Nachruf auf Peter Hermann: Die Zuverlässigkeit in Person
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Fußball-Deutschland trauert um Peter Hermann. Ein persönlicher Nachruf von SPORT1-Reporter Reinhard Franke.
Manchmal sind es nicht die großen Fußballgeschichten, die von einem Menschen bleiben, sondern die kleinen Gesten.
Als ich Peter Hermann 2024 in einem Hotel an der BayArena zum Interview traf, merkte ich schon, dass es ihm gesundheitlich nicht gut ging. Er litt an der Nervenkrankheit ALS. Peter sprach damals auch über seine Angst davor, sich irgendwann vielleicht nicht mehr bewegen zu können. Als ich ankam, saß er schon da und wartete auf mich.
Eigentlich hätte er an diesem Tag genug mit sich selbst zu tun gehabt. Doch Peter hatte vorher nur gesagt: „Ich bin vorher noch im Krankenhaus, ich melde mich noch.“ Und natürlich meldete er sich. Das war Peter Hermann. Die Zuverlässigkeit in Person.
Aus diesem Interview entstand ein Kontakt, der blieb. Wir telefonierten immer wieder, schrieben uns über WhatsApp. Wenn ich Peter eine Nachricht schickte, antwortete er – auch wenn er gerade im Urlaub war.
Das klingt nach einer Kleinigkeit. Aber gerade solche Kleinigkeiten erzählen viel über einen Menschen.
Eine beeindruckende Bescheidenheit
Peter war einer dieser Menschen aus dem großen Fußballgeschäft, bei denen man nie das Gefühl hatte, dass sie sich selbst besonders wichtig nahmen. Dabei hätte er allen Grund gehabt, stolz auf seine Karriere zu sein.
Mehr als 1000 Spiele stand der nun im Alter von 74 Jahren verstorbene Peter Hermann als Co-Trainer an der Seitenlinie. Er arbeitete für große Vereine und mit großen Trainern. Seine größten Erfolge feierte er beim FC Bayern. Drei Deutsche Meisterschaften, zwei DFB-Pokalsiege und der Gewinn der Champions League gehören zu seiner beeindruckenden Bilanz.
Über allem steht das Jahr 2013. An der Seite seines Freundes Jupp Heynckes gewann er mit den Bayern das historische Triple. Heynckes war das Gesicht dieser Mannschaft – Hermann seine rechte Hand.
Doch wer Peter begegnete, hatte nie das Gefühl, einem Mann gegenüberzustehen, der einem erst einmal erzählen musste, was er alles gewonnen hatte.
Nach unserem Interview suchten wir einen Platz für ein gemeinsames Foto. Peter ging mit mir dorthin, wo die Bayer-Legenden an der Wand verewigt sind. Das passte. Er lächelte, als wir vor dem Bild standen, das ihn als Pokalsieger zeigt. 1993 war das, als er Co-Trainer der Werkself war.
Mit ein bisschen Stolz erzählte er mir damals auch, dass die Bayern ihn einst aus seinem Vertrag bei Bayer Leverkusen herausgekauft hatten. Es zeigte, welchen Ruf Peter im deutschen Fußball genoss.
Was keine Statistik erzählen kann
Peter Hermann war ganz Mensch. Zugewandt, bescheiden, hilfsbereit und verlässlich. Einer, der so viel erlebt und erreicht hatte und trotzdem nie vergessen hatte, wie wichtig die kleinen Dinge sind.
Dass er trotz seines Krankenhausbesuchs unser Treffen nicht absagte, sagt darüber vielleicht mehr als jede Statistik seiner langen Karriere.
Wenn ich heute an Peter denke, denke ich deshalb nicht zuerst an das Triple, die Champions League, Meisterschaften oder all die großen Trainer und Spieler, mit denen er gearbeitet hat. Ich denke an einen Menschen, auf dessen Wort man sich verlassen konnte.
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Mach’s gut, Peter. Ich bin dankbar, dass ich dich kennenlernen durfte.