Stephanie Moldenhauer arbeitet bei der „Kompetenzgruppe Fankulturen und sportbezogene soziale Arbeit“ – KoFaS im Projekt „Fans und Polizei: Konflikte transformieren“ (FaPo). Dazu sagt die Diplom-Soziologin: „Unser Ziel ist, die Konfliktlinien zwischen Fußballfans und Polizei von Grund auf zu verstehen – und wirklich zu verstehen, was steckt dahinter.“
"Höre mir beide Seiten erstmal an" - Stephanie Moldenhauer im Podcast 'Flutlicht an!'
„Höre mir beide Seiten erstmal an“
Damit, betont Moldenhauer, stehe man in einer Kontinuität, weil dieses Thema in den letzten Jahren immer wieder im Fokus stand. Allerdings habe sie den Eindruck, an einem bestimmten Punkt reißen Projekte, die sich damit beschäftigen, ab; so entstehe eine Wellenförmigkeit. Das wolle man anders machen, den einen Schritt mehr gehen: „Das Entscheidende in dem Projekt ist, wir wollen das auch bearbeiten.“ Der Begriff ist dabei zentral.
Es gehe darum, den Konflikt zu bearbeiten
Denn wenn es um Konflikte gehe, so sei je nach Beteiligten eine Lösung gar nicht möglich – und deswegen auch nicht zwingend das übergeordnete Ziel. Vielmehr gehe es darum, den Konflikt zu bearbeiten. „Ich höre mir beide Seiten erstmal an.“ Darauf folge ein Prozess der Abwägung, um gute Entscheidungen zu treffen. Dabei dürfe der Blick dafür nicht verloren gehen, welche Rolle Macht in einer Auseinandersetzung spielt.
Deren Dimensionen seien ganz entscheidend, sagt die Soziologin, da Aushandlungsprozesse in der Regel nicht auf Augenhöhe stattfinden. Für das Verhältnis zwischen Polizei und Fans gelte das ganz deutlich. Eine Frage, die immer gestellt werden müsse, laute: Wer wird gehört? Wer bekommt eine Plattform, um die eigene Sicht auf die Dinge wiederzugeben? Wichtig sei außerdem, die Geschichte eines Konfliktes mit zu bedenken, weil sie Handlung erklären kann.
Moldenhauers eigene Geschichte mit dem Fußball beginnt vor gut zwanzig Jahren. In einer Handball-Familie sozialisiert, bringt sie das Studium in Bielefeld ins Stadion der Arminia. In der Forschung und Lehre beschäftigt sie sich mit Aushandlungsprozessen in konfliktiven Settings – vor allem im Kontext von Schule. Bald stellt sie fest, wie ähnlich sich Schulhof und Fankurve letztlich sind, wie viele der Mechanismen in beiden Lebensbereichen vergleichbar.
In ihrer Arbeit dreht sie gängige Fragestellungen gerne um. So ist ihr die Feststellung wichtig, dass Gewalt situativ ist: Menschen üben sie nicht 24/7 aus. Statt auf jene zu blicken, die damit agieren, hat Moldenhauer sich damit beschäftigt: Warum üben manche jungen Menschen gar keine Gewalt aus, obwohl sie in gewalttätigen Systemen aufgewachsen sind?
Keine leichte Aufgabe
Ein Ergebnis ist: Kognitive Empathie, sich in andere reinversetzen zu können, spielt dafür eine größere Rolle als emotionale. Was dahin zurückführt, wie wichtig es ist, in den Austausch zu gehen. Bezogen auf den Fußball erklärt Moldenhauer, das Ziel müsse sein, Machtverhältnisse wertfrei anzuerkennen und sich dann zu fragen: Muss ein solches denn alles bestimmen in der Beziehung zwischen Gruppen? Ihre Antwort ist ein klares Nein.
Die Lösung stattdessen? Unter Anerkennung von Machtverhältnissen eine Beziehung ohne Machtmissbrauch zu erreichen. Keine leichte Aufgabe, aber definitiv eine lohnende.