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Depressionen im Fußball: Teresa Enke fordert offeneren Umgang von Vereinen

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Depressionen im Fußball: Teresa Enke fordert offeneren Umgang von Vereinen

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Teresa Enkes unermüdlicher Kampf

Teresa Enkes unermüdlicher Kampf

Am 10. November 2009 nahm sich Robert Enke (†32) das Leben. Der damalige Nationaltorwart litt an Depressionen, sah keinen Ausweg mehr. Seine Frau Teresa Enke befindet sich seitdem auf einer Mission: Sie will für die Krankheit Verständnis in der Bevölkerung schaffen.
Am 08.11.2009 bestritt Robert Enke für Hannover 96 sein letztes Bundesligaspiel, bevor er sich zwei Tage später das Leben nahm.
Leon Tatar
Leon Tatar

„Mir geht es sehr gut, ich liebe meine Arbeit und stehe wieder voll im Leben!“

Ein bemerkenswertes Statement, denn zwölf Jahre zuvor musste Teresa Enke einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Ihr Ehemann starb an einer Krankheit, die zu der Zeit zu wenig Gehör in der Gesellschaft fand: Depressionen.

Der Prozess war schleichend. „Robert konnte keine Gefühle zeigen, nicht mehr aufstehen, nicht mehr normal kommunizieren“, erzählt Teresa Enke SPORT1 am Rande einer Podiumsdiskussion über psychische Erkrankungen im Sport in Rosenheim. Worte, die schockieren und die Wiedererkennungswert bei vielen Betroffenen finden.

Robert Enke absolvierte 196 Spiele in der Bundesliga.
Robert Enke absolvierte 196 Spiele in der Bundesliga.

Über fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden an der psychischen Krankheit - auch im Profifußball. Bekannte Gesichter, wie der ehemalige Bayernspieler Sebastian Deisler, Ex-Kaiserslautern-Kapitän Martin Amedick und zuletzt auch Eintracht-Profi Martin Hinteregger hatten ihre Krankheit öffentlich gemacht.

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Dennoch: Das Thema wird im Fußball-Geschäft nach wie vor tabuisiert, eine seelische Erkrankung passt nicht in das Bild des starken und männlichen Fußballers. Die Angst, Schwäche zu zeigen, ist für viele Sportler eine zu große Hürde.

Teresa Enke: „Brauchen einen offenen Umgang“

Um dem entgegenzuwirken fordert Enke speziell von Vereinsseite „einen offenen Umgang mit der Krankheit“. Man müsse das Thema nachhaltig auf dem Schirm haben, Anlaufstationen ermöglichen und auf Veranstaltungen informieren, findet die 46-jährige.

Für den Profibereich gibt es im deutschen Fußball nach wie vor keine Verpflichtung, Sportpsychologen zu beschäftigen, laut einer Studie der ARD-Radio-Recherche-Sport gaben nur sieben Klubs an, auch für die Profimannschaft einen Psychologen fest angestellt zu haben.

Ein fataler Fehler findet auch der deutsche Nationalspieler Robin Gosens: „Ich glaube, dass deutlich unterschätzt wird, unter welchen Ängsten und Drucksituationen Profifußballer leiden. Ich glaube, ein Psychologe kann da ein sehr gutes Ventil sein“, sagte der Profi des italienischen Erstligisten Inter Mailand vergangenes Jahr der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Martin Amedick litt unter Depressionen

Ein Ventil hätte auch Martin Amedick gebraucht. Seine Erkrankung wurde 2012 publik, sein damaliger Arbeitgeber Eintracht Frankfurt erklärte, dass er nicht am Spielbetrieb teilnehmen könne.

Martin Amedick absolvierte 74 Spiele in der Bundesliga.
Martin Amedick absolvierte 74 Spiele in der Bundesliga.

Eigentlich wollte er die Krankheit selbst bekämpfen. Auf keinen Fall sollten seine Mitspieler Wind davon bekommen. „Das war meine große Angst“, erklärte er im Gespräch mit SPORT1. „Was passiert dann mit deiner Karriere, wie geht es für dich weiter?“

Der inzwischen 39-jährige holte sich dennoch rechtzeitig Hilfe, die Depression konnte erfolgreich therapiert werden. Ein Schritt, der Mut erfordert.

Und ein Schritt, den immerhin ein paar Sportler inzwischen gewagt haben: „Ich denke, dass sich einiges in den letzten zehn Jahren getan hat, immer mehr Sportler äußern sich über ihre psychischen Erkrankungen“, so Amedick, der ebenfalls an der Podiumsdiskussion mit Teresa Enke teilnahm.

Als positives Beispiel nennt er Martin Hinteregger und Victor Pálsson. Letzterer hat sich während seiner Zeit bei Darmstadt 98 im Vereinsmagazin der Lilien zu seiner Erkrankung geäußert. Inzwischen ist er Vize-Kapitän von Schalke 04.

Robert-Enke-Stiftung kämpft gegen die Krankheit

Teresa Enke ist der Schritt an die Öffentlichkeit ebenfalls wichtig. Mithilfe der Robert-Enke-Stiftung leistet sie gemeinsam mit dem DFB, Enkes Ex-Verein Hannover 96 und der DFL Aufklärungsarbeit zu der Krankheit und versucht, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

Die gemeinnützige Stiftung unterstützt Projekte, Maßnahmen und Einrichtungen, die über Depressionskrankheiten aufklären und deren Erforschung oder Behandlung dienen.

Robert Enke (†32) mit seiner Tochter Lara (†2) im Jahr 2006.
Robert Enke (†32) mit seiner Tochter Lara (†2) im Jahr 2006.

Auf Wunsch Enkes engagiert sich die Stiftung zusätzlich auch für Kinder mit Herzkrankheiten und deren Eltern. Zwei Jahre vor Roberts Tod starb die gemeinsame Tochter Lara im Alter von zwei Jahren an den Folgen einer Operation wegen eines angeborenen Herzfehlers.

Nach diesen schweren Schicksalsschlägen ist es Teresa Enke nur zu wünschen, weiterhin Kraft für ihre Mission zu finden.

Für ihren verstorbenen Mann und für 5,3 Millionen Menschen in Deutschland.


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