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Der Deutsche Meister, den keiner kennt

Der Meister, den keiner kennt

Amputierten-Fußballer Jonas Lappe spricht im SPORT1-Podcast Deep Dive über die Besonderheiten seiner Sportart und seinen Weg zum Nationalspieler. Außerdem verrät er, warum seine Einschränkung kein Nachteil ist.
Jonas Lappe (rot) in Aktion gegen Mainz 05
Jonas Lappe (rot) in Aktion gegen Mainz 05
© IMAGO/Moritz Müller
Amputierten-Fußballer Jonas Lappe spricht im SPORT1-Podcast Deep Dive über die Besonderheiten seiner Sportart und seinen Weg zum Nationalspieler. Außerdem verrät er, warum seine Einschränkung kein Nachteil ist.

Jonas Lappe ist zweimaliger Deutscher Meister und deutscher Nationalspieler. Dennoch werden vermutlich nur die wenigsten seinen Namen kennen. Denn: Er spielt Amputierten-Fußball – eine Sportart, die in Deutschland in ihrer Entwicklung vergleichsweise noch nicht so weit ist.

Im SPORT1-Podcast Deep Dive spricht Lappe über seine emotionale Geschichte und seinen Weg zum Nationalspieler. Außerdem verrät der 21-Jährige, welche Ziele er in Zukunft mit der Sportart erreichen möchte.

Lappes Geschichte fängt schon in jungem Alter an. Mit zwei Jahren musste ihm aufgrund einer Krebserkrankung das linke Bein oberhalb des Knies amputiert werden.

Eine Veränderung in seinem Leben stellte dies allerdings nicht dar: „Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, wie sie mit der ganzen Geschichte umgegangen sind. Seit dem Moment, an den ich mich zurückerinnern kann, war es nichts Besonderes. Es wurde nie so zum Thema gemacht. Es ist in meinen Augen nie ein Nachteil gewesen“, berichtet er.

Lappe: „Wollte Fußball spielen, wie alle anderen Jungs“

Lappe konnte ganz normal in die Schule gehen, Freunde treffen und auch im Fußball spielte er Kind in seiner Heimat Büren mit, zunächst im Tor: „Ich wollte halt Fußball spielen, wie alle anderen Jungs mit fünf oder sechs Jahren auch. Und dann war irgendwie klar: Laufen ist nicht so meins, also geht’s ins Tor.“ Bis zur A-Jugend hütete er das Tor: „Da war immer alles ganz normal, würde ich sagen.“

Seit Januar 2020 spielt der heutige Stürmer in Düsseldorf und ist dort sogar Mannschaftskapitän. 2021 wurde in Deutschland die Amputierten-Fußball-Bundesliga gegründet. Mit Fortuna Düsseldorf gewann Lappe 2022 und 2023 die Deutsche Meisterschaft.

Gespielt wird dabei im Format Sechs gegen Sechs plus Torhüter, das Spielfeld ist 60 mal 40 Meter groß. „Das ist so Pi mal Daumen Sechzehner bis Sechzehner“, zieht Lappe den Vergleich zum regulären Fußball: „Und es gibt auch alles, was es sonst irgendwie auch gibt. Also von Fallrückziehern über Flugkopfbälle und Roten Karten wegen letzter Mann.“

„Wir sind da, um Fußball zu spielen und nicht, um uns zu bemitleiden“

Die Abseitsregelung findet hingegen keine Anwendung. Neben beinamputierten Spielern, die mit Krücken (eine Krückenberührung des Balles zählt als Handspiel) nur im Feld spielen dürfen, stehen im Tor Spieler mit Armverkürzungen oder -amputationen.

Die Gründe für die Amputationen sind vielfältig, spielen am Ende des Tages aber ohnehin eine untergeordnete Rolle: „Am Ende hat jeder sein Ding. Der eine hat eine Krankheit, der andere hat einen Arbeitsunfall, bei noch wem anderem ist wieder was passiert. Aber das ist eigentlich egal, weil wir sind alle da, um Fußball zu spielen und nicht, um uns gegenseitig ein bisschen zu bemitleiden“, betont Lappe.

Lappe will Awareness für den Sport schaffen

Ihm sei es wichtig, dass man verstehe, dass auch er und seine Teamkollegen Athleten sind, die auf eine gute Ernährung achten und viel auf sich nehmen. „Ich finde, dass diese Awareness halt geschaffen werden muss. Es sind einfach Athleten, es sind Sportler“, erklärt er.

Sie stünden vor denselben „Herausforderungen wie alle anderen Sportler auch. Nur weil es Sport mit einem Handicap ist, ist es nicht weniger Leistung in den meisten Fällen.“

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Lappes Leistungen brachten ihn sogar bis in die Nationalmannschaft. Kurz vor der EM 2021 und noch vor der Gründung der Bundesliga stieß er dazu. Damals habe er eine Einladung zu einem Lehrgang bekommen, mitgespielt und „dann war relativ schnell klar, dass das nicht der letzte Lehrgang war“. Er habe „direkt gemerkt, das hat auch menschlich super gepasst in der Nationalmannschaft und dass wir einfach eine coole Truppe waren“.

Zweite WM-Teilnahme mit bestimmten Ziel

Als Neunter beendete die Mannschaft das Turnier in Polen, Lappe war mit drei Toren bester deutscher Torschütze: „Seitdem bin ich eigentlich immer dabei gewesen.“ So auch bei der anstehenden Weltmeisterschaft in Mexiko im November dieses Jahres.

Es wird seine zweite WM sein, schon 2022 war er dabei. Sportlich lief es damals allerdings auch aufgrund struktureller Probleme nicht gut – etwas, das sich in diesem Jahr ändern soll.

„Ich glaube einfach, dass da auch was geht. Wir reden jetzt vielleicht nicht unbedingt davon, das Ding zu gewinnen, aber mal ein Ausrufezeichen zu setzen. Die Vorfreude ist groß“, gibt sich Lappe optimistisch. Er wolle mit dem Team „ein bisschen für einen Wow-Effekt, für so einen ‚Guck mal, die hatten wir nicht auf dem Schirm‘-Effekt sorgen“.

Amputierten-Fußball soll paralympisch werden

Ein weiteres großes Ziel, das Lappe verfolgt: „Es wäre ein unfassbarer Step und saucool, wenn der Sport mal paralympisch werden würde.“ Vor allem verbesserte Möglichkeiten zur Förderung der Sportart und eine gesteigerte Professionalisierung würden mit diesem Schritt einhergehen.

Bereits in über 60 Ländern wird Amputierten-Fußball gespielt. Der Weltverband WAFF (World Amputee Football Federation) hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Sport ins Programm der Paralympics aufnehmen zu lassen.

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