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Flick-Schüler lässt einen abgestürzten Traditionsklub wieder träumen

Flick-Schüler lässt Rangers träumen

Danny Röhl assistierte einst Hansi Flick beim FC Bayern und in der Nationalelf. Als Cheftrainer führt er einen taumelnden Giganten nun wieder in die Erfolgsspur - und wird zum Liebling der Fans.
Danny Röhl beim Sieg mit den Rangers beim Glasgow-Rivalen Celtic
Danny Röhl beim Sieg mit den Rangers beim Glasgow-Rivalen Celtic
© IMAGO/Shutterstock
Danny Röhl assistierte einst Hansi Flick beim FC Bayern und in der Nationalelf. Als Cheftrainer führt er einen taumelnden Giganten nun wieder in die Erfolgsspur - und wird zum Liebling der Fans.

Die Glasgow Rangers lagen am Boden und ein baldiges Aufraffen schien in weiter Ferne. Nach acht Spieltagen in der Scottish Premiership hatte der Klub erst einen Sieg eingefahren und stand nur dank sagenhafter sechs Unentschieden überhaupt noch auf dem sechsten Tabellenplatz.

Ein Armutszeugnis für den 55-maligen Meister, der bereits acht Punkte hinter Stadtrivale Celtic und 13 hinter Überraschungsteam Heart of Midlothian lag. Folgerichtig kam es Mitte Oktober zu einer Trennung von Trainer Russell Martin.

Sein Nachfolger? Der bisher in erster Reihe wenig erfahrene Danny Röhl. Der Deutsche war zuvor schon mit 21 Jahren als „Leiter Spielanalyse Nachwuchs“ bei RB Leipzig und anschließend als Co-Trainer von Ralph Hasenhüttl aktiv, ehe er beim FC Bayern und in der DFB-Elf auch Hansi Flick assistierte. Nach der enttäuschenden WM 2022 wurde Röhl später zusammen mit dem heutigen Trainer des FC Barcelona freigestellt.

Erst 2023 hatte Röhl beim englischen Zweitligisten Sheffield Wednesday seinen ersten Posten als Cheftrainer übernommen. Er rettete den Traditionsklub vor dem Absturz in die dritte Liga.

Allerdings wurde er im Sommer 2025 wieder von seinen Aufgaben entbunden, nachdem die Owls in eine finanzielle Schieflage geraten waren und mehrfach Zahlungen an Spieler und Mitarbeiter ausblieben.

Derbysieg als Höhepunkt: Röhl rettet die Rangers

Rund drei Monate später hätte die Aufgabe für Röhl kaum größer sein können. Ein taumelnder Riese, dessen Mannschaft in den nationalen Medien bereits als „tot“ betitelt wurde, musste wieder aufgerichtet werden. Schon bei seinem Debüt in der Europa League, einem 0:3 gegen Brann Bergen, bekam Röhl die Schwere der Aufgabe zu spüren.

„Dieses Spiel liefert mir viele Informationen. Man sieht genau, wo wir aktuell stehen“, erklärte Röhl damals in seiner typisch nüchternen Art und kündigte an: „Mein Job ist es, jetzt so schnell wie möglich Lösungen zu finden.“

Ein Vorhaben, das Röhl kaum erfolgreicher hätte umsetzen können. In der Liga kassierten die Rangers unter Röhl bislang nur eine 1:2-Niederlage gegen den Tabellenführer Hearts.

Doch auch die Misere an Unentschieden konnte durchbrochen werden. Insgesamt feierten die Rangers zehn Siege, triumphierten am Samstag im „Old Firm“ gegen Celtic mit 3:1 und ließen am Dienstag ein 2:0 gegen den FC Aberdeen folgen.

In der „Röhl-Tabelle“ seit dem neunten Spieltag stehen die Rangers damit sogar an der Ligaspitze. Im „echten” Tableau ist man inzwischen am verhassten Stadtrivalen Celtic vorbeigezogen. Der Rückstand auf Tabellenführer Heart of Midlothtian schrumpfte auf nur noch drei Punkte.

„Volltreffer!“ Presse feiert ehemaligen Flick-Assistenten

„Danny Röhl ist erst seit 75 Tagen bei den Rangers verantwortlich, aber er hat bereits seine Spuren hinterlassen, indem er den Verein wieder zurück ins Titelrennen gebracht hat“, analysierte Sky Sports am Wochenende die Leistungen des ehemaligen Flick-Assistenten.

Und auch The Scotsman zeigte Anerkennung: „Vor nicht allzu langer Zeit herrschte Angst in den Fluren von Ibrox, als die Rangers unter ihrem ehemaligen Cheftrainer Russell Martin in eine Krise gerieten. Jetzt konzentrieren sie sich unter seinem Nachfolger Danny Röhl darauf, Spiele zu gewinnen und zu einer ernstzunehmenden Größe im Titelrennen zu werden.“

Der Journalist Scott Bradley gestand sich bei X ebenfalls ein: „Vor der Verpflichtung hatte ich meine Zweifel, aber die Rangers haben mit Danny Röhl wirklich einen Volltreffer gelandet. Er leistet unglaubliche Arbeit und verhält sich stets äußerst stilvoll. Die Rangers können sich glücklich schätzen, ihn zu haben.“

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Bauarbeiter begrüßen Röhl mit eigenem Fangesang

Spätestens der Derbysieg am vergangenen Wochenende machte Röhl, dem eine Bar im Stadtzentrum schon kurz nach seiner Vorstellung einen Cocktail widmete, endgültig zum Fanliebling.

Zur Melodie des Boney-M.-Hits „Daddy Cool“ schallten „Danny, Danny Röhl“-Gesänge von den Rängen und durch die Straßen und Bars der schottischen Metropole.

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„Fußball ist hier das Größte. Wir wurden schon bei der Abfahrt ins Stadion mit Feuerwerk gefeiert. Es waren vor und nach dem Spiel wirklich fantastische Momente. Am Abend war ich mit meinem Trainerteam noch essen. Überall wurde uns auf die Schultern geklopft“, beschrieb Röhl die Stimmung in Glasgow. Dabei offenbarte er auch, dass er jeden Morgen selbst von den Bauarbeitern neben seiner Wohnung mit dem umgedichteten Hit begrüßt werde.

Sportlich gesehen überzeugte Röhl gegen Celtic erneut durch eine taktische Meisterleistung, durch die ein 0:1-Pausenrückstand noch gedreht werden konnte. Mehrfach stellte der 36-Jährige die Mannschaft während des Spiels von einer Dreier- auf eine Viererkette um. Die mutige Entscheidung, den in den vergangenen Wochen überragenden Thelo Aasgaard zur Halbzeit auszuwechseln, entpuppte sich dazu als entscheidender Kniff.

„Vor zwei Monaten hätte niemand gedacht, dass wir hier gewinnen können, auch noch nach einem Rückstand. Heute haben wir gezeigt, dass wir es können“, lobte Röhl seine Mannschaft nach der Partie. Dennoch wollte er die allmählich aufkommenden Titelhoffnungen bremsen: „Es geht darum, unseren Weg weiterzugehen, nicht mehr und nicht weniger.“

„Der Druck ist ähnlich wie beim FC Bayern“

Dabei gilt es auch dem Druck der Öffentlichkeit standzuhalten. „Die Erwartungshaltung ist natürlich gigantisch, ähnlich wie beim FC Bayern. Aber die Bedingungen sind hervorragend und mit den Besitzern habe ich einen guten Austausch“, offenbarte Röhl.

Das Ziel hat der gebürtige Zwickauer fest im Blick. Die Meisterrunde ab Mitte April soll mit der größtmöglichen Anzahl an Punkten erreicht werden. „Dann geht es hoffentlich für uns um alles“, blickte Röhl voraus.

Persönlich könnte der Karriereweg des Trainers in naher Zukunft aber auch zu noch größeren Aufgaben führen. Schon im Mai 2025 erklärte Röhl, dass er „in naher Zukunft gerne auf höchstmöglichem Niveau“ arbeiten wolle. Die Bundesliga sei „natürlich ein Thema“.

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