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Terzic-Aus beim BVB: "Alles nicht sauber - das hat Edin nicht verdient!"

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Terzic-Aus beim BVB: "Alles nicht sauber - das hat Edin nicht verdient!"

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Terzic-Aus: „Ist alles nicht sauber“

Peter Hermann kennt den deutschen Fußball wie kaum ein anderer. Der frühere Co-Trainer des FC Bayern und Bayer Leverkusen spricht bei SPORT1 unter anderem über das DFB-Team, das Aus von Edin Terzic und den Gesundheitszustand von Jupp Heynckes.
Peter Hermann hat seine Trainerkarriere beendet
Peter Hermann hat seine Trainerkarriere beendet
© IMAGO/RHR-Foto
Reinhard Franke
Reinhard Franke
Peter Hermann kennt den deutschen Fußball wie kaum ein anderer. Der frühere Co-Trainer des FC Bayern und Bayer Leverkusen spricht bei SPORT1 unter anderem über das DFB-Team, das Aus von Edin Terzic und den Gesundheitszustand von Jupp Heynckes.

Peter Hermann ist einer der bekanntesten Co-Trainer in Deutschland. Mit dem FC Bayern wurde er an der Seite von Jupp Heynckes 2013 Triple-Sieger, zu Beginn der Saison 2022/2023 war er als Assistent von Edin Terzic bei Borussia Dortmund tätig.

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Am 7. Dezember 2022 beendete Hermann schließlich aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere. Bei Bayer Leverkusen war er mit Unterbrechungen als Spieler, Co- und Interimstrainer sogar 29 Jahre aktiv.

Mit SPORT1 hat sich der 72-Jährige jetzt in seinem Wohnzimmer, der BayArena in Leverkusen, zum Exklusiv-Interview getroffen.

Peter Hermann war Assistent von Trainer Edin Terzic
Peter Hermann war Assistent von Trainer Edin Terzic

SPORT1: Herr Hermann, vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen, obwohl es Ihnen nicht so gut geht. Wie ist der aktuelle Stand?

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Peter Hermann: Ich habe eine Nervenerkrankung, und die Kraft lässt nach. Es macht mir sehr zu schaffen. Aber ich habe mich auf das Interview gefreut. Ich hoffe, dass es noch einige Zeit stabil bleibt und ich mich noch alleine bewegen kann.

SPORT1: Wie sieht Ihr Alltag aus?

Hermann: Ich halte mich fast nur zu Hause auf, fahre ab und zu einkaufen. Zu den Spielen von Leverkusen bin ich noch hingefahren. Alles, was ich noch irgendwie machen kann, mache ich. Ich fahre jetzt ins Allgäu mit Jürgen Gelsdorf - er war mein erster Cheftrainer bei Bayer 04, als ich sein Assistent war. Ich habe mir ein Dreirad bestellt. Damit kann ich ganz gut fahren.

SPORT1: Für viele waren Sie immer der perfekte Co-Trainer. Wie blicken Sie auf Ihre Karriere zurück?

Hermann: Ich habe das so viele Jahre mit großer Leidenschaft gemacht, stand nie gerne im Vordergrund. In Leverkusen war ich insgesamt mit einigen Unterbrechungen 29 Jahre. Acht Jahre als Spieler und 21 Jahre als Co-Trainer und Interimstrainer. Zuletzt war ich nochmal Assistent von Edin Terzic bei Borussia Dortmund. Schalke, HSV, Düsseldorf, Nürnberg - ich war bei allen Vereinen sehr gerne. Es war eine großartige Zeit. Und unterm Bayer-Kreuz war es für mich am intensivsten. Der Cheftrainer war nicht so mein Ding, da hätte ich noch mehr Druck gehabt.

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„Heynckes hat sich aufgeregt, dass der BVB nicht Meister wurde“

SPORT1: Wie ist Ihr Kontakt zu Jupp Heynckes?

Hermann: Sehr gut, wir telefonieren regelmäßig, haben einen freundschaftlichen Kontakt. Er ist immer noch im Geschehen, da diskutieren wir dann auch stundenlang. Der Jupp ist immer noch voll dabei. Nach der vorletzten Runde hat er sich aufgeregt, dass der BVB nicht Meister geworden ist. Die Telefonate dauern schon länger, wir telefonieren schon eine gute Stunde. Ihm geht es wieder gut nach seinen gesundheitlichen Problemen.

SPORT1: Warum hat das so gut gepasst mit Ihnen und Heynckes?

Hermann: Wir haben uns in Leverkusen kennengelernt, anfangs war es noch etwas holprig zwischen Jupp und mir. Aber später war da ein totales Vertrauensverhältnis. Wir hatten die gleichen Ideen vom Fußball. Auch menschlich war es top zwischen uns. Jupp hat mich dann mit zu den Bayern genommen und somit hatte ich die Chance, nach einigen Vizemeisterschaften auch mal Meister zu werden, was dann ja auch geklappt hat.

Peter Hermann und Jupp Heynckes
Peter Hermann und Jupp Heynckes

Terzic? „Das ist alles nicht sauber - das hat Edin nicht verdient“

SPORT1: Gab es mal einen Moment, wo Sie ein Angebot als Cheftrainer bekommen haben?

Hermann: Ich hatte vor einigen Jahren ein Angebot von Alemannia Aachen aus der 2. Liga, da war gerade noch die Auslosung für die erste Runde der Champions League, damals gab es noch zwei Runden. Da hat der Calli (der damalige Manager Reiner Calmund, d. Red.) mit mir gesprochen: „Peter, du hast ewig von der Champions League geträumt und jetzt willst du nach Aachen?“ Dann war das Thema durch.

SPORT1: Edin Terzić war Ihr letzter Chef-Trainer, der von sich aus gegangen ist. Können Sie das nachvollziehen?

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Hermann: Das tut mir echt leid für Edin. Wenn man ihn sieht, der hatte einen schönen hohen Punkteschnitt. Er stand Millimeter vor der Meisterschaft und Millimeter vor dem Champions-League-Sieg. Und da sagte ich noch: Wärst du besser schon vorher ausgestiegen, dann hätte keiner drüber geschrieben. Mit Pech verliert er das Spiel und dann nach dem Spiel sagen alle: super gespielt und einen Tag später geht das Geschieße schon los. Das ist alles nicht sauber. Das hat Edin nicht verdient.

SPORT1: Warum ist er zurückgetreten?

Hermann: Ich weiß nicht genau die Gründe, aber ewige Kritik ist auch nichts. Ich denke, er wird auf jeden Fall genug Angebote bekommen. Vielleicht ist es sogar besser, wenn man in einem anderen Verein ist. Er kommt ja aus Dortmund, war früher in der Fankurve. Es ist besser, wenn er sich nicht zu viele Gedanken macht und nicht zu emotional ist. Ich finde es wirklich schade. Und Endspiel musst du erst mal kommen. In der Bundesliga war es nicht so gut, das stimmt.

Edin Terzic an der Seite von Peter Hermann
Edin Terzic und Peter Hermann

SPORT1: Sie schauen sicher die EM-Spiele, oder?

Hermann: Natürlich. Ich schaue sie mir mit großer Freude an. Mir hat auch die Saison bei Bayer Leverkusen viel Freude bereitet. Bei der EM sorgt nicht nur die deutsche Mannschaft für viel Spaß. Viele Spiele sind toll, wie zuletzt Türkei gegen Georgien. Es gibt irgendwie gar keine Underdogs mehr. Die Schotten hatten einen miesen Tag gegen die Deutschen, aber sie haben gegen die Schweiz auch klasse gespielt.

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SPORT1: Deutschland hat sich als erste Nation für das Achtelfinale qualifiziert. Ist man jetzt also der Topfavorit?

Hermann: Durch den Heimvorteil auf jeden Fall. Dann kommen Frankreich, Spanien, England. Leider haben die Italiener gegen die Spanier verloren.

SPORT1: War das 1:1 gegen die Schweiz ein Dämpfer für die gute EM-Stimmung der Deutschen?

Hermann: Nein, die Schweiz war gut auf uns eingestellt und machte uns das Leben schwer. Zum Glück hielt Manuel Neuer super und der Plan mit Flanken auf Niclas Füllkrug ging letztendlich noch auf. Die Moral der Mannschaft ist top und sie wird bis zum Schluss alles versuchen.

Florian Wirtz „ist der neue Schweini“

SPORT1: Was ist besonders an der deutschen Mannschaft?

Hermann: Die Jungs haben Bock, sie spielen gerne Fußball, das sieht man. Ich kenne Flo Wirtz und Jonathan Tah. Beide zeigen, wie sehr sie das, was sie tun, lieben. Beide haben wirklich Spaß, wissen aber auch, dass sie hart arbeiten müssen. Wirtz ist der neue Schweini.

SPORT1: Wie agiert man nun: die Euphorie auch innerhalb des Teams einfach mal auskosten und genießen oder weiterhin den vollen Fokus auf die kommenden Aufgaben richten?

Hermann: Nagelsmann und Sandro Wagner, den ich auch noch von Bayern kenne, wissen schon, wie sie damit umgehen müssen. Thomas Müller fängt die Jungs schon wieder ein und passt schon auf, dass keiner über die Stränge schlägt. Man soll die Euphorie nicht bremsen. Um Gottes willen, warum?

SPORT1: Thomas Müller hat ein Spiel gemacht und ist dennoch immer topmotiviert.

Hermann: Absolut. Er kennt seine Rolle. Bei Bayern steht er auch nicht mehr ganz so oft in der Startelf. Thomas Müller ist extrem wichtig für die Truppe. Er sorgt für eine positive Grundstimmung, obwohl die bisher sicher auch ohne ihn top wäre.

„Kroos hat zurückgeschrieben und sich gefreut“

SPORT1: Sind Sie ein Kroos-Fan?

Hermann: Absolut, er ist ein ganz wichtiger Faktor. Ich habe ewig keinen Kontakt mehr mit ihm gehabt. Nach dem ersten Spiel gegen Schottland habe ich ihm geschrieben und zum Sieg gratuliert. Ich wusste gar nicht mehr, ob die Nummer noch stimmt. Aber er hat zurückgeschrieben und sich gefreut. Es ist mit Toni ein ganz anderes Spiel, da ist viel mehr Ordnung drin. Es sieht wirklich anders aus. Man kann die Spiele ohne Toni nicht mit jetzt vergleichen. Das hat alles Hand und Fuß.

Peter Hermann und Toni Kroos arbeiteten einst bei Bayer Leverkusen zusammen
Peter Hermann und Toni Kroos arbeiteten einst bei Bayer Leverkusen zusammen

SPORT1: Wie sehen Sie Manuel Neuer? Ist er noch unantastbar?

Hermann: Er hat schwere Verletzungen gehabt, da muss man erst mal wieder zurückkommen. Das ist schon mal eine Leistung jetzt. Er hält gut, er strahlt etwas aus. Für mich hat er noch immer auf Top-Niveau.

SPORT1: Hat man Ilkay Gündogan in den vergangenen Jahren Unrecht getan?

Hermann: Er ist jetzt bei Manchester City, hat die Champions League gewonnen. So hoch angesehen bei Guardiola: Er hat ihn immer lobend erwähnt. Ich mochte ihn sowieso, schon in ganz jungen Jahren in Nürnberg, da kam er von Bochum zum Club. Das ist ein top Junge und auch heute noch so, bescheiden und spielt gut. Die ersten beiden Spiele von ihm waren top.

Leverkusen ist Hermanns Herzensklub

SPORT1: Was ist Bayer Leverkusen für Sie?

Hermann: Das ist mein Heimatverein. Dieser Klub ist fest in meinem Herzen drin. Wir sind aufgestiegen und haben viele Jahre gegen den Abstieg gekämpft. Doch der Verein hat sich sehr positiv entwickelt, das freut mich. Und die Krönung war natürlich der Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Eigentlich hätten wir diesen Titel viel früher verdient gehabt.

SPORT1: Wie sehr hat Sie dieses „Vizekusen“ genervt?

Hermann: Sehr. Wie jeden in Leverkusen. „Meisterkusen“ klingt doch viel besser. (lacht) Ich war vier oder fünf Mal Vizemeister und darf nicht mehr daran denken. Das hat mich ganz schön gewurmt. Immer war der Titel machbar, denn wir hatten stets eine tolle Mannschaft. In dem schlimmen Vize-Jahr waren wir so nah dran.

SPORT1: Warum hat es in der vergangenen Saison dann endlich geklappt?

Hermann: Da kommt einiges zusammen. Es ging los mit der Verpflichtung von Xabi Alonso. Seine Verpflichtung war für den Verein Gold wert. Und sie hatten schon in der Saison 2021/2022 eine gute Mannschaft. Im Jahr danach wurde man mit Alonso zum Ende Sechster und daraus wurden die richtigen Schlüsse gezogen. Alle Entscheidungen waren top. Ein Highlight war für mich der Wechsel von Josip Stanišić vom FC Bayern nach Leverkusen.

SPORT1-Reporter Reinhard Franke (l.) traf Peter Hermann (r.)
SPORT1-Reporter Reinhard Franke (l.) traf Peter Hermann (r.)

„Man kann Tah nicht böse sein, wenn er zu Bayern will“

SPORT1: Ist der Aufschwung von Jonathan Tah nur durch Alonso zu erklären?

Hermann: Er hatte immer mal Phasen, in denen er richtig gut gespielt hat. Sonst wäre er keine neun Jahre in Leverkusen. Es gab natürlich auch mal ein Tal, durch das er musste, aber seit Alonso da ist, spielt Tah sehr stabil. Er kann was. Er ist schnell, zweikampf- und kopfballstark und hat zudem auch ein gutes Passspiel. Das alles zeigt er seit einem Jahr konstant. Alonso hat immer an Tah geglaubt, hat ihn immer gestärkt und ihn zum Chef gemacht. Tah zahlt es mit Leistung zurück.

SPORT1: Wäre es undankbar, wenn Tah zum FC Bayern wechselt?

Hermann: Der Verein geht ganz unaufgeregt damit um. Keiner wird deshalb bei Bayer Leverkusen nervös. Tah ist seit neun Jahren hier, hat immer alles für den Klub gegeben. Man kann Tah nicht böse sein, wenn er zu den Bayern wechseln will. Die werden nicht nochmal so eine schlechte Saison spielen. Tah will einen Schritt nach vorne gehen und den sieht er offenbar bei Bayern. Bevor er 2025 ablösefrei geht, wäre jetzt ein Wechsel völlig okay.

SPORT1: Haben Sie sich eigentlich über die lange Trainersuche beim FC Bayern gewundert?

Hermann: Man soll sich nicht verrückt machen. Bayern war elf Mal in Folge Meister? Elf Mal! Dann beschwert sich jeder, dass es langweilig wird. Dann werden sie mal kein Meister und es ist auch wieder nicht recht. Die sollen doch froh sein, dass mal eine andere Mannschaft gewonnen hat. Die Trainersuche war natürlich schwer. Vielleicht war es auch gut so. Das kann man erst beurteilen, wenn die Saison läuft.