Daum: Das richtige Angebot fehlte

Daum: Das richtige Angebot fehlte

Christoph Daum trainierte mit nur 32 Jahren den 1. FC Köln. Im Podcast „Leadertalk“ spricht er mit Mounir Zitouni über wichtige Coaching-Eigenschaften und Krisenmanagement.
Christoph Daum trainierte von 2016 bis 2017 die rumänische Nationalmannschaft
Christoph Daum trainierte von 2016 bis 2017 die rumänische Nationalmannschaft
© Imago
Mounir Zitouni
von Mounir Zitouni
am 27. Juli

Mit nur 32 Jahren wurde Christoph Daum 1986 Cheftrainer beim 1.FC Köln. Seitdem trainierte der gebürtige Zwickauer unzählige Top-Teams, feierte mit Stuttgart, Austria Wien, Besiktas und Fenerbahce Meisterschaften, wurde mit Köln zweimal, mit Leverkusen dreimal Vizemeister. (SERVICE: Die volle Ladung Sport aufs Ohr mit der Podcast-Familie von SPORT1)

Aktuell berät Daum etliche Führungskräfte aus dem deutschen Fußball und gibt sein Wissen bei Vorträgen und Keynote-speaker-Events weiter.

Im SPORT1-Podcast „Leadertalk“ redet Daum mit Business-Coach und Autor Mounir Zitouni über mentales Training, sein eigenes STARK-Modell zur Teamführung, über das verlorene Meisterschaftsfinale in Unterhaching, darüber, wie er mit Krisen in seinem Leben umgegangen ist und ob er nochmal in der Bundesliga trainiert.

Mentales Training und die richtige Kommunikation ist sehr wichtig

Christoph Daum hat sich schon recht früh in seiner Karriere mit der Motivation seiner Spieler beschäftigt. „Den Bereich des mentalen Trainings habe ich für die Entwicklung eines einzelnen Spielers als auch der Mannschaft als sehr wichtig angesehen.“ Grundlage dafür ist eine richtige Kommunikation. „Dafür ist es wichtig, dass sich der Trainer mit einzelnen Spielern unterhält. Die Sprache der Spieler wirst du nur dann sprechen, wenn du gelernt hast zuzuhören. Ich kann nicht einfach irgendeinen Spieler zu etwas bewegen, motivieren, von dem er nicht überzeugt ist, was er nicht mitträgt. Insofern ist es meine Aufgabe, immer wieder mit dem Spieler gemeinsam einen Sinn der Maßnahmen, der Ziele zu erreichen. Das ist nicht einmal auf den Tisch springen und sagen: Wir sind die besten, geht raus und gewinnt. Das ist mentales Training, das in vielen Gesprächen aufgebaut werden muss.“

Besonders Stürmer Ulf Kirsten, der unter Daum zweimal Torschützenkönig wurde, profitierte von Daums Maßnahmen. Anhand eines Vergleichs mit einem Staubsaugerverkäufer brachte der ihm bei: „Das Auslassen von Chancen ist genauso wichtig wie das Erzielen von Toren. Eine hundertprozentige Trefferquote gibt es nicht.“

Er sagte zum Stürmer: „Du weißt nicht, wann du die Tore machst, ob du vorher nicht 5,6 Fehlversuche hast. Du wirst also immer eine gewisse Anzahl von Fehlversuchen haben. Und dann ist es wichtig, wie schnell du wieder in die bestmögliche Stimmung kommst….“ Das haben wir dann mit einem optischen Anker verbunden. Er ist mehrfach Torschützenkönig geworden. Das hat bei ihm gut funktioniert.

Daums Trainer-Vorbilder

Daum hat sich stets viel von erfahrenen Trainerkollegen abgeschaut: Helmut Schön, Gero Bisanz, Dettmar Cramer, aber vor allem Rinus Michels waren ihm große Vorbilder. „Michels war der Trainerguru schlechthin. Er hat den Voetbal total entworfen. Auf dem fußte die ganze Barcelona-Schule. Alles, was Cruyff oder Guardiola später gemacht haben, fußte auf ihm. Wir haben uns sehr viel ausgetauscht, wir waren sehr enge Freunde. Er hat mich sehr, sehr beeinflusst“, sagt Daum.

Der Trainer hat von solchen Ratgebern stets profitiert. „Wir Menschen neigen zu einer Überschätzung der eigenen Maßnahmen, Insofern ist eine externe Rückmeldung unheimlich wichtig. Für Spieler wie für Trainer gilt: Feedback ist das Frühstück für Champions. Ein Trainer muss sich bewusst darum kümmern, diese Rückmeldung einzufordern.“

Grundsätzlich wünscht sich Daum, dass das Coaching der Coaches in den Ligen mehr in das Blickfeld rutscht. „Die Trainerentwicklung wird dem Zufall überlassen. Wenn ein junger Trainer in Schwierigkeiten kommt, wäre es ja gut, dass er Hilfe bekommt. Jeder bejaht, dass Spieler weiterentwickelt werden müssen, aber kaum einer kümmert sich darum, wie die Trainer weiterkommen. Da werden die Trainer oft sich selbst überlassen. Ich würde allen Verein verordnen, dass sie einen Coach oder Mentor in ihrem Verein integrieren.“

Daum: „Warnsignale nicht richtig eingeschätzt“

Angesprochen auf das verlorene Meisterschaftsfinale 2000 in Unterhaching sagt Daum heute: „Ich habe einige Warnsignale nicht richtig eingeschätzt, vielleicht sogar übersehen. Jedem Trainer muss es gelingen ein Frühwarnsystem aufzubauen. Bei uns war es so, dass schon eine Woche vorher ein Meisterlied komponiert wurde, dass ein Autocorso geplant worden ist, da habe ich nicht genügend gegengesteuert. Wir sind mit Fans und Sponsoren nach München geflogen. Als wir dort ankamen hatten wir schon Oktoberfeststimmung. Ich habe unglaublich viele Fälle durchgespielt, was uns passieren könnte im Spiel. Ich hatte viele Worst-Case-Szenarien durchgespielt, aber nicht, dass ein Spieler uns mit einem Eigentor in Rückstand geraten lässt.“

Daum feierte nicht nur viele Erfolge, sondern musste auch große Krisen, wie zum Beispiel den Rücktritt als Leverkusen-Coach 2000 nach einem positiven Drogentest, durchleben. Wie bewältigte er diese?

„Es wird immer wieder vorkommen, dass du Fehler machst, denn der Mensch ist ein fehleranfälliges Wesen. Wichtig ist, egal, welchen Fehler du machst, dir diesen Fehler eingestehst, aus dem Fehler lernst und diesen Fehler nicht wiederholst. Der Mensch muss mit einer Fehlertoleranz sich selbst gegenüber bereit sein sich zu vergeben. Das ist ein schwieriger und schmerzhafter Prozess, der aber zu einer viel größeren Souveränität und Glaubwürdigkeit führt. Wenn du mal wirklich auf die Schnauze fällst, mal wirklich scheiterst, was verdammt wehtut, hast du alle Möglichkeiten, Veränderungen nachzugehen. Andere und da würde ich mich dazuzählen, gehen gestärkt aus so etwas hervor. Ich war ja 2000 länger in den USA und da haben die Amerikaner zu mir gesagt: ‚So what Chris. What happened? Sometimes shit happens.‘ Ab und zu passiert ein Scheiß.“

Gibt es eine Rückkehr auf den Trainerstuhl für den 67-Jährigen? Daum ist klar: „Ausschließen kann ich das im Bereich der Bundesliga. Anfragen gehen aus dem Ausland immer wieder ein. Dort wird der Name Christoph Daum immer noch sehr hoch wertgeschätzt. Da war das richtige Angebot nicht dabei.“

Mounir Zitouni (50) war von 2005 bis 2018 Redakteur beim kicker und arbeitet seitdem als Businesscoach, betreut Sportler, Trainer und Führungskräfte in punkto Auftreten, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Der ehemalige Profifußballer (OFC, SV Wehen, FSV Frankfurt, Esperance Tunis) hat zuletzt die Autobiographie von Dieter Müller verfasst und veröffentlicht regelmäßig eine Kolumne auf www.sport1.de.

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