschaft endgültig aussehen könnte, wissen wir erst ab dem 31. August“, sagte der Ex-Darmstadt-Coach dem kicker. Aktuell sehe er allerdings keinen Spieler, der sich zurückhalte. „Die wollen alle spielen, und auch alle für Werder Bremen spielen.“

Die bisherige Transferflaute führt außerdem dazu, dass sich die Norddeutschen nicht allzu optimistisch geben vor der neuen Saison. „Wenn man absteigt, wird man immer als Favorit bezeichnet. Wir sehen uns nicht als Topfavorit“, meinte Fritz bei der Deichstube. „Bevor wir Ziele formulieren, müssen wir erst unseren Kader genau kennen.“

Und bis dahin ist es offenbar noch ein längerer Weg. Auf jeden Fall bestreitet Werder am kommenden Samstag seinen Auftakt gegen Hannover 96. SPORT1 überträgt diese Partie ab 20.30 Uhr LIVE im TV und Stream.