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Ist Barcas Ausverkauf aufzuhalten?

Ist Barcas Ausverkauf aufzuhalten?

Mit der 1:4-Pleite gegen Paris erlebt der FC Barcelona einen weiteren Tiefpunkt. Der Spielstil der Katalanen scheint überholt. Müssen jetzt große Namen gehen?
Dem FC Barcelona droht eine Saison ohne Titel. Zudem steckt der Klub in einer finanziellen Krise.
Julian Agardi
von Julian Agardi
18.02.2021 | 18:39 Uhr

Gedemütigt im eigenen Stadion!

Durch die bittere 1:4-Heimpleite gegen Paris Saint Germain ist das früheste Champions-Legaue-Aus seit 14 Jahren für den FC Barcelona kaum mehr abzuwenden – mehr noch.

Nach der 2:8-Klatsche gegen die Bayern im Viertelfinale der vergangenen Königsklassen-Saison bedeutet die Niederlage gegen den französischen Serienmeister einen weiteren Tiefpunkt in der jüngeren Barca-Vergangenheit. Die Wiederaufbauphase, in der sich der FC Barcelona seit den Abgängen von Ivan Rakitic, Arturo Vidal und Luiz Suárez im vergangenen Sommer befindet, ist massiv beschädigt.

Alba, Piqué, Busquets: Müssen große Namen gehen?

Und so drängt sich verstärkt die Frage auf: Braucht der so stolze Traditionsklub aus der Hauptstadt Kataloniens jetzt einen radikalen Neuanfang? Einen, der auch vor großen und in Barcelona klangvollen Namen nicht zurückschreckt?

Bezeichnend für das derzeitige Barca-Dilemma ist, dass der 31 Jahre alte Jordi Alba seit Jahren keinen echten Konkurrenten hat, der ihm seinen Platz auf der linken Verteidigerposition auch nur im Ansatz streitig macht. Ein moderner Außenverteidiger auf Weltklasse-Niveau sollte heutzutage aber mehr mitbringen als nur einen ausgeprägten Offensivdrang.

Ebenso bemerkenswert ist, dass Gerard Piqué mit seinen 34 Jahren am Dienstagabend dazu gezwungen war, die Regenerationszeit nach seiner schweren Knieverletzung zu verkürzen, um nach dreimonatiger Pause gegen PSG direkt in der Startelf zu stehen. Und er tut dies mittlerweile in einer Abwehr, die in erster Linie mit dem Ball am Fuß nach vorne drängen muss.

Denn die Zeiten, in denen Barcelona unter Trainer Pep Guardiola den Ball in der gegnerischen Hälfte sofort wieder zurückerobert hat, sind längst vorbei. Der fünfmalige Champions-League-Sieger pflegt heute einen Spielstil, der dem erfahrenen Innenverteidiger keineswegs zugutekommt.

De Jong und Pedri anstelle von Busquets? 

Symbolisch für das Spiel des FC Barcelona ist aktuell auch, dass in den meisten Fällen mit Sergio Busquets ein 32-Jähriger die langen und laufintensiven Ballpassagen im Mittelfeld überbrücken muss. Diese gelingen dem Spanier längst nicht mehr so zuverlässig wie es seine Teamkollegen in den vergangenen Jahren von ihm gewohnt waren.

Häufig sind gefährliche Ballverluste die Folge. Und das, obwohl Barca mit Frenkie De Jong (23 Jahre) und Pedri (18 Jahre) talentierte und prädestinierte Spieler für dieses wichtige Spielelement zur Verfügung stünden.

Der Fußball und vor allem der Spielstil vieler Mannschaften hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Körperlichkeit, Spieltempo und Intensität machen heutzutage den Unterschied.

Piqué: "Niemand ist unverzichtbar"

Fraglich ist, ob die Barca-Oldies vor allem auf internationalem Parkett noch in der Lage sind, diese Eigenschaften auf den Platz zu bringen. Auch wenn sie den europäischen Fußball über Jahre hinweg dominiert haben und der Schlüssel für große Erfolge waren, könnte sich das Kapitel allmählich dem Ende zuneigen - um Platz zu machen für jüngere, hungrige Spieler.

"Niemand ist unverzichtbar. Ich bin der Erste, der geht, wenn ich denke, dass der Tiefpunkt erreicht ist", sagte Piqué nach dem 2:8 gegen die Bayern. Jetzt, nach der demütigenden Heimniederlage gegen Paris, könnte er näher sein als je zuvor.