Als ein Spieler den Playboy aufkaufte

Als ein Spieler den Playboy aufkaufte

SPORT1-Kolumnist Ben Redelings blickt wöchentlich auf die kuriosesten, lustigsten und unterhaltsamsten Highlights der Ligageschichte zurück.
Friedel Rausch als Trainer bei Schalke 04
Friedel Rausch als Trainer bei Schalke 04
© Imago
Ben Redelings
von B. Redelings
am 18. März

Atze Schröder liebt die Geschichte!

"Die ist einfach sensationell", meinte er kürzlich in seinem Podcast "Zärtliche Cousinen", als er lachend die wunderbare Story eines früheren Bundesligastars aus dem Buch "Dem Fußball sein Zuhause" wiedergab. Und tatsächlich: Die Geschichte stammt aus einer herrlich anderen Zeit, als nicht nur im Ruhrgebiet die echten Typen den Fußball noch so kolossal unterhaltsam machten.

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Rückblende. Anfang der siebziger Jahre. Der "schöne Friedel" Rausch hat einen Schlag bei den Frauen. Auf Partys soll man den Schalker damals gerne in weiblicher Begleitung als Letzten am Tresen stehen gesehen haben - und auch die früheren Mitspieler verdrehen noch immer die Augen, wenn sie hinter vorgehaltener Hand frivole Storys aus dem berühmten Nähkästchen preisgeben.

Geschichte über Rausch im "Playboy"

Eines wird dabei immer schnell klar: Friedel Rausch galt damals nicht gerade als Kostverächter. Eines Tages dachte sich genau dies wohl auch das reich bebilderte Erotikmagazin, das Männer ja bekanntlich einzig und allein wegen der lesenswerten Interviews kaufen, und schrieb eine heiße Geschichte über den Casanova aus dem Revier. Natürlich hatte Rausch schnell Wind von der Sache bekommen.

Und so stürmte er am Veröffentlichungstag schon früh am Morgen aus dem warmen Ehebett hinaus in die kalte Herbstnacht - mit einer festen Mission. Womit er allerdings nicht gerechnet hatte: Im morgendlichen Nebel entdeckte den attraktiven Schalker ein Mannschaftskollege an einem Kiosk in Duisburg, als Rausch gerade mit vollen Händen einen großen Packen "Playboy"-Ausgaben in seinen Kofferraum wuchtete.

Doch Rausch ließ sich nicht irritieren. Nervös schaute sich der Casanova immer wieder in alle Richtungen um. Und erst als er die Klappe des Kofferraums geschlossen hatte, setzte er sich lässig hinter das Lenkrad seines schnittigen Sportwagens und sagte mit einem kessen Augenaufschlag zu seinem Mannschaftskameraden: "Hömma, is klar. Zu keinem ein Wort, ne!? Ich muss weiter. Alle Ausgaben aufkaufen, bevor meine Schwiegereltern eine entdecken."

Als Rausch mit quietschenden Reifen schließlich davonbrauste, schaute ihm sein Teamkollege verdattert hinterher. Mit skeptischem Blick musterte er die Rückfront des Autos. Und dann lächelte er: Die Karre lag durch das Gewicht der vielen hundert Hefte mit dem Arsch fast schon auf dem Boden.

Biss in den Allerwertesten

Wer jetzt denkt - Friedel Rausch, den kenne ich doch noch von einer anderen wahnsinnigen Bundesligageschichte, oder? -, der liegt völlig richtig. Es ist genau der Schalker, der am 6. September 1969 im Stadion Rote Erde beim Revierderby Borussia Dortmund gegen den FC Schalke 04 die Hauptfigur bei einer der unvergesslichsten Storys der Ligahistorie spielte.

Eigentlich braucht man über den zweifachen Biss des braven Schäferhundes Rex in den Allerwertesten von Friedel Rausch an diesem legendären Tag nicht mehr viele Worte verlieren. Die qualvollen Minuten dieses Tages, als Hunderte von Zuschauern den Platz stürmten und von maulkorbbefreiten Hunden zurückgedrängt werden sollten, sind in das kollektive Gedächtnis der Bundesliga eingegangen.

Ausschreitungen im Dortmunder Stadion Rote Erde in deren Verlauf der Schalker Friedel Rausch vom Hund eines Ordners gebissen wurde
Ausschreitungen im Dortmunder Stadion Rote Erde in deren Verlauf der Schalker Friedel Rausch vom Hund eines Ordners gebissen wurde

Auch die herrlich-spektakuläre Idee des Schalker Präsidenten Oskar Siebert, beim Rückspiel vier echte Raubkatzen aus dem Löwenpark Westerholt zu holen und diese auf Höhe der Mittellinie an der Leine von vier Ordnern patrouillieren zu lassen, ist legendär und weithin bekannt.

Doch dass Friedel Rausch noch Wochen nach dem Abklingen der Wundschmerzen weitaus größere Probleme mit sich herumtrug, behielt er lange Zeit lieber für sich. Denn die Neckereien der Gegenspieler nervten ihn in den folgenden Monaten nicht nur, nein, sie waren dem eitlen Sonnyboy auch ein wenig peinlich.

Rausch wurde zur "Lachnummer der Liga"

Der smarte Friedel Rausch war auf dem Fußballplatz urplötzlich zum Gespött der Leute geworden: "Es war die Hölle. Fast in jedem Spiel kam mein Gegenspieler an und machte 'wuff-wuff'. Ich war fortan die Lachnummer der Liga."

Und auch seine Schalker Mannschaftskollegen trieben damals mit Rausch ihren Schabernack. So fragten sie in den Tagen nach dem Vorfall den armen Kumpel gerne scheinheilig: "Friedel, überleg doch mal, der Hund hätte dich vorne rum gebissen ...?" Doch ganz der alte Macho aus dem Ruhrgebiet antwortete Rausch damals cool und gelassen: "Dann hätte der Köter seine Zähne verloren ..."

Übrigens: Viele Jahre später hat sein BVB-Gegenspieler Siggi Held auf einen lange Zeit eher vernachlässigten Aspekt dieses denkwürdigen Tages hingewiesen: "Es kommt in der Geschichte ja immer viel zu kurz, was für kluge Hunde es damals in Dortmund gab."

Wie wahr. Denn obwohl der Platz voller Spieler und Zuschauer war, suchte sich der Hund damals ausgerechnet den Schalker Friedel Rausch aus. Auch das wird dem BVB-Fan Atze Schröder sicherlich gut gefallen haben!

Ben Redelings wurde 1975 im Flutlichtschatten des Bochumer Ruhrstadions geboren und ist Experte für die unterhaltsamen Momente des Fußballs. Das Buch zur SPORT1-Serie ist ein gern gelesener Bestseller: "Best of Bundesliga: Die lustigsten Legenden des deutschen Fußballs". Als SPORT1-Kolumnist schreibt Ben regelmäßig über die "Legenden des Fußballs" und "Best of Bundesliga".