BVB: Favre zurück zu Fehler-System?

BVB: Favre zurück zu Fehler-System?

Lucien Favre will sich an den Titelgewinnern der letzten Saison orientieren und beim BVB wieder sein Lieblingssystem spielen lassen. Doch das bringt nicht nur Vorteile.
Der BVB hat das erste Trainingslager in Bad Ragaz erfolgreich beendet. Nach den begeisternden Testspielen sogar mehr als erfolgreich - die Bilanz der Borussen.
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Stefan Junold
Patrick Berger
von P. Berger, S. Junold
am 28. Aug

Der FC Bayern hat mit einer Viererkette das Triple gewonnen. Auch der englische (FC Liverpool), spanische (Real Madrid), italienische (Juventus Turin) und französische Meister (Paris Saint-Germain) setzten in der abgelaufenen Saison in der Abwehr zumeist auf einen Viererverbund.

Borussia Dortmund zählt zu den wenigen Top-Vereinen in Europa, die zuletzt nicht mit diesem System agiert haben. Doch in der Vorbereitung des BVB deutet alles darauf hin, dass damit nun Schluss ist. In der neuen Spielzeit werden die Schwarz-Gelben wieder zur Viererkette zurückkehren.

Das Problem dabei: Die Erfolgsformation anderer Spitzenklubs hat beim BVB letzte Saison eindeutig schlechter funktioniert als das System mit flexibler Dreier- bzw. Fünferreihe.

Abkehr von Viererkette brachte BVB-Erfolge

Bevor Trainer Lucien Favre nach dem 12. Spieltag dem Druck der BVB-Bosse und aus der Mannschaft nachgab und von seiner bevorzugten, aber fehleranfälligen Viererkette abrückte, kassierte sein Team im Schnitt 1,69 Gegentore pro Partie. Nach der Umstellung auf Dreierriegel mussten die Torhüter Roman Bürki und Marwin Hitz nur noch durchschnittlich 0,9 Mal hinter sich greifen.

Auch die Siegquote stieg damit eklatant an. Mit Viererkette gelangen fünf Siege in zwölf Bundesliga-Spielen, danach waren es 16 Erfolge in 22 Partien.

"Wir mussten das System vor acht Monaten wechseln, weil wir ein paar Probleme hatten", blickte Favre kürzlich im Trainingslager in Bad Ragaz zurück. (Gewinner und Verlierer des BVB-Trainingslagers)

Dass der Schweizer ein großer Fan der Viererkette ist, daraus machte er nie einen Hehl. "Ich habe die Viererkette lieber, das ist klar", betonte der 62-Jährige.

Favre orientiert sich an Bayern, Liverpool und Co.

Und nun startet er einen neuen Versuch, den BVB mit dem von ihm bevorzugten System spielen zu lassen. Denn: "Viele große Mannschaften spielen mit einer Viererkette. Wir müssen aber sehen, ob das möglich ist", sagte Favre und hat damit Recht.

Neben den schon genannten nationalen Meistern spielen von den europäischen Topklubs Manchester City, Manchester United, der FC Barcelona und RB Leipzig überwiegend mit vier Abwehrspielern.

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Dass auch die Schwarz-Gelben diesen Weg gehen wollen, ließen nicht nur die Trainingseinheiten vermuten, in denen Favre fast ausschließlich an der Viererkette gearbeitet hat.

In den bisherigen vier Testspielen trat der BVB immer mit Favres Lieblingsformation in der Defensive an - aber mit durchwachsenem Erfolg: Insgesamt gab es in vier Partien sechs Gegentreffer, bei der Niederlage gegen Feyenoord Rotterdam sogar ein 1:3, auch gegen Austria Wien (11:2) und den MSV Duisburg (5:1) klingelte es im eigenen Tor.

Ob die  Viererkette auch in den Pflichtspielen funktioniert, muss sich zeigen. Dass die Dreierkette so gut geklappt hat, hatte gute Gründe. Mit den mit starkem Offensivdrang ausgestatteten Achraf Hakimi und Raphael Guerreiro auf den Außenbahnen war das Personal auf dieses System optimal zugeschnitten.

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Meunier sieht sich nicht als Innenverteidiger

Vor allem Neuzugang Thomas Meunier, dessen Stärken als Rechtsverteidiger eher in der Defensive liegen, liefert jedoch ein Argument für die Rückkehr zur Viererkette. Zumal auch Guerreiro schon bewiesen hat, dass er auch den defensiveren Part links in der Viererreihe ausfüllen kann. (Kader von Borussia Dortmund)

"Der Fokus in Paris lag eher auf einer Viererkette. Da habe ich eher rechts defensiv gespielt", bestätigte Meunier kürzlich selbst. In der Innenverteidigung sieht sich der 28-Jährige hingegen nicht.

"Es wäre sicher nicht gut für das Team, wenn ich hinten in der Dreierkette spiele. Ich will immer nach vorne gehen. Es würde nur eine Lücke in die Abwehr reinreißen, wenn ich im Zentrum spielen würde. Ich kann schon verteidigen und hinten bleiben, ja, aber ich mag es lieber, nach vorne zu gehen. Die Position des zentralen Verteidigers ist im Moment keine Option für mich", erklärte der Belgier, womit man beim Problem des Favre-Plans ankommt.

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Denn zumindest aktuell ist der Kader mit klassischen Innenverteidigern dünn besetzt. Mats Hummels ist als Kapitän im Abwehrzentrum gesetzt, egal ob mit Dreier- oder Viererkette.

Can als flexibler Defensivallrounder

Daneben würde Favre am liebsten Dan-Axel Zagadou spielen lassen, doch der schlägt sich mit Kniebeschweren herum und ist vorerst raus. Dann bleibt nur Manuel Akanji als gelernte Innenverteidiger, weshalb Favre auch immer wieder mit Emre Can auf dieser Position getestet hat.

"Wir haben nur 20 Spieler", konstatierte Favre in Bad Ragaz: "Wir können nicht anders. Wenn Emre im Mittelfeld spielt, haben wir keine Abwehrspieler mehr."

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Doch viele Experten schätzen Can im Mittelfeld stärker ein. Zumal durch eine Viererkette das defensive Mittelfeld um einen Spieler erweitert wird – angesichts des großen personellen Angebots in diesem Bereich noch ein Vorteil. Denn in der Zentrale können neben Can Thomas Delaney, Axel Witsel, Mahmoud Dahoud und Neuzugang Jude Bellingham agieren - noch ein Vorteil der Viererkette.

Durch Cans Flexibilität könnte Dortmund je nach Gegner und Spielverlauf sogar spontan zwischen Vierer- und Dreierriegel wechseln – er müsste sich nur eine Position nach vorne oder nach hinten bewegen.

Deshalb fasste Sportdirektor Michael Zorc im Trainingslager zusammen: "Es ist weder Plan A noch B – der Trainer lässt sich viele Möglichkeiten offen und schaut, was möglich ist."