Meyer: "Es war keine leichte Zeit"

Meyer: "Es war keine leichte Zeit"

Max Meyer hat eine nicht ganz einfache Zeit hinter sich. Nun ist der ehemalige Schalker zurück in der Bundesliga und blickt bei SPORT1 auf seine bisherige Karriere.
Max Meyer spricht über seinen Wechsel zurück in die Bundesliga und warum ihn der 1. FC Köln überzeugen konnte. Außerdem erklärt er, warum eine Schalke-Rückkehr nicht zu Stande kam.
Meyer erklärt: Darum gab es keine Schalke-Rückkehr
01:58
Reinhard Franke
von R. Franke
am 11. Feb

Max Meyer ist zurück in Deutschland. Nach zweieinhalb Jahren beim Premier-League-Klub Crystal Palace wechselte er kürzlich zum 1. FC Köln.

Blick zurück: 2018 entschied sich Meyer nach seinem Abschied bei Schalke 04 - er wollte damals seinen Vertrag bei den Königsblauen nicht verlängern - für eine neue Herausforderung in England. Doch das zurückliegende halbe Jahr spielte der Mittelfeldspieler bei den Londonern keine Rolle mehr. Der FC ist nun ein Neuanfang für den 25-Jährigen.

SPORT1 gibt er jetzt das erste Interview als Kölner.

SPORT1: Herr Meyer, man wäre nicht sofort darauf gekommen, dass der 1. FC Köln mal der Arbeitgeber von Ihnen wird. Wie kam es dazu?

Max Meyer: Seit unserer gemeinsamen Zeit bei Schalke 04 hatte ich immer einen guten Draht zu Horst Heldt (Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln, d. Red.). Er gab mir damals meinen ersten Profivertrag. Und der Kontakt ist nie abgerissen. So kam es dann, dass er sich bei mir meldete und ich in Köln gelandet bin. Ich bin froh darüber.

SPORT1: Hat Herr Heldt Ihnen in der Vergangenheit auch Mut gemacht in der schweren Zeit?

Meyer: Wir waren jetzt nicht ständig im Austausch, aber er war auch mal in London und hat sich Spiele angeschaut, da haben wir uns gesehen. Es war immer ein guter Kontakt. Und zuletzt hat er mich dann angerufen und mich gefragt, ob ich Lust hätte, für den FC zu spielen. Da musste ich nicht lange überlegen.

SPORT1: Wie war die Eingewöhnung in Köln?

Meyer: Es war alles ziemlich hektisch zu Beginn, so dass die Eingewöhnung noch gar nicht richtig stattfinden konnte. Ich bin in einer englischen Woche hier angekommen und musste dann natürlich erstmal rasch meine neuen Kollegen und alle Mitarbeiter im Klub kennenlernen. Ich habe in den ersten Tagen noch zu Hause in Oberhausen gewohnt, so dass ich jeden Tag hin und her gependelt bin. Inzwischen wohne ich unweit vom Trainingsgelände. Jetzt kann ich richtig ankommen.

Max Meyer: Harte Zeit bei Crystal Palace

SPORT1: Natürlich müssen wir auch über Ihre Zeit in London sprechen. Warum hat es im Endeffekt nicht geklappt für Sie?

Meyer: Das ist schwer zu beantworten. Es gab Höhen und Tiefen in London, klar, am Ende ging es mehr abwärts, auch mit meiner persönlichen Situation, weil ich gar nicht mehr gespielt habe. Die ersten anderthalb, zwei Jahre waren ja ordentlich, da habe ich regelmäßig meine Spiele gemacht. Man darf diese Aufgabe auch nicht unterschätzen, denn die Premier League ist eine Top Liga mit sehr starken Vereinen, vielen guten Spielern und teilweise speziellem Spielstil. Unterm Strich habe ich in der Zeit bei Crystal Palace unheimlich viel gelernt.

SPORT1: Wann gab es den Knacks, als Sie merkten, dass es nicht mehr weitergeht für Sie und Ihnen der Durchbruch nicht gelingt?

Meyer: Das war im Laufe der Hinrunde dieser Saison. Da war ich dann plötzlich gar nicht mehr im Kader. Das war schon hart und für mich und ein Zeichen, dass sich was ändern muss. Als Fußballer merkst du ja, wenn der Trainer nicht mehr mit dir plant. Für mich kam das ein wenig überraschend, weil ich vorher immer dabei war. Wenn ich nicht von Anfang an spielen durfte, dann saß ich zumindest auf der Bank und konnte von da aus Druck machen.

Max Meyer im Trikot von Crystal Palace
Max Meyer im Trikot von Crystal Palace

SPORT1: Was fiel Ihnen so schwer in dieser Phase?

Meyer: Es ist für jeden Fußballer schwer, völlig außen vor zu sein und nicht mehr spielen zu können. Natürlich konnte ich in der Woche mit den Jungs trainieren, aber das ist nicht das Gleiche wie ein Spiel am Wochenende. Das war dann total ungewohnt für mich. Nicht gebraucht zu werden, ist schwer zu akzeptieren. Es war keine leichte Zeit.

SPORT1: War die Zeit bei Crystal eine verlorene Zeit oder kam der Schritt Premier League zu früh?

Meyer: Nein. Ich bereue den Schritt auf gar keinen Fall. Die Liga ist sehr geil. Es war eine sehr lehrreiche Zeit und es hat auch größtenteils viel Spaß gemacht. Fast jedes Wochenende gab es ein absolutes Topspiel und du spielst zwölf Mal in der Saison gegen die Top 6 der Liga. Das
macht schon Laune. Auch unabhängig vom Fußball konnte ich viel lernen.

SPORT1: Nämlich?

Meyer: Ich kann jetzt besser Englisch sprechen. (lacht) Und ich konnte viele interessante Menschen kennenlernen, mit denen ich jetzt gut befreundet bin. Auch wenn das zurückliegende halbe Jahr nicht optimal verlief, kann ich mit Überzeugung sagen: Es war
keine verlorene Zeit in England.

Meyer: Hätte mich gerne richtig von den Schalke-Fans verabschiedet

SPORT1: Hegen Sie einen Groll gegen Ihren Berater, dass er Sie mit solchen Erwartungen überfrachtet hat? Stichwort Weltklassespieler und dass Sie definitiv zur WM nach Russland fahren.

Meyer: Nein, das tue ich nicht. Wer Roger kennt, weiß, dass er alles für seine Spieler tut. Diese Aussage damals galt, wie wir wissen, auch nicht der Öffentlichkeit und sie hat mich deshalb auch nicht mit Erwartungen überfrachtet.

SPORT1: Wenn Sie zurückblicken, welche Dinge bereuen Sie?

Meyer: Die Art und Weise meines Abschieds auf Schalke damals verlief sicherlich alles andere als ideal. Vor allem hätte ich mich nach neun Jahren bei diesem Verein gerne richtig von den Fans verabschiedet.

Max Meyer (Schalke 04) feiert mit den Fans
Max Meyer (Schalke 04) feiert mit den Fans

SPORT1: Bereuen Sie es, das sehr gute Angebot von Schalke damals nicht angenommen zu haben?

Meyer: Nein. Ich habe damals relativ frühzeitig gesagt, dass ich den Vertrag nicht verlängern werde. Das war schon zu Beginn der Saison. Da hat es keine hohen Wellen geschlagen, weil ich nicht gespielt habe. Das änderte sich im Laufe der Saison, ich wurde zu einem der
Leistungsträger und so kam das ganze Thema wieder ins Rollen und es hat sich eine Eigendynamik entwickelt.

SPORT1: War Schalke jetzt auch eine Option für eine Rückkehr?

Meyer: Die Frage hat sich gar nicht gestellt, weil es gar keine Anfrage gab. Es spielt auch keine Rolle mehr, was gewesen wäre, wenn eine Anfrage gekommen wäre. Ich spiele jetzt beim FC, da fühle ich mich wohl und hier will ich mich behaupten.

SPORT1: Sie haben einen Vertrag bis Sommer unterschrieben. Ist der FC also nur ein Sprungbrett für einen größeren Klub?

Meyer: Überhaupt nicht. Ich bin mit voller Überzeugung nach Köln gekommen, um zu helfen, dass wir die Klasse halten. Das ist das große Ziel von allen. Alles andere ist unwichtig. Über alles weitere wird man sich im Sommer unterhalten. Es gilt jetzt, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Der Trainer hat einen klaren Plan und ich will natürlich meinen Beitrag zur Rettung leisten. Wie es dann weitergeht? Alles ist möglich.

SPORT1: Was ist Ihre Lieblingsposition?

Meyer: Eigentlich überall im zentralen Mittelfeld, egal ob es die Sechs, Acht oder auf die Zehn ist. Das sind die Positionen, die ich am besten spielen kann und auf denen ich mich am wohlsten fühle.

Meyer: Ich gönne Leon Goretzka seinen Erfolg

SPORT1: Lassen Sie uns über einen ehemaligen Schalker Kollegen sprechen. Sie waren mit Leon Goretzka als Hoffnungsträger bei S04 auf einem Level. Haben Sie noch Kontakt und wie sehen Sie seine Entwicklung?

Meyer: Leon hat sich sehr gut entwickelt. Wenn du beim FC Bayern solche Erfolge hast und regelmäßig spielst, dann hast Du einiges richtig gemacht. Das hat Leon und ich gönne es ihm. Wir waren immer sehr gute Freunde, leider ist die Verbindung nicht mehr so eng wie damals auf Schalke, weil wir uns nicht mehr täglich sehen, aber wir haben schon noch guten Kontakt.

Leon Goretzka und Max Meyer im Training des FC Schalke 04
Leon Goretzka und Max Meyer im Training des FC Schalke 04

SPORT1: Finden Sie es schade, dass junge Spieler wie Sie gleich in eine Schublade "gescheitert" gelegt werden?

Meyer: Ich finde den Begriff unpassend, wenn man bedenkt, dass ich in meinem Alter bereits über 250 Pflichtspiele in Deutschland und England gemacht habe. Aber so ist das im Fußball. Wenn du gut spielst, wirst du schnell hoch gelobt, wenn Du schlecht spielst, wirst Du kritisiert. Damit muss ich leben. Es liegt letztlich an mir und meinen Leistungen.

SPORT1: Woran denken Sie gerne zurück an die Zeit in England?

Meyer: Es gab einige schöne Momente. Wir haben bei Manchester City gewonnen oder bei Arsenal. Diese Augenblicke werde ich nie vergessen.

SPORT1: Der FC hat die zurückliegenden beiden Partien gegen Arminia Bielefeld und das Rheinderby bei Borussia Mönchengladbach gewonnen. Wie sehen Sie die Chancen auf den Klassenerhalt?

Meyer: Die Qualität im Kader ist sehr gut. Es gibt eine tolle Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. Gerade auch in Gladbach haben wir sehr gut dagegen gehalten, defensiv gut gestanden und auch nach vorne Qualität gezeigt. Dennoch bleibt es weiter sehr eng und wir müssen noch wichtige Punkte holen, um sicher in der Liga zu bleiben. Aber der erste Eindruck ist absolut positiv.

Ein Video aus dem Bus des 1. FC Köln sorgt vor dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach für Wirbel. Ein Spieler bezeichnet die Fans als "Spacken".
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"Solche Spacken!" Köln-Profi beleidigt eigene Fans

SPORT1: Wie haben Sie das gesehen, als am vergangenen Wochenende Ihr Kollege Dominik Drexler eine die FC-Ultras nach einer Pyro-Aktion "Spacken" nannte?

Meyer: Erstmal war es eine tolle Geste von den Fans, die jeden von uns gepusht hat vor der Abfahrt nach Gladbach. Auch abends, als wir wieder am Geißbockheim ankamen, haben die Fans mit uns gefeiert, da sieht man, welche Wucht dieser Klub hat und wie sehr ihn die Fans lieben. Dominick ist ein guter Typ und es tat ihm wirklich leid. Der Junge hat sich entschuldigt und er denkt auch gar nicht so.

SPORT1: Was wünschen Sie sich?

Meyer: Ich habe jetzt nicht zwingend Wünsche. Vielmehr hohe Ansprüche an mich selbst und wenn ich weiter hart an mir arbeite und zielstrebig bleibe, kommt das Glück von ganz alleine.