16 Jahre war der SV Waldhof Mannheim von der Profi-Landkarte verschwunden. Im Sommer 2019 war eine lange Leidenszeit beim Traditionsklub vorbei. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 3. Liga)
3. Liga: So arbeitet Waldhof Mannheim an seiner Rückkehr in den 2. Liga
Waldhof träumt von Rückkehr in Liga 2
Die Kurpfälzer haben die Regionalliga Südwest nach vielen bitteren Relegationsniederlagen in Richtung Liga drei verlassen. Endlich wieder Profi-Fußball bei den 1907 gegründeten „Buwen“.
Und der Aufsteiger legte eine gute, von der Aufstiegseuphorie getriebene Saison hin. Platz neun bedeutete souveräner Klassenerhalt. (DATEN: Die Tabelle der 3.Liga)
Waldhof Mannheim erhält einen neuen Anstrich
Zur Saison 2020/21 folgte dennoch der Wechsel auf der Kommandobrücke von Bernhard Trares zu Patrick Glöckner. Der ehemalige Profi kam vom unglücklich abgestiegenen Chemnitzer FC (der ihn gerne behalten hätte), ihn zog es in die Nähe seiner Heimat Frankfurt (für die Eintracht absolvierte er 14 Zweitligaspiele).
Die Aufgabe in Mannheim hatte den 45-Jährigen von Beginn an gereizt, wie er SPORT1 verriet: „Ich wusste, dass außer dem reinen Trainerwesen noch mehr von mir gefragt war. Ich sollte auch die Strukturen weiterentwickeln und professionalisieren. Das war eine Herausforderung.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 3. Liga)
Glöckner war nicht nur als Trainer, sondern auch als Architekt, als Baumeister gefordert: „Wir hatten einen sehr kleinen Kader und äußere Bedingungen, die nicht profi-tauglich waren. Das musste sukzessive aufgebaut werden.“ Die Bilder, wie die Kabinen vor und nach dem Umbau aussahen, sagen alles aus.
Glöckner betonte: „Selbst die Räumlichkeiten sind in den Jahren der Abstinenz aus dem Profifußball nicht verändert worden – es gab keine Anpassungen, alles war so, als wäre die Zeit stehen geblieben.“
In der Tat wirkten die Aufenthaltsräume wie Rumpelkammern. Böden mussten rausgerissen, die Wände neu gestrichen, moderne Geräte angeschafft werden – wer weiß, ob nicht der ein oder andere Kreisliga-Kicker die alte Örtlichkeit sofort wieder verlassen hätte.
Kabinen, Staff und Ernährung: Glöckner verändert Waldhof
Ein ständiger Begleiter Glöckners in dieser Phase war Tim Schork. Mit seinen 31 Jahren ist er bereits Geschäftsführer Sport bei Waldhof. Diesen Posten übernahm er zwar erst im Januar 2022 als Nachfolger von Jochen Kientz, der fast vier Jahre in Mannheim tätig war.
Doch Schork war auch schon bei Ankunft Glöckners in anderer Rolle in Mannheim aktiv. Der Sohn von Otmar Schork (Geschäftsführer beim 1. FC Magdeburg, zuvor jahrelang Sportlicher Leiter beim SV Sandhausen), lobte den Trainer bei SPORT1: „Patrick hat in Mannheim viel angestoßen. Ob die Kabinen, Räumlichkeiten, der Staff oder die Ernährung. Er hat sich dabei immer wieder mit eingebracht, um die Strukturen zu professionalisieren.“
Im ersten Jahr unter Glöckner schnitt Waldhof einen Rang besser auf acht ab und gewann den Landespokal. Die zweite Saison startete mit einem Paukenschlag, Bundesligist und Europa-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt wurde hochverdient mit 2:0 aus der ersten Runde des DFB-Pokals geworfen.
Der tolle Erfolg gegen den Klub, zu dem eine Fanfreundschaft besteht, bescherte nicht nur Jubel, Anerkennung und Geld, sondern auch einen neuen Spieler.
So wurde Höger in Liga 3 gelockt
Marco Höger wechselte mit etlichen Bundesliga- und Champions-League-Partien im Gepäck vom 1. FC Köln in die dritte Liga nach Mannheim.
„Er hatte sich das DFB-Pokal-Spiel gegen die Eintracht angeschaut und die Kombination aus Spielweise, unserer Fans und der vom sportlichen Bereich geführten Gespräche, konnten ihn dann voll und ganz überzeugen“, blickte Glöckner zurück.
Neben Höger kam zuvor bereits „Mister Heidenheim“ Marc Schnatterer nach Waldhof. Diese Charakterköpfe führten eine Mannschaft an, die akribisch und hochintelligent zusammengestellt wurde. Das große Geld fehlt in Mannheim, weshalb vor allem Profis kamen, die einen Karriereknick erlitten hatten und bei ihren vorherigen Klubs kaum oder keine Rolle spielten.
Kabinen wichtig für das Teambuilding bei Waldhof
Umso wichtiger war Glöckner das Teambuilding - und dafür die Kabine. Der im Sommer 2020 angestoßene Umbau dauerte beinahe zehn Monate. Es war viel Geduld nötig, doch der Coach blieb hartnäckig: „Die Räumlichkeiten sind wichtig. Die Spieler müssen sich auch wohlfühlen, damit sie länger dableiben und arbeiten wollen. So erzielen wir einen Mehrwert und das Team bildet sich auf natürlich Weise.“ Man müsse dafür nicht „zehnmal mit dem Kanu über den Bach fahren“, zeigte sich Glöckner überzeugt.
Inzwischen kann sich der frühere Erstligist durchaus wieder zeigen und Spieler ins Vereinsheim einladen. Schork führte aus: „Kontinuierliches Arbeiten ist die Basis für den Erfolg. Die Grundlagen sind geschaffen, jetzt folgen die nächsten Schritte.“
Doch Waldhof muss für den ganz großen Wurf eine Schippe draufpacken. Aktuell belegt Mannheim mit 49 Punkten Rang sechs, der Abstand auf den von Braunschweig bekleideten Relegationsplatz drei beträgt sechs Zähler (wobei man noch ein Spiel mehr zu absolvieren hat).
„Buwen“ reisen nach Saarbrücken
Zuletzt kamen die „Buwen“ nicht über ein 1:1 in Zwickau hinaus. Wieder einmal vergab Waldhof viele Chancen und dabei einen Elfmeter, hinten sorgte ein Eigentor für das Remis. Ein Dämpfer natürlich, doch die tabellarische Lage lässt noch alle Möglichkeiten offen.
Die nächste Chance haben die Mannheimer am kommenden Samstag (ab 14 Uhr im LIVETICKER) beim Spitzenspiel in Saarbrücken (Platz vier/50 Punkte).
Der Zwei-Jahres-Plan sieht den Sprung zurück in Liga zwei erst 2023 vor, doch die euphorischen und treuen Fans (durchschnittlich 7.431 Zuschauer bedeuten Rang fünf in Liga drei) lechzen nach Duellen in Düsseldorf, Nürnberg oder Hannover.
„Wir haben diesen Aufstiegstraum“, sagte Schork, verwies bei allem sportlichen und infrastrukturellem Ehrgeiz aber auch auf einen gesunden Weg dorthin: „Wir müssen demütig bleiben und versuchen, das Maximum aus unserem Verein herauszuholen.“ Einen Fall Türkgücü, das sich wirtschaftlich völlig überhoben hat und zurückziehen musste, soll es in Mannheim nicht geben.
Klares Ziel: 2023 soll der Aufstieg gelingen
Ob Glöckner seine Mission fortsetzt? „Patrick ist ein Trainer, der sich nie zufriedengibt und immer wieder auf Probleme aufmerksam macht, damit sich alles auf Profi-Niveau bewegt“, sagte Schork. Die Zukunftsgespräche, auf denen alles auf den Tisch kommt, sollen dann folgen, wenn die Ligazugehörigkeit feststeht.
„Der Verein hat den Aufstieg in der nächsten Saison als klares Ziel ausgegeben. Daran führt rechts und links kein Weg vorbei. Wenn wir die richtigen Bedingungen und einen guten Kader von Tag eins an vorfinden, dann kann ich mir vieles vorstellen“, signalisiert Glöckner durchaus Bereitschaft zum Verbleib.
Bisher ergeben Glöckner und Waldhof ein perfektes Match. Auch deshalb ist der Traum von der Rückkehr in Liga zwei bereits in diesem Jahr trotz schwieriger Ausgangslage noch immer möglich.