Wenn Statistiken nicht lügen, dann gibt es einen Grund mehr sich auf das Topspiel des Samstags in der 2. Liga zu freuen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 2. Bundesliga)
2. Bundesliga: Im Topspiel zwischen dem 1. FC Nürnberg und Darmstadt 98 sind Tore fast garantiert
Hier sind Tore fast garantiert
Nürnberg gegen Darmstadt ist nicht nur ein Duell zweier Aufstiegsaspiranten, es hat auch eine eingebaute Torgarantie.
37-mal kreuzten sich die Wege der beiden Klubs in Punktspielen, erstmals in der Oberliga Süd 1950/51, und immer fielen Tore. Im Schnitt 3,46 – und schön gleichmäßig verteilt (62:62). Der Torrekord wurde dabei beim bis dato letzten Nürnberger Heimsieg in der 2. Liga aufgestellt – vor 45 Jahren. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 2. Bundesliga)
1978 stiegen beide Vereine gemeinsam auf
Diejenigen Fans beider Klubs, die die Saison wachen Auges miterlebt haben, erinnern sich gewiss noch heute gern an 1977/78.
Damals stiegen sowohl Darmstadt 98 (als Meister der 2. Liga Süd) als auch der 1. FC Nürnberg (Sieger in Entscheidungsspielen gegen RW Essen) auf.
Für Darmstadt war es die Bundesligapremiere und alle Welt sprach von einer Sensation, waren es doch alles Halbprofis, die da in Südhessen am Werk waren. Die Spieler von Trainer Lothar Buchmann gingen einer geregelten Arbeit als Kaufleute oder Bauzeichner nach und standen erst nach Büroschluss auf dem Trainingsplatz. Trotzdem konnte sie 1977/78 keiner stoppen. (DATEN: Die Tabelle der 2. Bundesliga)
Beim Club lagen die Verhältnisse etwas anders, auch wenn die letzte Bundesligasaison schon neun Jahre zurücklag – 1969 war er bekanntlich als Meister abgestiegen. Seither versuchte er vergeblich sein Comeback ins Oberhaus zu schaffen – bis 1978, als unter Trainer Horst Buhtz, einem ausgewiesenen Aufstiegsexperten, der große Wurf gelang.
Beide Teams musste vor Duell etwas gut machen
In den Duellen der Aufstiegssaison gewann jeweils die Heimmannschaft.
An das 2:0 am Böllenfalltor im April 1978 dürfte sich kaum noch jemand erinnern, doch in Nürnberg wurde am 28. Oktober 1977 Zweitligageschichte geschrieben. 15.000 Zuschauer pilgerten an diesem Freitagabend an den Valznerweiher ins Frankenstadion, das noch niemand nach einem Sponsor zu nennen trachtete.
Die Club-Fans erwarteten ebenso wie die der Gäste Wiedergutmachung. Nürnberg hatte am Wochenende zuvor die Tabellenführung ausgerechnet beim bis dahin sieglosen Nachbarn Kickers Würzburg verloren (0:3) und war auf Platz drei abgestürzt.
Darmstadt wiederum hatte sich im Heimspiel gegen Chio Waldhof Mannheim mit 0:4 nicht minder blamiert und Buchmann dämpfte die Erwartungen: „Wer uns auf einem Bundesligaplatz sieht, geht an den Realitäten vorbei.“
Als Fünfter waren sie auch auf keinem, nun galt es sich „zu rehabilitieren. Aber Nürnberg ist für uns so oder so ein heißes Pflaster.“ Als hätte er es geahnt…
Torspektakel mit 2. Liga-Rekord
Die Nürnberger, die ihrerseits intern Druck bekamen (Manager Franz Schäfer: Die Gesamtleistung war indiskutabel“), spielten sich am Wochenende vor der anstehenden Jahreshauptversammlung in einen Rausch.
Der spätere Bayern-Profi und Vize-Weltmeister von 1986, Norbert Eder, eröffnete den Torreigen und nach 38 Minuten stand es bereits 3:0. Dann rappelten sich die Lilien etwas auf und in die Halbzeit ging es mit einem 4:2. Horst Weyerich per Foulelfmeter, Dieter Lieberwirth und Klaus Täuber trafen für Nürnberg, Manfred Drexler und Hans Lindemann für die Gäste.
Die dachten nicht an Aufgabe und stellten tatsächlich durch Mittelstürmer Peter Cestonaro und Drexler den Gleichstand wieder her – 4:4 nach 72 Minuten. Lange freuen durften sie sich nicht darüber, denn zwei Minuten später zeigte Schiedsrichter Joos (Stuttgart) wieder auf den Punkt und Weyerich tat erneut seinen Vollstreckerjob – 5:4.
Die Entscheidung ließ noch auf sich warten und kam in Gestalt von Joos daher, der nach 80 Minuten zum dritten Mal Elfmeter für Nürnberg gab. Abwehrchef Weyerich ließ sich nicht lange bitten und ging als erster Zweitligaspieler mit drei verwandelten Elfmetern in die Annalen ein. Erst 1985 folgte ihm der Homburger Gerd Schwickert beim 7:1 gegen Osnabrück.
Nürnberg seit 1978 ohne 2.Liga-Heimsieg gegen Darmstadt
Dabei hatte Weyerich in der Woche vor dem Spiel nur einmal trainieren können, sein schwacher Fitnesszustand war ihm durchaus anzumerken, was seiner Nervenstärke nichts anhaben konnte.
Von der Anzeigetafel leuchtete nach 90 Minuten ein spektakuläres 6:4 den Heimweg der Zuschauer aus, die sich wohl kaum bewusst waren wie selten dieses Torfestival bleiben würde.
Bis heute hat es für Nürnberg kein torreicheres Punktspiel mehr gegeben, Darmstadt feierte 1980 mit einem 9:2 gegen den ESV Ingolstadt immerhin noch ein größeres Schützenfest.
Außerdem war es Nürnbergs letzter Heimsieg über die Lilien in der 2. Liga, es folgten fünf Remis und eine 2:3-Niederlage im letzten Heimspiel vor dem Lockdown im Februar 2020.
In der Bundesliga, in die sie 1978 also gemeinsam einzogen, glückte den Nürnbergern am 9. September noch einmal ein Heimsieg – 3:2 nach 0:2-Rückstand. Seitdem aber warten die Club-Fans darauf, dass die Lilien geknickt nach Hause fahren.
Lilien-Trainer zeigt sich als schlechter Verlierer
So wie 1977, als Trainer Buchmann kein wirklich guter Verlierer war. Er haderte mit Joos: die ersten beiden Elfmeter seien völlig unberechtigt gewesen und wenn sie auf 6:6 aufgeschlossen hätten, „dann hätte er noch weitere Elfmeter für Nürnberg gegeben“.
Kollege Buhtz konnte die Sache entspannter sehen, meinte aber dass sein EKG nach diesem Spiel besonders hohe Werte angezeigt haben würde.
Der „Kicker“ mahnte den Sieger: „Der Club 77 darf sich solche Nervenschlachten nicht oft erlauben.“
Doch das war leicht geschrieben, wenn doch der Gegner Darmstadt 98 heißt und eines seit Anbeginn des Duells ausgeschlossen ist: ein langweiliges 0:0.