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Bundesliga-Aufstieg? "Wir wollen bis zum Ende träumen dürfen"

„Wollen bis zum Ende träumen dürfen“

Der SC Paderborn ist einer der heißen Aufstiegskandidaten in der 2. Bundesliga. Mitverantwortlich für die Erfolgsgeschichte ist ein Eigengewächs.
Was für eine irre Pokalpartie in Paderborn! Bayer Leverkusen muss beim Zweitligisten trotz langer Überzahl und Zaubertor von Alejandro Grimaldo in die Verlängerung - und dort wird's erst so richtig wild. Kommentator: Nico Seepe.
Der SC Paderborn ist einer der heißen Aufstiegskandidaten in der 2. Bundesliga. Mitverantwortlich für die Erfolgsgeschichte ist ein Eigengewächs.

Der SC Paderborn spielt eine herausragende Saison und mischt im Aufstiegsrennen der 2. Bundesliga ganz vorne mit. Konstanz, Klarheit und ein klar erkennbares Profil prägen den Weg des Vereins.

Mitten in dieser Entwicklung steht Sebastian Lange – ein Mann, dessen Geschichte eng mit Paderborn verwoben ist. Er hat in der Jugend für den Verein gespielt, stand über Jahre in der ersten Mannschaft im Tor – und ist nun als Geschäftsführer Sport zurückgekehrt.

Lange: Wechsel von Verl nach Paderborn

Vom Eigengewächs zum strategischen Kopf. Vom Torhüter zum Gestalter. Sein Weg ist alles andere als gewöhnlich. Bevor er nach Paderborn zurückkam, prägte Lange über ein Jahrzehnt lang den SC Verl. Dort entwickelte er mit klarer Vision, mutigen Entscheidungen und strukturierten Prozessen einen Regionalligisten zu einem erfolgreichen Drittligisten.

Mit begrenzten Mitteln, aber klarer Idee. Mit Haltung statt Hektik. Mit Strategie statt Zufall. Genau dieses Denken bringt er nun in Paderborn ein. Keine Revolution, sondern Präzision. Keine lauten Parolen, sondern klare Linien. Während der Verein sportlich überzeugt, bleibt seine Führung ruhig, analytisch und konsequent. Erfolg ist für ihn kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis eines starken Umfelds, einer klaren Kultur und konsequent gelebter Prozesse.

In einer neuen Folge des SPORT1-Podcasts Leadertalk geht es mit Gastgeber und Coach Mounir Zitouni um Beständigkeit in einem schnellen Geschäft, um die Kraft von Identität, um Führung durch Vertrauen – und um die Frage, wie man Wahrscheinlichkeiten erhöht, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Eine Episode über Heimat, Verantwortung und darüber, wie nachhaltiger Erfolg wirklich entsteht.

Vom Eigengewächs zum Geschäftsführer Sport

Der 38-Jährige ist beim SC Paderborn nicht nur Geschäftsführer Sport – er ist ein echtes Eigengewächs. Er hat in der Jugend für den Verein gespielt, stand später über Jahre in der ersten Mannschaft im Tor und kehrte nun als Verantwortlicher für den sportlichen Bereich zurück.

Sein Bezug ist tief verwurzelt. „Dadurch dass ich immer sehr nah hier dabei geblieben bin, in Paderborn wohne, die Leute kenne, das Umfeld kenne, wusste ich ja ganz genau, was auf mich zukommt, was mich erwartet, welche Potenziale in dem Klub schlummern.“

Die Verbindung reicht noch weiter zurück. Der SC Paderborn ist aus mehreren Vorgängervereinen entstanden, darunter die TuS Schloß Neuhaus – jener Verein, mit dem sein Vater 1982 in die 2. Bundesliga aufstieg. „Mein Vater war Teil dieser Mannschaft“, sagt Lange. Auch wenn er dessen aktive Zeit nicht bewusst miterlebt habe, sei Fußball von klein auf allgegenwärtig gewesen.

„Als kleiner Junge nimmst du diese Dinge dann natürlich auch immer bewusst wahr. Gehst mit auf den Fußballplatz und wächst dadurch ja automatisch rein.“ Die Unterstützung der Familie beschreibt er als konstant: „Ich hatte nie auch das Gefühl, dass ich da irgendwo alleine gelassen werde, sondern immer die Unterstützung bekommen habe.“

Seine Zeit als Torhüter prägte sein Führungsverständnis nachhaltig. „Man weiß auch, dass man ja selber derjenige ist, der dann den Ball am Ende aus dem Netz holt und alle sich umdrehen und zu dir gucken.“ Für ihn steht diese Rolle für Verlässlichkeit und Stabilität: „Das ist eine Spielentscheider-Position auf dem Feld. Man muss sehr verlässlich sein, beständig sein.“

Ex-Keeper prägt Drittligist Verl

Bevor Lange im vergangenen Sommer nach Paderborn zurückkehrte, schrieb er beim SC Verl seine eigene Erfolgsgeschichte. Zwölf Jahre war er dort – zunächst als Spieler, später als sportlich Verantwortlicher. Unter seiner Mitwirkung entwickelte sich der Verein vom Regionalligisten zum etablierten Drittligisten.

Rückblickend beschreibt er diese Phase als strategischen Aufbau: „Es war dann wirklich das weiße Blatt Papier, was ich später in den Rollen, die ich einnehmen durfte, beschriften durfte – an einer klaren Strategie und auch einer Spielidentität.“

Ein wesentlicher Bestandteil war ein klar strukturierter Transferprozess. „Wenn es um eine Spielerverpflichtung geht, ist für mich das Entscheidende, da einfach immer einen Prozess zu definieren und zu setzen, weil der Prozess bringt dir am Ende das Ergebnis.“ Dabei betont er, dass Daten kein Selbstzweck seien: „Die Daten sind ja auch immer nur ein Impuls.“ Entscheidend sei das Zusammenspiel aus Analyse, Persönlichkeit und Teamdynamik.

„Kultur steht für mich immer ganz oben“

Diese Denkweise bringt Lange nun nach Paderborn – ohne dabei Bestehendes infrage zu stellen. „Ich bin hierhin gekommen, habe meine eigene Strategie mitgebracht, und es geht darum, Dinge nicht grundsätzlich anders zu machen, sondern sie zu schärfen.“

Für ihn beginnt alles bei der Identität: „In erster Linie geht es da wirklich um den Klub und um die Kultur und um die Atmosphäre. Wie man auftreten möchte, wie man sich darstellen möchte, wer man sein möchte.“ Entsprechend klar formuliert er seinen Anspruch: „Kultur steht für mich immer ganz oben.“

Führung bedeutet für Lange Orientierung zu geben und Verantwortung zu übertragen. „Für mich ist entscheidend, ganz klar eine Vision und eine Strategie vorzugeben, wonach sich auch alle irgendwo ausrichten.“ Gleichzeitig sei Vertrauen essenziell: „Verantwortung zu übertragen an einzelne Leute und den Menschen dann zu vertrauen in ihrer Arbeit. Ich bin auch nicht der, der dann alles am besten kann, sondern habe ja auch Spezialisten in den einzelnen Bereichen.“

Im Verhältnis zum Trainer setzt er auf Passung statt Anpassung. „Der Trainer ist der wichtigste Mitarbeiter im Verein.“ Gleichzeitig müsse der Verein seine Richtung kennen: „Im besten Fall findet man einen Trainer, der auch zu der Art und Weise des Vereins passt und nicht, dass sich ein Verein zu der Art und Weise des Trainers umschließt.“ Klare Erwartungen seien entscheidend, „sodass es dann auch für beide Seiten keine Überraschungen gibt.“

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„Spieltag ist immer Festtag“

Trotz Aufstiegskampf bleibt Lange bemerkenswert nüchtern. „Spieltag ist immer Festtag. Es macht Spaß.“ In seiner Rolle sei er „sehr entspannt, sehr rational“ und gehe „nie mit einem Gefühl in ein Spiel rein, weil Fußball ist nicht immer planbar.“

Maßstab sei die Entwicklung: „Ganz entscheidend sind wir auf unserem Weg? Weil unser Weg soll ja die Wahrscheinlichkeit dann auch erhöhen, erfolgreichen Fußball zu spielen und Punkte zu holen.“ Druck verortet er vor allem intern: „Letzten Endes den Druck machen wir uns ja selber, erfolgreich sein zu wollen.“

Den nachhaltigen Erfolg des SC Paderborn erklärt Lange mit den Rahmenbedingungen. „Das Umfeld beeinflusst uns Menschen. Und wir haben ein sehr leistungsförderndes Umfeld an diesem Standort hier.“ Infrastruktur und kurze Wege seien entscheidend: „Da liegt der Kern unserer heutigen Entwicklung, dass wir es geschafft haben, unser Sportumfeld leistungsfördernd hier zu errichten und dieses aber auch dauerhaft weiterzuentwickeln.“

Sein persönliches Leitmotiv bringt er auf einen prägnanten Nenner: „Plane deinen Trade, trade deinen Plan.“ Für ihn bedeutet das: „Plane dein Handeln und handel danach.“ Den möglichen Aufstieg ordnet er folgerichtig ein: „Ja, das ist nicht planbar. Planbar ist eine Strategie und eine Vision, wo wir hinwollen und darüber hinaus die Wahrscheinlichkeiten zu erhöhen, dass dieser Fall einfach eintrifft.“ Und dennoch bleibt Raum für Emotion – man wolle „bis zum Ende träumen dürfen“.

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Mounir Zitouni (55) war von 2005 bis 2018 Redakteur beim kicker und arbeitet seitdem als Businesscoach, betreut Führungskräfte und Unternehmen in punkto Leadership, Kommunikation und Teamentwicklung. Der ehemalige Profifußballer hat die Autobiographie von Dieter Müller geschrieben und im Buch „Teams erfolgreich führen“ (Metropolitan-Verlag, 2024) die Erkenntnisse aus den Gesprächen im Podcast LEADERTALK zum Thema Leadership zusammengefasst.