Von Marcus Friedrich
Stefan Reuter im Interview über FC Augsburg und Borussia Dortmund
"Der Trainer passt perfekt zu uns"
Die Saison ist erst einen Spieltag alt, da kommt es schon zum ersten "Kellerduell". Der Tabellenletzte FC Augsburg empfängt den Tabellennachbarn Borussia Dortmund (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm).
Für Augsburgs Manager Stefan Reuter ist die Begegnung immer eine ganz besondere. Der 48-Jährige spielte zwölf Jahre in Dortmund - solange wie bei keinem anderen Verein.
307 Mal lief er für die Schwarz-Gelben in der Bundesliga auf und gewann drei Meisterschaften sowie die Champions League und den Weltpokal.
Titel wird der gebürtige Franke in den nächsten Jahren mit dem FC Augsburg wahrscheinlich eher nicht holen. (Bundesliga: Tabelle)
Er hat aber auch ein ganz anderes Ziel: Er will die Fuggerstädter in der Bundesliga etablieren.
Vor dem Duell mit seinem Ex-Klub spricht der Weltmeister von 1990 im SPORT1-Interview über die Probleme zum Saisonauftakt, die langfristigen Pläne des FCA, über den teuersten Transfer der Vereinsgeschichte und seine Verbundenheit zu Dortmund.
SPORT1: Herr Reuter, der Saisonstart ist missglückt. Nach dem Pokal-Aus gegen Magdeburg gab es gegen Hoffenheim den nächsten Dämpfer. Wird man schon nervös in Augsburg?
Stefan Reuter: Wir sind natürlich enttäuscht, dass wir im Pokal schon so früh ausgeschieden sind und dass wir gegen Hoffenheim nicht punkten konnten, aber in Panik verfällt bei uns keiner. Die beiden Spiele haben gezeigt, dass bei uns noch nicht alles rund läuft und dass wir uns viele Dinge neu erarbeiten müssen.
SPORT1: Gerade in der Offensive passt noch nicht viel zusammen. In beiden Spielen stand jeweils die Null. Sie haben Andre Hahn und weitere Leistungsträger abgeben müssen. Es scheint so, als könnte Augsburg die Abgänge noch nicht kompensieren.
Reuter: Trotz einiger Wochen Vorbereitung sind gewisse Automatismen noch nicht bei allen komplett verinnerlicht. Unser Team braucht nach den vielen Wechseln sicher noch ein wenig Zeit, um sich richtig einzuspielen. Das geht nicht von heute auf morgen. Daran arbeiten wir im Training aber sehr intensiv. Ich bin zuversichtlich, dass sich das Team bald finden wird und das wir uns dann wieder mehr Torchancen erarbeiten.
SPORT1: Ihr Rekordtransfer, Stürmer Tim Matavz, hat in den ersten beiden Spielen noch nicht getroffen. Was kann man von ihm noch erwarten?
Reuter: Tim Matavz hat bislang bei jedem Verein bewiesen, dass er Tore machen kann. Seine Torgefahr ist auch bei uns schon aufgeblitzt. Wir haben aber insgesamt im Offensivbereich einige neue Spieler dazu geholt. Auch Shawn Parker, Nikola Djurdjic oder Caiuby haben Qualität. Jetzt geht es darum, die Feinabstimmung untereinander zügig zu erarbeiten.
SPORT1: Bis zum 1. September ist die Transferperiode noch geöffnet. Werden Sie nach den Niederlagen noch einmal nachlegen?
Reuter: Nein. Unser Kader steht und wir werden niemanden mehr dazu holen.
SPORT1: Letztes Jahr ist der FCA knapp an der Qualifikation zur Europa League gescheitert. Welche Ziele haben Sie für diese Saison?
Reuter: Wir haben ganz klar das Ziel, möglichst frühzeitig die Klasse zu halten. Das wäre für unseren Verein wieder ein Riesenerfolg.
SPORT1: Als Spieler waren sie es gewohnt, um Titel zu spielen. Sie und Ihr Trainer Markus Weinzierl haben langfristige Verträge: Wo wollen Sie mit Augsburg in zwei oder drei Jahren stehen?
Reuter: Wir wollen uns in der Liga stabilisieren. Wenn man die Möglichkeiten der Konkurrenz mit unseren vergleicht, ist es immer ein Erfolg, wenn wir drei Mannschaften finden, die am Ende der Saison hinter uns stehen. In den nächsten Jahren hat der Klassenerhalt die oberste Priorität. Dann können wir auch über den nächsten Schritt sprechen und eine andere Zielsetzung ausgeben.
SPORT1: Dann müssen Sie aber weiterhin damit leben, dass Ihnen die besten Spieler weggekauft werden?
Reuter: Mit Ausnahme des FC Bayern - und selbst der FC Bayern hat jetzt Toni Kroos verloren - schafft es in der Regel kein Bundesligaverein, jeden wichtigen Spieler zu halten. Da teilen wir das Los mit vielen anderen Klubs. Aber dann liegt es an uns, wieder neue Spieler zu finden, die in die Mannschaft passen und uns auf ein Niveau bringen, um wieder die Klasse zu halten.
SPORT1: Es gibt immer wieder Gerüchte, Markus Weinzierl könnte den Verein verlassen. Machen Sie sich Sorgen?
Reuter: Markus Weinzierl hat mit seiner Vertragsverlängerung ein ganz klares Bekenntnis zum FC Augsburg abgegeben. Das hat mich persönlich und sicher auch alle Fans sehr gefreut. Der Trainer passt einfach perfekt zum FC Augsburg.
SPORT1: Nun kommt Vizemeister Dortmund nach Augsburg: Wie groß ist die Gefahr, dass der Saisonstart völlig misslingt?
Reuter: Davor haben wir keine Angst. Wir sind auch letztes Jahr mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet und haben trotzdem die Ruhe bewahrt. So sind wir dann schnell in die Erfolgsspur gekommen. Unser Ziel am Freitag ist ganz klar zu punkten. Auch wenn wir wissen, dass es extrem schwer wird gegen eine qualitativ so stark besetzte Mannschaft wie den BVB. Wir werden versuchen, mit allen Mitteln dagegen zu halten.
SPORT1: Was macht Borussia Dortmund so stark?
Reuter: Der BVB hat sehr schnelle und technisch starke Spieler. Gerade das schnelle Umschaltspiel ist sehr gefährlich. Wir müssen einfach jede Sekunde hellwach sein und dürfen keine Räume eröffnen. Denn dann schlagen die Dortmunder blitzschnell zu.
SPORT1: Letzte Saison fand das erste Heimspiel auch gegen das Team von Jürgen Klopp statt. Das Ergebnis war ein 0:4. Ist Wiedergutmachung angesagt?
Reuter: Das ist schon wieder weit weg. Aber wir haben damals auch über weite Strecken des Spiels gut dagegen gehalten. Das Ergebnis ist am Ende zu hoch ausgefallen, weil wir hinten heraus unter die Räder gekommen sind. Unsere Mannschaft hat sich seitdem aber weiterentwickelt und wir haben gesehen, dass wir im Konzert der Großen mithalten können. Dies hat das Unentschieden in Dortmund in der Rückrunde gezeigt. Daher gehen wir selbstbewusst in die Begegnung.
SPORT1: Leverkusen hat gezeigt, wie es gehen kann: Ihre Mannschaft steht auch für Pressing und hohes Verteidigen: Können Sie so dem BVB gefährlich werden?
Reuter: Unser Trainer macht sich schon seine Gedanken, wie man gegen den BVB spielt und wie wir auch zum Erfolg kommen können. Da möchte ich mich jetzt aber zurückhalten (lacht).
SPORT1: Mit Dong-Won Ji spielt ein Ex-Augsburger beim BVB, der aber zurzeit verletzt ist. Was trauen Sie ihm zu?
Reuter: Er war für uns ein sehr wichtiger Spieler. Vor allem in der vorletzten Saison hat er enorm wichtige Tore für uns geschossen. Er ist ein ausgezeichneter Offensivspieler, der auch in Dortmund seinen Weg gehen wird.
SPORT1: Und was trauen Sie dem BVB zu: Kann Dortmund den Bayern im Titelkampf gefährlich werden?
Reuter: Ich bin überzeugt, dass Borussia Dortmund bis zum Ende um den Titel mitspielen und den Bayern dieses Jahr das Leben deutlich schwerer machen wird.
SPORT1: Sie spielten zwölf Jahre in Dortmund. Fühlen Sie sich noch sehr mit Dortmund verbunden?
Reuter: Der Kontakt nach Dortmund ist nie abgerissen. Ich habe zu einigen Verantwortlichen und einigen Spielern ein sehr gutes Verhältnis. Mit Sebastian Kehl und Roman Weidenfeller habe ich noch zusammengespielt. Ich freue mich immer, wenn man sich trifft. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass die Punkte in Augsburg bleiben."