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Bierdusche aus der Hölle

Bierdusche aus der Hölle

Ribery redet angeblich nicht mehr mit Boateng, weil der ihn begossen hat. Es hätte gute Gründe: Bierduschen sind fürchterlich.
Einvernehmliche Bierdusche: Jerome Boateng (r.) auf Franck Ribery
Einvernehmliche Bierdusche: Jerome Boateng (r.) auf Franck Ribery
© Getty Images
Ribery redet angeblich nicht mehr mit Boateng, weil der ihn begossen hat. Es hätte gute Gründe: Bierduschen sind fürchterlich.

Sie erzählen hinterher von einvernehmlich, natürlich.

So ist das eben in den heutigen Zeiten.

Da könnten morgen auch die vier apokalyptischen Reiter über die Menschheit hinwegfegen. Auch sie verschicken dann übermorgen die Mitteilung:

"200.000 tolle gemeinsame Jahre... in einem konstruktiven Dialog übereingekommen... gemeinschaftlich verabredete Trennung... Zeit für einen Neustart... danke für alles... wünschen für die Zukunft alles Gute!"

Man weiß, was man davon zu halten hat. Und nirgends ist es offensichtlicher geworden als bei dieser unsäglichen Geschichte in dieser Woche.

Tapfer grinsend stellen sich da die Konfliktparteien Jerome Boateng und Franck Ribery gemeinsam vor die Kamera. Haben je einen Arm umeinander gelegt und den anderen in brüderlich anmutender Gebärde aufeinander gerichtet. Und Boateng verschickt dazu die Mitteilung:

"Ich und mein Bro Ribery? alles in Ordnung? alles gut!"

Eine haltlose Beschönigung, die der bitteren Macht der Fakten nicht standhält.

Die sieht nämlich so aus: Leute im Internet sagen, unter Berufung auf einen Artikel der "Daily Mail", der unter Berufung auf Leute im Internet berichtet, dass Franck Ribery stinkewütend ist und nicht mehr mit Jerome Boateng redet, weil der ihm eine Bierdusche verpasst hat.

Unsinn, glaubt Boateng nun zu behaupten: Alles im Einvernehmen passiert. Und es sei ja alkoholfreies Bier gewesen, die für Ribery und seinen muslimischen Glauben unbedenklich sei. Also alles gut.

Alles gut? Wäre es vielleicht, wenn es bei diesem mutmaßlich größten Bier-Zoff seit dem Bierkrieg zwischen Naila und Selbitz 1778 nur um religiöse Gefühle ginge.

Aber es geht um Wichtigeres.

Es geht darum, dass das Ritual der Bierdusche - bei allem Respekt für die übrigen Probleme der Menschheit - der größte, schlimmste, fürchterlichste und verachtenswerteste Nervquatsch der Welt ist.

Riesenhumpen, die jede Individualität und Würde des gefeierten Moments auf Ex hinwegspülen - während im Hintergrund "We are the Champions" noch ein bisschen kaputter gespielt wird, als es ohnehin schon ist: Der Anblick ist ebenso grässlich wie grassierend.

Es sind ja nicht mehr nur die Meisterfeiern, die befallen sind: Keine Nichtabstiegsparty in der B-Klasse, die noch ohne die Entleerung der Monstergläser auskommt.

Da ist es kulturpessimistische Pflicht zu fragen: Wo soll das noch hinführen?

Zu Bierduschen für den erfolgreichen Vertragsabschluss im Handyfachgeschäft? Den gelungenen Haarschnitt beim Friseur um die Ecke? Die theologisch besonders ausgefeilte Pfingstpredigt? Die unfallfrei über die Bühne gebrachte Einschulung?

In letzter Konsequenz - auch das weiß man als sachverständiger Kulturpessimist - zum Untergang des Abendlandes und zum Ende der Welt.

Gekrönt von einer einvernehmlichen Bierdusche der vier apokalyptischen Reiter.