Wenn David Zabel über seinen persönlichen Hintergrund spricht, dann gern mit Verweis auf die doppelte Ost-Identität: Geboren und aufgewachsen ist er im ostdeutschen Wernigerode, sein Vater kommt aus Sambia, Ostafrika. Er lernt beim Studium in Ostdeutschland die Mutter kennen. In der Kindheit des Sohnes ist er abwesend.
Fußballkultur bringt Menschen zusammen - David Zabel im Podcast "Flutlicht an!"
Zabel: „Bin ein soziales Projekt“
Sich selbst beschreibt Zabel als „Bolzplatzkind“ - seiner lag am Kastanienwäldchen. Die kleinen Kinder hatten dort die beste Zeit, wenn die älteren noch in der Schule waren. Von Hause aus wächst der Junge mit Wintersport auf, der Großvater stellt ihn auf die Skier, mit ihm sieht er zudem sämtliche Wintersportarten hoch und runter im Fernsehen.
Kindheit zwischen Bolzplatz, BVB und WM 1994
Auf dem Bolzplatz spielen die Kids ihre Idole. Zabel, Jahrgang 1986, hält es mit dem BVB, die WM 1994 in den USA zieht alle in ihren Bann.
Der Titelgewinn Brasiliens macht etwas mit dem Jungen. „Schwarzsein ist dir oft auch im Weg“, sagt er mit Blick auf Kindheitserfahrungen: Darauf aufmerksam gemacht zu werden, beinhalte häufig Abwertung. Aber die erfolgreichen brasilianischen Spieler imitieren zu können, ändert das für den Moment.
Sport, Kultur und Bildung als Lebensaufgabe
Drei Themen kristallisieren sich für Zabel mit den Jahren heraus, was beruflichen Fokus und gesellschaftliches Interesse betrifft: Sport, Kultur, Bildung. Immer geht es auch darum, wie die sich verbinden.
In Kassel steht er dem Kulturbeirat vor. Bei „Roots – Against Racism in Sports“ gehört er dem erweiterten Beirat an – und er ist einer der Gründer von „Streetbolzer e.V.“. „Ich bin ein soziales Projekt, deswegen mache ich auch soziale Projekte.“
Dabei geht es Zabel immer auch um Zugehörigkeit. Bei Kultur gelte es, die zu erweitern, indem der Kulturbegriff an sich stärker geöffnet wird. Leute, die sagen, sie interessierten sich nicht für Kultur, meinten zumeist Hochkultur, erklärt er.
Ihn interessiert das Subversive, dazu gehört für Zabel auch Fußballkultur. „Die Kulturschaffenden in Deutschland, die die meiste unbezahlte Arbeit machen jede Woche, das sind, glaube ich, die Ultras.“
Rassismus, Kommerzialisierung und Zugehörigkeit im Fußball
Kommerzialisierung produziere Ausschlüsse in Kultur und Fußball. Ein anderes Kriterium für Ausschluss: Rassismus.
„Als schwarzer Spieler ist man auf so dünnem Eis“, findet Zabel. Und eröffnet das Gedankenspiel: Was, wenn Joshua Kimmich Schwarzer wäre? „Er würde als Bad Boy der Liga gelten.“ Zugehörigkeit dürfe nicht infrage gestellt werden, genau das passiere aber. Gleichzeitig werde Rassismus gerechtfertigt mit vermeintlichen Provokationen.
Rassismus zu benennen bleibe harte Arbeit, betont Zabel, weil man erst durch den Sturm durchmüsse, der anschließend aufziehe. Und dabei völlig offen sei, ob es am Ende so etwas wie Gerechtigkeit gebe.
Der Leistungs- und Kommerzialisierungsgedanke stehe dem noch entgegen, wenn Teams in der Wertung dafür bestraft würden, bei rassistischen Vorfällen den Platz zu verlassen. Gegen Rassismus zu kämpfen, erfordere aber immer Opferbereitschaft.