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Oliver Kahn kritisiert FIFA-Pläne: "Nicht jedes Wachstum ist Fortschritt"

Kahn warnt die FIFA

Öffnet die FIFA mit der WM ihre wertvollste Marke für Investoren? Oliver Kahn sieht die Pläne von Präsident Gianni Infantino kritisch. Der "Titan" warnt vor einer Entwicklung, bei der wirtschaftliches Wachstum wichtiger werden könnte als die Werte, die den Fußball groß gemacht haben.
Die Pläne der FIFA, Rechte an private Investoren für ihre Turniere zu vergeben, lösen eine Welle der Empörung aus. Experten aus aller Welt sind sich einig, dass die Integrität des Fußballs in Gefahr ist.
Öffnet die FIFA mit der WM ihre wertvollste Marke für Investoren? Oliver Kahn sieht die Pläne von Präsident Gianni Infantino kritisch. Der "Titan" warnt vor einer Entwicklung, bei der wirtschaftliches Wachstum wichtiger werden könnte als die Werte, die den Fußball groß gemacht haben.

Oliver Kahn hat sich kritisch zu den FIFA-Plänen geäußert, Anteile an den kommerziellen Vermarktungsrechten der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen. In einem ausführlichen LinkedIn-Beitrag stellt der frühere Bayern-Vorstand dabei weniger die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit des Vorhabens infrage als dessen mögliche Folgen für den Fußball.

„Die entscheidende Frage lautet nicht, ob dieser Schritt wirtschaftlich sinnvoll ist“, schreibt Kahn. Vielmehr gehe es darum, „wie weit der wirtschaftliche Wert des Fußballs gesteigert werden kann, ohne das zu gefährden, was ihn überhaupt erst wertvoll gemacht hat“.

„Nicht jede Form von Wachstum ist Fortschritt“

Hintergrund ist der Plan der FIFA, ihre wichtigsten Wettbewerbe in einer neuen Gesellschaft zu bündeln und Minderheitsanteile an Investoren zu veräußern. Der Weltverband erhofft sich dadurch zusätzliche Milliarden-Einnahmen. Die neue Gesellschaft „FIFA Forward Enterprise“ (FFE) soll nach FIFA-Angaben mit rund 20 Milliarden US-Dollar bewertet werden.

Kahn erkennt zwar die Bedeutung wirtschaftlicher Stärke für den modernen Fußball an, zieht bei der Weltmeisterschaft aber eine besondere Grenze. „Die Weltmeisterschaft ist mehr als ein Vermögenswert. Sie ist das bedeutendste gemeinsame Gut des Weltfußballs“, betont der 57-Jährige. Die WM sei „nicht das Werk von Funktionären, Präsidenten, Vermarktungsexperten oder Investmentbankern“, sondern „das Vermächtnis von Generationen von Spielern, Trainern und Milliarden von Fans“.

Besonders kritisch sieht Kahn die Entwicklung der vergangenen Jahre. Er verweist auf die Aufstockung der WM auf 48 Mannschaften, die deutlich ausgeweitete Klub-WM sowie immer mehr Spiele und Wettbewerbe. „Jede einzelne Entscheidung lässt sich wirtschaftlich begründen. Zusammengenommen folgen sie alle derselben Logik: Der Fußball soll immer weiter wachsen.“

Zum Ende seines Beitrags formuliert Kahn eine klare Warnung an die Verantwortlichen: „Vielleicht besteht die wahre Größe einer Organisation darin, zu erkennen, dass nicht jede Chance genutzt werden muss.“ Und weiter: „Nicht jede Form von Wachstum ist Fortschritt.“ Die Zukunft des Fußballs entscheide sich nicht daran, „wie groß er noch wird“, sondern daran, ob wirtschaftlicher Erfolg weiterhin die Folge dessen bleibe, „was den Fußball groß gemacht hat, und nicht zu dessen Ersatz wird“.