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FC Schalke 04: Pläne für Finanzen, Aufstieg, Ausgliederung und Trainer

So steht es um die Schalke-Zukunft

Schalke 04 hat große Ambitionen. Die Königsblauen wollen wieder ein Leuchtturm sein in der Region. SPORT1 wirft einen Blick auf Finanzen, Aufstieg, Ausgliederung und die Trainer-Situation.
Schalke 04 will wieder ein Leuchtturm in der Region sein
Schalke 04 will wieder ein Leuchtturm in der Region sein
© Imago
Patrick Berger
Schalke 04 hat große Ambitionen. Die Königsblauen wollen wieder ein Leuchtturm sein in der Region. SPORT1 wirft einen Blick auf Finanzen, Aufstieg, Ausgliederung und die Trainer-Situation.

„Schalke muss wieder vorne sein, muss vorangehen, muss den Mut haben, zu machen. Wir wollen wieder ein Leuchtturm sein für die Region!“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 2. Bundesliga)

Das sagte Dr. Bernd Schröder, der neue Vorstandschef (Strategie, Kommunikation, Marketing, Vertrieb) auf Schalke, am Dienstag bei seiner offiziellen Vorstellung.

Der Ex-Leverkusener, der bei Schalke einen Vertrag bis bis 31. Dezember 2024 unterschrieben hat, bildet zusammen mit Peter Knäbel (Sport) und Christina Rühl-Hamers (Finanzen, Personal und Recht) den neuen dreiköpfigen Vorstand der Königsblauen.

Das Trio gab ein gutes Bild ab, inhaltlich konkret wollte es bei vielen Fragen aber (noch) nicht werden.

Wirklich Aufbruchstimmung konnten Schröder und Co. demnach nur bedingt erzeugen. Was insgesamt positiv zu bewerten ist: Auf Schalke scheint wieder die Vernunft eingezogen zu sein.

Wie sieht die Schalke-Zukunft mit dem neuen Vorstand aus? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer ist der neue starke Mann?

Schröder ist ein Quereinsteiger. Der 55-jährige Münsteraner ist promovierter Volkswirt (Wirtschaftsmathematiker) und arbeitete früher in führenden Positionen bei Bertelsmann und Christ.

Zuletzt fungierte er von 2019 bis 2021 als Direktor Marketing und Vertrieb bei Bayer Leverkusen.

„Wir haben einen modernen Manager gesucht“, sagt der neue Aufsichtsratschef Axel Hefer, „einen, der im Team führt und sich auch mal zurücknehmen kann.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 2. Bundesliga)

Die Zeit der „Big Bosse“ auf Schalke ist vorbei. Schröder ist kein Günter Eichberg, kein Rudi Assauer, kein Clemens Tönnies.

„Ich verfolge einen ganz anderen Ansatz“, sagte der neue starke Mann zu SPORT1. Er verstehe sich vielmehr als „primus inter pares“ („Erster unter Gleichen“). Eine One-Man-Show wird es unter ihm also nicht geben.

Schröder, der am 1. Januar 2022 seinen neuen Job angefangen hat, ist noch in der Phase des Zuhörens und Kennenlernens und gab sich den Journalisten gegenüber äußerst interessiert, offen und smart.

„Wir wollen sportlich zurück in die Bundesliga und auf der Basis von soliden Finanzen handlungsfähig sein“, sagte er. „Wir müssen uns definieren, wofür Schalke stehen und wie es in drei, fünf und zehn Jahren aussehen soll.“

Was sind die sportlichen Ziele?

„Wir haben einen Dreijahresplan und wollen in dieser Zeit aufsteigen“, sagte Sportvorstand Peter Knäbel. Dass man bereits in dieser Zweitliga-Saison vorne mitspielt und das Ziel mit etwas Glück schon jetzt erreichen kann, bewertet Knäbel als positiv.

„Kein Schalker muss sich mehr für das Team oder die Leistungen schämen“, sagte er. „Endlich wird wieder über Fußball auf Schalke geredet.“

Der Sport-Boss sprach über ein „langfristiges und unabhängiges Sportkonzept“, das man aktuell noch erarbeitet. Ins Detail gehen wollte der gebürtige Rurpottler (Witten) aber nicht.

Zwei Punkte sollen dabei aber basierend auf dem Thema Digitalisierung entscheidend sein: Kaderwertmanagement und Kaderwertentwicklung.

Mit anderen Worten: Spieler sollen für wenig Geld gekauft werden (oder aus dem eigenen Nachwuchs kommend) für viel Kohle verkauft werden.

Wie steht es um die Zukunft des Trainers?

„Zwischen Dimi und dem Verein ist alles geklärt, was die nächste Saison angeht“, sagt Knäbel. Heißt: Bei Aufstieg verlängert sich der Vertrag von Cheftrainer Dimitrios Grammozis automatisch.

Bei Nicht-Aufstieg sieht es offenbar nach einer Beendigung der Zusammenarbeit aus. Insgesamt ist Knäbel „sehr happy“ mit der Entwicklung, zumal Grammozis einen „engen Draht zur Mannschaft“ habe.

Geht Sportdirektor Schröder doch noch?

Sportdirektor Rouven Schröder wird nach dem Rücktritt von Max Eberl als Nachfolger in Gladbach gehandelt. Eine Kontaktaufnahme seitens der Borussia gab es nach SPORT1-Informationen.

Schröder hat sich kürzlich aber klar zu S04 und seiner Anstellung über den Sommer hinaus bekennt. Gibt es doch noch einen Rückzieher? (DATEN: Die Tabelle der 2. Bundesliga)

Knäbel ist sich sicher: „Es wird keinen Sinneswandel geben, weil Rouven Glaubwürdigkeit wichtig ist.“

Wie ist die finanzielle Lage?

Schalke drückt weiterhin ein Schuldenberg von über 200 Millionen Euro (Gesamtverbindlichkeiten), der aber sukzessive abgebaut werden soll.

„Wir wollen in jeder Lage finanziell handlungsfähig sein“, sagt Rühl-Hamers. Die Finanzchefin, die seit Oktober 2020 an Bord ist, erarbeitet mit ihrem Team derzeit ein „wirtschaftlich notwendiges Fundament.“

Ein kluger Satz, den man auf Schalke zuvor kaum gehört hat: „Wir geben nur das Geld aus, was wir haben!“

Rühl-Hamers habe Pläne in der Schublade, um auf alle Szenarien vorbereitet zu sein. Der Klub hat im Sommer die Lizenz der eSport-Abteilung verkauft und damit rund 27 Mio. Euro eingenommen.

Bei Bedarf könnten auch die Marketing- oder Cateringrechte verkauft werden – aktuell ist das aber nicht angedacht.

Mitte März muss Schalke die Unterlagen für die Saison 2022/2023 bei der DFL einreichen. „Wir wissen auch jetzt wieder, dass wir Auflagen erhalten“, sagt Rühl-Hamers, „die wir aber mit Sicherheit erfüllen werden.“

Grund für die Auflagen sind unter anderem laufende Verträge von verliehenen Spielern wie Ozan Kabak (Norwich kauft ihn nur bei Klassenerhalt für 13 Milionen Euro) und Amine Harit (Marseille hat keine Option).

Wird die Ausgliederung forciert?

Klares Nein! Eine Öffnung der Profi-Abteilung für neue Investoren sei „im Moment kein Thema für uns“, sagt Schröder.

Unter Ex-Marketingchef Alexander Jobst (heute Düsseldorf) wurden konkrete Pläne zur Ausgliederung erarbeitet und forciert. Diese wurden klubintern unter dem neuen Vorstand nun vorerst ad acta gelegt.

Bleibt Gazprom Hauptsponsor?

Der Vertrag mit dem umstrittenen Hauptsponsor läuft noch bis 2025. Die Russen sind Schalke trotz Abstieg treu geblieben und zahlen rund 9 Millionen Euro pro Jahr. Eine Stange Geld, auf die S04 kaum verzichten kann.

Ein kritisches Wort kam den Verantwortlichen in Bezug auf die heikle politische Weltlage (Konflikt zwischen Russland und Ukrainer) offenbar auch deshalb nicht über die Lippen.

„Wir sind sehr froh, dass wir mit Gazprom Germania einen verlässlichen Partner an unserer Seite haben“, sagte Schröder schmallippig.

Und Aufsichtsratschef Axel Hefer schlug in die gleiche Kerbe: „Im Gremium geht es um Menschen und nicht um die Institution, die sie vertreten. Und mit den Menschen arbeiten wir sehr konstruktiv und gut zusammen. Wir sind in täglichem Austausch.“

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