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"Flutlicht an!" mit Mara Pfeiffer: Folge 25 mit Sonja Riegel

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"Flutlicht an!" mit Mara Pfeiffer: Folge 25 mit Sonja Riegel

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Die Sonne mit der hautengen Hose

Die Sonne mit der hautengen Hose

Sonja Riegel ist Sportjournalistin und leidenschaftliche Groundhopperin - Im Podcast „Flutlicht an!“ spricht sie über ihre Geschichte
Sonja Riegel berichtet im Podcast „Flutlicht an!“ über ihre Erlebnisse als Groundhopperin
Sonja Riegel berichtet im Podcast „Flutlicht an!“ über ihre Erlebnisse als Groundhopperin
© SPORT1-Grafik
Mara Pfeiffer
Mara Pfeiffer

Das erste Stadionverbot bekommt Sonja Riegel mit 14 Jahren von ihrer Mutter verpasst. „Du gehst da erstmal nicht mehr hin“, lautet die lapidare Ansage, in deren Folge die Teenagerin nachts stundelang frustriert weint und sich anschließend schwört, jedes Fußballspiel der Welt anzuschauen, auf das sie Lust hat, wenn sie nur endlich alt genug dafür ist.

Das macht Riegel, heute Sportjournalistin, auch wahr, privat vor allem als Fan von Eintracht Frankfurt und als Groundhopperin. Als die Pandemie 2020 erneut als rotes Verbotsschild vor den Stadien dieser Welt steht, schreibt sie einige Erinnerungen ans Hopping auf und liest diese, sowie Anekdoten, die sie bereits in der Vergangenheit geschrieben hatte, ein.

Es ist ein Projekt gegen die Stadionvermissung, mit dem sie zunächst eine Freundin beschenkt. Schließlich lädt die Wiesbadenerin „Die Sonne mit der hautengen Hose“ auch bei Bandcamp hoch, wo die Geschichten kostenlos oder gegen Spende zu hören sind.

Um festzuhalten: „So war das - und das kommt auch wieder.“ Allerdings fehlt den charmanten, witzigen Texten ein Warnhinweis: Die Sehnsucht nach Stadionbesuchen wird dadurch noch größer. Was für ein Glück also, dass Fußball derzeit wieder vor Menschen stattfinden kann.

Das Stadion als Faszination

Fußball im Stadion, das sei etwas komplett Anderes als am Fernseher, erklärt Riegel. Als Kind habe dieses physische Erlebnis auf sie „schon mal eine Faszination an sich“ gehabt. Im zweiten Schritt aber habe es ihr auch der Verein angetan, den sie da im Waldstadion zu sehen bekam: Eintracht Frankfurt. Als sie Jahre später die Spiele der SGE gegen Brøndby im internationalen Wettbewerb verpasst, gibt das auch ihrem Hopping einen weiteren Dreh.

Sie besucht den dänischen Verein auf eigene Faust, als der gerade in einer schwierigen Phase steckt, und: „Irgendwie fand ich die gut.“ Bald darauf hat sie alle dänischen Erstligisten in ihrer Hopping-App verzeichnet. Auch ihre Reisen plant Riegel oft entlang von Fußballstadien und -begegnungen. Bis sie den Fußball auch als Beruf begriff, dauerte es aber seine Zeit.

„Ich hoffe, es gibt bald eine Generation, die im Teenie-Alter dasitzt und sagt: Ja, ich habe Bock, Sportjournalistin zu werden.“ Für sie selbst sei das als Jugendliche undenkbar gewesen. „Es war bei mir einfach nicht vorstellbar, weil es mir auch nicht vorstellbar gemacht wurde.“

Auf die Frage, was sie in zehn Jahren tun werde, sagen Mitschüler*innen zu Abizeiten eben nicht „Sportjournalistin“, sondern „Spielerfrau“ – ein Erlebnis von vielen in Sachen strukturelle Probleme, von denen Riegel sagt, es sei wichtig, sie zu adressieren, damit Dinge sich ändern.

Vorurteile gegen fußballbegeisterte Frauen

Dazwischen fließende Übergänge. „Du bist ja ein Mädchen, was willst du denn beim Fußball?“ ist die eine Seite einer Medaille des Schubladendenkens, mit der sie konfrontiert wurde, „Hat da jemand seinen Sohn mit zur Arbeit gebracht?“ als vermeintlicher Scherz über ihre kurzen Haare eine andere. Bilder davon, was männlich ist und was weiblich und wieso die Kategorien wichtig sind, bestimmen den Fußball bis heute vielfach und erfordern einen Umgang.

Daneben betont die Hessin aber auch positive Erfahrungen, die sie in ihrem Job schon machen durfte, wie beim Hessischen Rundfunk, wo sie mittlerweile auch häufiger als Expertin in die TV-Sendung „Heimspiel“ eingeladen wird. „Da fühle ich mich schon gefördert.“ Immerhin habe sie „ein Radiogesicht und eine Printfrisur“ und Auftritte im Fernsehen hätte sie noch vor einiger Zeit nie für möglich gehalten, scherzt Riegel. „Ich glaube, ich war immer schlecht im Träumen.“

Dafür aber beharrlich und entschlossen, von Kindesbeinen an, auch damals schon, bei dem ersten Stadionverbot durch ihre Mutter. Und wer weiß, was dieses Erlebnis in Riegel in Gang gesetzt hat an Motivation, Widerstände zu überwinden? Das gelingt ihr bis heute beispielhaft.

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