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Kovac: Darum wollte ich Volland

Kovac: Darum wollte ich Volland

Niko Kovac spricht über das Topspiel zwischen Monaco und Paris. Der 49-Jährige schwärmt von Kevin Volland und beschreibt seinen Umgang mit Talenten und Weltstars.
Niko Kovac spricht im exklusiven SPORT1-Interview unter anderem über seinen gefährlichsten Torjäger und die Arbeit bei der AS Monaco.
Florian Plettenberg
Florian Plettenberg
Christopher Michel
Christopher Michel
von Florian Plettenberg, Christopher Michel

Jetzt spricht Niko Kovac!

Platz vier in der Tabelle, 2021 noch ungeschlagen: Mit der AS Monaco sorgt der 49-Jährige in der Ligue 1 (SERVICE: Tabelle der Ligue 1) für Furore. Am kommenden Sonntag steigt das Topspiel bei Paris Saint-Germain, dem Tabellenzweiten. (Ligue 1: Paris Saint-Germain - AS Monaco, Sonntag ab 21.00 Uhr im SPORT1-Liveticker)

In Teil 2 des exklusiven SPORT1-Interviews (Hier zu Teil 1) blickt Kovac, der seit Sommer in Monaco das Sagen hat, auf das französische Topspiel. Warum er wirklich nach Frankreich gewechselt ist, welche ambitionierten Ziele er bei und mit den Monegassen hat, warum Volland in die Nationalmannschaft zurückkehren muss und welche Unterschiede er im Umgang mit Talenten und Weltstars feststellt?

Kovac spricht Klartext.

SPORT1: Herr Kovac, ist Monaco mehr Bayern oder Frankfurt?

Niko Kovac: Von den Strukturen her geht es bei Monaco in Richtung Frankfurt. Wir haben mit Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew einen Besitzer, der mit Paul Mitchell und Oleg Petrov zwei verantwortliche Leute installiert hat, die Monaco wieder dorthin bringen sollen, wo der Klub einmal war und wo er hingehört. Als dritter im Bunde bin ich dabei. Drei Leute sind hier verantwortlich für den sportlichen Bereich. Mitchell kümmert sich um die Strukturen und Petrov ist die rechte Hand des Besitzers. Die Entscheidungswege sind sehr kurz. Das macht die Sache sehr viel leichter. 

SPORT1: Warum der Job in Frankreich? Sie hatten Anfragen aus der Bundesliga.

Kovac: Nach meiner Zeit beim FC Bayern habe ich daran gedacht, dass es Zeit für einen Wechsel ins Ausland ist. Ich habe als Profi nur in Deutschland und Österreich gespielt. Der Gedanke, Lebenserfahrung in einem anderen Land zu sammeln, mit einer anderen Sprache und Kultur, war immer sehr reizvoll. Natürlich hätte es ein Job in der Bundesliga sein können, ich wollte aber etwas anderes machen. In die Bundesliga werde ich immer zurückkehren können.

Kovac: "In näherer Zukunft keine Bundesliga-Ambitionen"

SPORT1: Haben Sie einen Bundesliga-Rückkehr-Plan?

Kovac: Ich fühle mich in Monaco wohl und habe einen Dreijahresvertrag mit Option unterschrieben. Daher habe ich in der näheren Zukunft keine Ambition, wieder in der Bundesliga aufzuschlagen. Die Bundesliga hat genug gute Trainer.

SPORT1: Warum Monaco?

Kovac: Eigentlich wollte ich in den Sommerurlaub fahren, dann kam das Angebot von Monaco wie aus dem Nichts. Nach einer Woche war alles klar. Ich finde das Projekt spannend, zumal Monaco ein sehr namhafter Klub ist, der in Frankreich zu den Top 4 gehört. Die jüngere Vergangenheit des Vereins war zwar nicht so erfolgreich, aber ich will hier etwas aufbauen. Das ist mir auch in Frankfurt gelungen. Deswegen habe ich hier unterschrieben. Bislang war es die richtige Entscheidung.

Volland mit Vorbildfunktion

SPORT1: Monaco ist das Urlaubsdomizil der Schönen und Reichen. Als Trainer stehen Sie hingegen für harte Arbeit und Disziplin. Passt das zusammen?

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Kovac: Ich bin nicht hier, um Urlaub zu machen. Das kann ich in Kroatien machen. Wir haben hier in Südfrankreich  ein schönes Fleckchen Erde erwischt, im Winter ist es auch nicht so kalt wie in Deutschland oder Österreich. Monaco ist ein schöner Ort, um entspannt zu leben, aber wir wollen nicht, dass Spieler nach Monaco wechseln, um das schöne Wetter zu genießen. Wir wollten hier von Anfang an die Mentalität verändern. Deshalb ist Kevin Volland für uns ein Sechser im Lotto. Er ist das Vorbild, das wir gebraucht haben. Zusammen wollen wir hier erfolgreich sein und den Verein wieder dahinführen, wo er einmal war. Wir sind auf einem guten Weg.

SPORT1: Die Quote von Volland ist ausgezeichnet: 23 Pflichtspiele, zwölf Tore, acht Assists.

Kovac: Kevin hat bei Leverkusen und Hoffenheim immer performt. Bei ihm weiß man, was man bekommt: Qualität. Er steht in jedem Jahr für mehr als 15 Tore und viele Assists. Das ist genau das, was wir in Monaco gebraucht haben. Kevin ist mit seiner Art und Weise sehr wichtig, weil er nicht nur Tore schießt, sondern im Training und bei Spielen arbeitet und vorangeht. Ich habe ihn  immer geschätzt, er ist ein toller Mensch und Spieler. 

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SPORT1: Weshalb Sie ihn seinerzeit zum FC Bayern holen wollten? Warum hat es damals nicht mit einem Wechsel geklappt?

Kovac: Vorschläge unterbreite ich als Trainer immer wieder, sie müssen aber angenommen und besprochen werden. Zudem stellt sich immer die Frage: Passt das  Gehalt und der Preis? In der Zeit, wo ich in München war, war die Ablösesumme für Kevin viel höher als im vergangenen Sommer, weil er noch länger Vertrag hatte. Wir hätten ihn damals nicht zu dem Preis bekommen, für den wir ihn nach Monaco geholt haben. Für ihn in diesem Alter ein Backup zu sein, wäre auch nicht einfach gewesen. Robert Lewandowski ist ein Ausnahmekönner, der alle Spiele bestreitet. Deswegen war es beim FC Bayern dann kein Thema mehr.

Kovac vergleicht Volland mit Klose

SPORT1: Muss Volland zurück in die Nationalmannschaft? 

Kovac: Ich stehe dazu: Für mich ist er mit der Art und Weise, wie er Fußball spielt, ein Spieler für die Nationalmannschaft. Kevin ist der einzige deutsche typische Mittelstürmer. Wie es Miroslav Klose war. Er ist ein Stoßstürmer, der seinen Körper einbringen und viele Tore erzielen und vorbereiten kann. Er ist auch nicht zu alt, im Gegenteil. Er befindet sich mit 28 Jahren im  besten Alter, um in diesem Jahr die Europameisterschaft für Deutschland spielen zu können.

Kevin Volland absolvierte bisher zehn Einsätz im DFB-Trikot und erzielte dabei ein Tor
Kevin Volland absolvierte bisher zehn Einsätz im DFB-Trikot und erzielte dabei ein Tor

SPORT1: In Monaco arbeiten Sie überwiegend mit Nobodys und hochtalentierten Spielern zusammen.

Kovac: Monaco ist bekannt dafür, dass große Spieler hier ihre ersten Schritte gegangen sind: Zuletzt Kylian Mbappé, früher  Thierry Henry oder David Trezeguet, Weltmeister, Europameister. In Frankreich gibt es viele Talente und Monaco ist für sie eine tolle Adresse. Viele wollen zu uns. Wir haben mehrere 18- und 19-jährige Spieler, die ein sehr hohes Potenzial haben. Mir gefällt es, wenn man Teil der Entwicklung eines Spielers ist. Es gibt bei uns einige Spieler, die in Zukunft A-Nationalspieler Frankreichs werden können.

Erfahrene Spieler nicht immer einfach

SPORT1: Was fällt Ihnen leichter: Der Umgang mit Talenten oder routinierten Stars, die fast alles gewonnen haben?

Kovac: Ich kann beides und habe nicht nur beim FC Bayern, sondern auch in der kroatischen Nationalmannschaft, Weltstars trainiert. Aber: Junge Spieler, die auf dem Weg nach oben sind, hören zu und setzen alles so um, wie man es als Trainer vorgibt. Bei erfahrenen Spielern, die viel erlebt, gehört und gesehen haben, ist es nicht immer so einfach, gewisse Sachen zu verändern.

Die AS Monaco um Coach Niko Kovac marschiert weiter in Richtung Tabellenspitze. Beim 4:3-Spektakel gegen Nimes ist Kevin Volland mit einem gefühlvollen Heber der Matchwinner.
07:38
Kovac darf jubeln: Volland krönt Sieben-Tore-Spektakel

SPORT1: Sonntag steht für Sie das Spitzenspiel bei Paris an. Das Hinspiel gewann Monaco nach 0:2-Rückstand noch mit 3:2.

Saisonziel: "Wollen international dabei sein"

Kovac: Die Spieler wissen um die Bedeutung des Spiels: Paris ist wie der FC Bayern, sie sind das Nonplusultra in Frankreich. PSG hat die besten Spieler der Liga, teilweise weltweit. Im Hinspiel haben wir das Match gedreht, das gelingt nicht jeder Mannschaft. Die Jungs haben gesehen, dass man immer eine Chance hat, wenn man daran glaubt und zusammenarbeitet. Wir hoffen, dass wir wieder so performen können. 

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SPORT1: Platz vier und 2021 noch ungeschlagen, was ist in dieser Saison alles möglich?

Kovac: In den vergangenen beiden Jahren hat Monaco die Plätze 17 und 9 belegt. Wir können jetzt nicht sagen, dass wir ganz oben angreifen können. Unser Ziel ist es, den Klub zu konsolidieren und wenn möglich, wollen wir nächstes Jahr bereits international dabei sein. Wir sind auf einem guten Weg, aber wir spielen im Moment über unseren Verhältnissen. Monaco ist jedenfalls nicht mit den drei Klubs ganz oben in der Tabelle gleichzusetzen. Dort ist die Erfahrung größer und die Mannschaften sind über Jahre zusammengestellt worden. Alleine die Anzahl unserer Gegentreffer im Vergleich zu den Top 3 zeigt, dass wir noch nicht auf dem Niveau mithalten können. Wir werden sehen, ob wir Platz vier oder fünf halten und in die Europa League einziehen können.