Jürgen Klopp tobte mal wieder an der Seitenlinie, wie man ihn kennt. Zugegeben, er hatte allen Grund dafür. Denn innerhalb von sieben Minuten hatte der BVB den so sicher geglaubten ersten Saisonsieg (Bericht) noch einmal in Gefahr gebracht.
Borussia Dortmund besiegt FC Augsburg und erwartet Shinji Kagawa
Wortakrobatik nach dem Zittersieg
Aus einer komfortablen 3:0-Führung beim FC Augsburg war durch nachlässige Abwehrarbeit und eingestelltes Offensivspiel plötzlich ein 3:2 geworden. Dortmund wackelte in der Nachspielzeit - und hätte beinahe noch zwei Punkte liegen lassen. (DIASHOW: Die Bilder des 2. Spieltags)
Vielleicht hat Klopp in dieser hektischen Schlussphase auch kurz an Shinji Kagawa gedacht. Er ist einer, der das Spiel ordnen, den Ball halten und gerne auch mal einen schnellen Gegenstoß setzen kann.
Klopp hält sich bedeckt
Kagawas Rückkehr nach Dortmund scheint beschlossene Sache zu sein. Die "Bild" berichtet, dass Kagawa bereits einen Auflösungsvertrag bei Manchester United unterschrieben habe und am Samstag nach dem Medizincheck in Dortmund einen Vierjahresvertrag unterschreiben soll.
Klopp wollte sich am Freitag noch nicht in die Karten schauen lassen. "Wenn es etwas zu kommentieren gibt, dann werden wir das tun", sagte er auf SPORT1-Nachfrage knapp. Also kein neuer Spieler? "Keine Ahnung, echt nicht", antwortete Klopp achselzuckend.
Reus und Kehl verraten mehr
Die Spieler waren da durchaus offener - ob freiwillig oder unfreiwillig.
"Er wird, nein, würde uns besser machen", sagte Marco Reus bei "Sky". Ein typischer Fall von Freud’scher Versprecher? Reus beteuerte anschließend: Nein, er wisse wirklich nicht mehr.
"Wenn er kommt würde ich mich freuen, wir haben mit Shinji immer Erfolg gehabt", sagte Lukasz Piszczek zu SPORT1.
Und Sebastian Kehl stand mit einem Teller bunter Nudeln vor der Journalistenschar und plauderte munter über die Personalie: "Shinji war ein sehr wichtiger Faktor bei den erfolgreichen Jahren. In Dortmund hat er hervorragende Leistungen gebracht. Aber er hat keine leichte Zeit in Manchester hinter sich, sein Selbstbewusstsein ist sicher etwas angekratzt."
Verräterischer Modus
Auch bei Kehl mischten sich Konjunktiv und Indikativ im Redefluss verräterisch: "Wenn er denn jetzt zu uns käme, dann ist sicherlich Aufbauarbeit notwendig, wobei er hier ein Umfeld finden wird, das ihn sehr herzlich aufnimmt. Von Seiten der Fans und der Mannschaft wird er jede Unterstützung bekommen, die er braucht, um wieder gute Leistungen zu bringen."
Dann schob er noch schnell nach: "Aber so lange der Schritt noch nicht vollzogen ist, müssen wir uns nicht darüber unterhalten." Dabei hatte er doch schon so viel erzählt.
Die Dortmunder Fans liegen teilweise schon vor einem Krankenhaus auf der Lauer, in dem schon manch neuer BVB-Spieler den Medizincheck absolviert hat.
Immobile wirft Fragen auf
Während Kagawas Wechsel also ein offenes Geheimnis ist, wirft eine andere Personalie beim BVB schon früh in der Saison Fragen auf.
Neuzugang Ciro Immobile, der im Sommer als teuerster Transfer der Bundesliga für 19 Millionen vom FC Turin zu Borussia Dortmund gewechselt war, saß 90 Minuten lang auf der Bank.
Klopp gab Pierre-Emerick Aubameyang den Vorzug und brachte später als zweite Wahl Torschütze Adrian Ramos. Er erklärte das gegenüber SPORT1 mit taktischen Gründen.
Immobile selbst huschte anschließend schnell durch die Mixed Zone zum Teambus, wollte keinen Kommentar abgeben und sah nicht besonders glücklich aus.
BVB stark verbessert
In jedem Fall zeigte sich der BVB ohne ihn in Augsburg stark verbessert.
Das Kurzpassspiel funktionierte über weite Strecken sehr gut, in der Offensive erspielte sich Dortmund zahlreiche Torchancen und nutze diese bereits früh durch Marco Reus (11.) und Sokratis (14.) - ganz anders als beim Saisonauftakt gegen Bayer Leverkusen (0:2).
Lediglich die letzten zehn Minuten ließen zu wünschen übrig, was aber reichte, um den Sieg fast noch zu verspielen. Es wird den Dortmundern eine Warnung sein.
Weinzierl nimmt das Positive
Diese letzten zehn Minuten waren dann auch das, was dem FC Augsburg und Trainer Markus Weinzierl für die nächsten Wochen Hoffnung machte.
"Mich freut es, dass wir nach dem 0:3 nicht abgeschlachtet wurden, sondern ganz im Gegenteil zurückgekommen sind. Das war positiv", sagte der FCA-Coach.
Natürlich hatte er aber auch Vieles zu bemängeln: "Wir haben die Gegentore zu billig bekommen, waren zu nachlässig und habe die Räume nicht gut besetzt."
Kompliment von Klopp
Klopp gab seinem Gegenüber noch ein Kompliment mit auf den Weg: "Ich bin froh, dass dieses Auswärtsspiel beim FCA vorbei ist, denn hier werden noch andere Mannschaften Punkte lassen."
Zum Rückspiel in Dortmund hat Klopp dann wohl noch eine weitere Alternative im Kader, damit es nicht wieder so eine Zitterpartie wird.
Und die Spieler können wieder in der Wirklichkeitsform sprechen.