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Schlägt nun Dantas' Bayern-Stunde?

Schlägt nun Dantas' Bayern-Stunde?

Neuzugang Tiago Dantas ist seit Januar beim FC Bayern spielberechtigt. Warum hält Hansi Flick so viel vom 20-Jährigen, dem der Durchbruch bislang nicht gelang?
Hansi Flick spricht auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Mainz 05 über Tiago Dantas und erhöht den Druck auf den Youngster.
Vincent Wuttke
Florian Plettenberg
Patrick Berger
Franziska Wendler
von Franziska Wendler, Patrick Berger, Florian Plettenberg, Vincent Wuttke
03.01.2021 | 08:16 Uhr

In der vergangenen Woche gab es für Tiago Dantas viel Grund zu feiern. Am 24. Dezember stand für den Portugiesen nämlich nicht nur Weihnachten vor der Tür. Der Bayern-Profi feierte zudem seinen 20. Geburtstag.

Auch der 1. Januar dürfte eine ganz besondere Bedeutung haben. Denn seitdem ist der zentrale Mittelfeldspieler endlich für die Profimannschaft spielberechtigt. Schon gegen Mainz könnte er im Kader sein, verriet Cheftrainer Hansi Flick auf der Pressekonferenz am Samstag. (Bundesliga: FC Bayern München - FSV Mainz 05 ab 18 Uhr im LIVETICKER)

"Es liegt immer an einem Spieler selbst, ob er spielt oder nicht und inwieweit er sich entwickelt. Wir haben eine gute Mannschaft, mit einer guten Tiefe. Es ist wichtig, dass er in jedem Training seine Qualität zeigt, dem Trainerteam und auch seinen Mannschaftskollegen", sagte Flick auf SPORT1-Nachfrage.

Am Deadline-Day Anfang Oktober hatten die Münchner den Youngster als Neuzugang präsentiert, gemeldet werden konnte er für Bundesliga, Pokal und Champions League jedoch nicht mehr. Doch nun kann und will Dantas voll durchstarten.

Dantas bei Bayern spielberechtigt

Für ein Jahr hat der Rekordmeister das Talent von Benfica Lissabon ausgeliehen, im Sommer 2021 besteht eine Kaufoption in Höhe von 7,5 Millionen. Ob die Bayern überhaupt Interesse daran haben werden, diese auch zu ziehen, hängt von der Leistung in den kommenden Monaten ab.

Dass ihm Flick wohlgesonnen ist, das steht bereits vor seinem allerersten Einsatz fest. Denn der Transfer des Nachwuchsmannes ist vor allem auf ausdrücklichen Wunsch des Triple-Trainers realisiert worden.

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Schon seit Jahren hat Flick den 20-Jährigen im Visier. Nach Informationen von SPORT1 kam der Kontakt zwischen beiden Parteien bereits vor vielen Jahren über José Boto zustande, der aktuell als Chefscout bei Schachtjor Donezk arbeitet. Der Portugiese war von 2010 bis 2018 bei Benfica tätig, Flick überwiegend als Co-Trainer und Sportdirektor beim DFB. Seitdem riss der Kontakt nie ab.

Flick beobachtet Dantas schon lange

Bei SPORT TV bestätigte Boto: "Ich kenne Bayerns Trainer schon lange, und vor etwa sechs Jahren haben wir ihn zu einem Gespräch eingeladen. Es gab auch ein Turnier und er sah Tiago Dantas spielen. Seitdem ist er ein Fan und hat immer nach ihm gefragt."

Und dieses Interesse bringt er ihm nun auch in München entgegen. Obwohl der Youngster in den zurückliegenden Wochen nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam, ließ ihn Flick bei den Profis regelmäßig mit trainieren. (SERVICE: Bundesliga-Tabelle)

Und auch in der Allianz Arena wurde deutlich, dass der Bayern-Trainer seinen Neuzugang bereits ins Herz geschlossen hat. Nach dem Champions-League-Spiel gegen Atlético Madrid stieg Dantas beinahe unbemerkt die Treppen der Haupttribüne herunter.

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Kein Durchbruch bei Benfica

Zu seinem anschließenden Pläuschchen mit 127-Millionen-Mann Joao Félix gesellte sich auch Flick hinzu. Er klatschte mit Dantas ab, erkundigte sich nach seinem Wohlbefinden und nahm ihn fürsorglich in den Arm. "Ich habe ihn in diesem Moment zum ersten Mal an diesem Abend im Stadion gesehen und wollte ihn begrüßen. Das geschah intuitiv", erklärt Flick die Begegnung später im Gespräch mit SPORT1.  

Warum aber wollte der Cheftrainer den jungen Portugiesen unbedingt verpflichten?

Trotz hervorragender Leistungen in der Youth League, wo er sein Team in der vergangenen Saison mit vier Treffern und zwei Assists ins Finale gegen Real Madrid (2:3) führte, hat es nicht zum Durchbruch in der Profimannschaft von Benfica gereicht. Anders als bei Spielern wie Renato Sanches, Joao Félix und Ruben Dias - die bereits kurz nach ihrem 18. Geburtstag beim Traditionsklub zu Stammspielern wurden.

Körperlich noch nicht stark genug

"Das liegt in erster Linie an der Physis. Dantas ist nur 1,70 Meter groß und dazu noch relativ schmächtig", erklärte Benfica-Kenner und Buchautor Markus Horn kürzlich bei SPORT1. "In Portugal gilt Dantas als Riesentalent mit toller Ballkontrolle, das auf dem Feld den Überblick behält und ein Spiel lenken kann", so Horn weiter.

Von der körperlichen Entwicklung eines Alphonso Davies, Erling Haaland oder Jadon Sancho ist er aber noch weit entfernt. Für Flick jedoch kein Hinderungsgrund.

Hansi Flick ließ Tiago Dantas regelmäßig bei den Profis mittrainieren
Hansi Flick ließ Tiago Dantas regelmäßig bei den Profis mittrainieren

"Als Trainer macht es mir großen Spaß, mit ihm zu arbeiten. Tiago ist ein toller Fußballer, er ist aufgeschlossen und wissbegierig. Seine Qualitäten zeigt er schon jetzt bei uns im Training. Er ist klein, aber hat starke Veranlagung. An seiner Physis werden wir arbeiten. Wir haben einen klaren Plan, um diese zu verbessern."

Bei seinen bisherigen Auftritten in der 3. Liga zeigte der Portugiese durchwachsene Leistungen.

Durchwachsene Leistungen in der 3. Liga

Beim Einstand gegen den 1. FC Kaiserslautern beeindruckte er alle. Mit Ballkontrolle, strategischem Geschick und Koordination avancierte der technisch versierte Rechtsfuß direkt zum besten Spieler auf dem Platz. Danach ging es jedoch wechselhaft weiter.

Sechs Spiele absolvierte Dantas bislang, an einem Tor war er nicht beteiligt. Nach seinem überzeugenden Auftakt zeigte er bisweilen nur noch durchschnittliche Leistungen und wurde mehrfach ausgewechselt. Sprunggelenksprobleme verhinderten weitere Einsätze, erst kurz vor Weihnachten kehrte er in das Training zurück.

Nun beginnt mit der Eingliederung bei den Profis ein neues Kapitel, auf das sich der Youngster akribisch vorbereitet. Er lernt fleißig Deutsch und hat mit Kabinennachbar Thomas Müller nach SPORT1-Informationen einen fürsorglichen Teamkollegen an der Seite, der sich nach seinem Wohlbefinden erkundigt. (SERVICE: Bundesliga-Spielplan)

Ob all dies reicht, um es bei Bayern zu schaffen, wird sich in der Rückrunde zeigen. Und auch Förderer Flick will und kann sich nicht festlegen. "Schauen wir mal. Wir werden ihn ganz genau beobachten".