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Früher mochte er Gianni Infantino, doch: "Dieses Amt hat ihn verändert"

Infantino: Ex-DFB-Boss wundert sich

Für Ex-DFB-Boss Wolfgang Niersbach hat FIFA-Chef Gianni Infantino "Beständigkeit und Bodenhaftung" verloren. Dennoch mangelt es an Alternativen.
Nach Boykottdrohungen der UEFA hat Gianni Infantino sein Vorhaben, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft an Investoren zu verkaufen, nun eingestellt.
Für Ex-DFB-Boss Wolfgang Niersbach hat FIFA-Chef Gianni Infantino "Beständigkeit und Bodenhaftung" verloren. Dennoch mangelt es an Alternativen.

Nach Ansicht von Wolfgang Niersbach ist der umstrittene FIFA-Boss Gianni Infantino im Laufe seiner Amtszeit vom rechten Weg abgekommen. Der Chef des Weltverbandes habe „zumindest allem Anschein nach all die Eigenschaften verloren, die ihn in seiner Zeit als Generalsekretär bei der UEFA ausgezeichnet haben“, sagte der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dem Nachrichtenportal t-online.

„Die Beständigkeit und die Bodenhaftung. Bei seiner Wahl 2016 hat er ja das Versprechen hinterlegt, sein Amt transparent zu führen, zu kommunizieren.“

Der DFB unter Niersbach unterstützte damals Infantino, als der Schweizer zum Nachfolger seines Landsmanns Joseph Blatter gewählt wurde. Niersbach saß zu Beginn von Infantinos Amtszeit zudem noch im FIFA-Council.

„Der Verdacht liegt natürlich nahe, dass dieses Amt des FIFA-Präsidenten etwas mit ihm gemacht hat, dass dieses Amt ihn verändert hat“, sagte der 75-Jährige: „Dafür gibt es ja auch Beispiele nicht nur im Sport, dass Menschen sich verändern, wenn sie eine Machtposition bekommen – und das nicht unbedingt positiv.“

Niersbach fehlt Alternative für Infantino

Im derzeitigen Machtkampf um die FIFA-Spitze entlädt sich laut Niersbach aufgestauter Frust: „Man hat Gianni ja vorher einige Sachen durchgehen lassen, wie zum Beispiel diesen obskuren Friedenspreis, den er US-Präsident Donald Trump verliehen hat. Da mussten viele bei der FIFA und in den Verbänden schon schlucken.“

Mit Blick auf eine mögliche Infantino-Nachfolge fehlt Niersbach derzeit „eine wirkliche Alternative, noch hat sich da niemand nachdrücklich positioniert“. Aus den gehandelten Namen rage für ihn einer heraus: „Ich halte den CONCACAF-Präsidenten Victor Montagliani für einen sehr fähigen Mann.“

Der Kanadier und sein Kontinentalverband für Nord- und Mittelamerika haben sich wie die Europäische Fußball-Union (UEFA) und der asiatische Verband (AFC) deutlich gegen Infantino positioniert. Ein möglicher Gegenkandidat für die Wahl beim Kongress im März 2027 hat sich bislang aber nicht aus der Deckung gewagt.