Werder verhindert den GAU - mehr nicht

Werder verhindert den GAU - mehr nicht

Werder Bremen zittert sich in der Relegation in Heidenheim in die nächste Bundesligasaison. Dadurch wird nicht alles gut, meint SPORT1-Redakteur Martin van de Flierdt.
Werder Bremen hat in der Relegation den Klassenerhalt eingefahren. Der scheidende Stürmer Claudio Pizarro bekam allerdings keinen Einsatz mehr. Sein Trainer huldigt ihm zum Abschied.
"Immer dieselbe Fresse": Kohfeldt frotzelt Pizarro zum Abschied
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Martin van de Flierdt
von Martin van de Flierdt
am 7. Juli

Werder Bremen hat es also doch noch geschafft und bleibt Bundesligist, allen Nackenschlägen zum Trotz. "Scheiß Saison, gutes Ende", fasste Trainer Florian Kohfeldt die Spielzeit nach dem wilden 2:2-Remis seiner Mannschaft im Relegations-Rückspiel beim 1.FC Heidenheim treffend zusammen.

Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Werder "oft für tot erklärt worden" sei, offenkundig fälschlicherweise.

Auch ich habe den Bremern in meinem Kommentar am 19. Mai, dem Tag nach dem ernüchternden 1:4 gegen Leverkusen im ersten Spiel nach der Corona-Pause, den Klassenerhalt nicht mehr zugetraut.

Dass sie bis zum Ende an eine Wende zum Guten geglaubt und dem dauerhaft hohen Druck am Ende getrotzt haben, verdient höchsten Respekt. Daher leiste ich gerne Abbitte und bekenne, dass ich daneben gelegen habe.

Hätte sich allerdings Union Berlin am 34. Spieltag gegen Düsseldorf nicht dermaßen ins Zeug gelegt, wäre Werder schon seit einer Woche Zweitligist, und das verdientermaßen.

Unter dem Strich bleibt die Punktebilanz eines Absteigers

31 Punkte sind die Ausbeute eines Absteigers und wahrlich kein Ruhmesblatt. Die ungeheure Verletztenseuche war lange eine zu Recht angeführte Erklärung für den Misserfolg. Unter dem Strich blieb aber, dass vieles, was die Bremer in dieser Saison auf den Platz brachten, nicht bundesligatauglich war.

Die Abwehr offenbarte ein Tempodefizit und blieb bei jeder gegnerischen Standardsituation anfällig, das Spiel nach vorne mit den Ausnahmen Paderborn (5:1) und Köln (6:1) ausrechenbar und wenig durchschlagskräftig.

Zweitligist Heidenheim reichten in der Relegation letztlich eine robuste Physis und Beharrlichkeit, um Werder dem Abgrund nahe zu bringen.

BREMEN, GERMANY - JULY 02: Milot Rashica of Bremen is challenged by Timo Beermann and Patrick Mainka of Heidenheim during the Bundesliga playoff first leg match between Werder Bremen and 1. FC Heidenheim at Wohninvest Weserstadion on July 02, 2020 in Bremen, Germany. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)
Bremen's Finnish defender Niklas Moisander (L) and Heidenheim's German forward Denis Thomalla vie for the ball during the German Bundesliga relegation first-leg football match Werder Bremen v 1 FC Heidenheim 1846 on July 2, 2020 in Bremen, northern Germany. (Photo by Carmen JASPERSEN / various sources / AFP) / DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO (Photo by CARMEN JASPERSEN/AFP via Getty Images)
Die erste Relegation zwischen Bundesliga und Zweiter Liga wurde 1982 gespielt. Damals machte Bayer Leverkusen kurzen Prozess mit den Kickers Offenbach. 1:0 und 2:1 lauteten die Ergebnisse, Arne Larsen Ökland und Peter Szech feiern den Sieg
Ein Jahr später setzte sich dann der Zweitligist durch. Bayer Uerdingen bezwang Schalke 04. Schalkes Wolfram Wuttke scheitert am Krefelder Keeper Werner Vollack
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Und da hatten die Bremer personell mit Ausnahme der gesperrten Kevin Vogt (Hinspiel) und Niklas Moisander (Rückspiel) alle Mann an Bord.

Den Abstieg als GAU hat Werder also mit Ach und Krach vermieden. Souverän ist aber anders. Auf eine Neuauflage dieser – um im Duktus von Kohfeldt zu bleiben – Nahtoderfahrung wird der Bremer Anhang gerne verzichten. Die angekündigte Aufarbeitung dieser schlimmen Saison muss daher in die Tiefe gehen.