Sow: "Keiner größer als der Klub"

Sow: "Keiner größer als der Klub"

Adi Hütter verlässt die Eintracht zum Saisonende. Hat der Wechsel Auswirkungen auf die Spieler? Djibril Sow verrät, wie es in ihren Köpfen aussieht.
Trainer und Sportvorstand verlassen im Sommer die Eintracht. SGE-Profi Djibril Sow macht sich aber keine Sorgen, dass sich das Personalbeben auf die Leistungen auf dem Platz auswirkt.
Hütter-Weggang? "Keiner ist größer als Frankfurt!"
02:59
von Martin Quast
am 16. Apr

Seit Dienstag steht es fest: Trainer Adi Hütter verlässt Eintracht Frankfurt und wechselt zur kommenden Saison zu Borussia Mönchengladbach, wo er den zum BVB abwandernden Marco Rose ersetzt.

Damit verzichtet Hütter auf eine mögliche Champions-League-Teilnahme, auf die die Eintracht im Bundesliga-Endspurt zusteuert.

Hat Hütters Wechsel Auswirkungen auf den Kampf um Europa, in dem das erste Frankfurter Spiel nach der Verkündung ausgerechnet in Gladbach steigt (Bundesliga: Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt, Sa. ab 15.30 Uhr im LIVETICKER)?

Im Interview mit SPORT1 erklärt Adler Djibril Sow, der Hütter bereits aus der gemeinsamen Zeit 2017 bis 2018 bei den Young Boys Bern kennt, wie es in den Köpfen der Spieler aussieht.

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Hütter geht - Sow: "Spezielle Situation"

SPORT1: Herr Sow, Adi Hütter hat die Mannschaft über seinen Abschied zum Saisonende unterrichtet. Was löst so etwas aus? Will man dem Trainer ein Abschiedsgeschenk machen oder gerät man nun in ungewisses Fahrwasser, da Trainer, Sportdirektor und Sportvorstand gehen?

Djibril Sow: Es ist natürlich eine spezielle Situation, aber es geht um Eintracht Frankfurt. Und kein Mensch, kein Manager und kein Trainer ist größer als dieser Klub. Wir als Mannschaft wollen uns, den Fans und der Stadt das Geschenk machen und das steht über allem. Das ist auch keine Floskel. Nachdem der Trainer uns das gesagt hat, haben wir uns selbst gesagt, wir ziehen das durch, egal was noch kommt. Das hat man auch direkt im Training gemerkt.

SPORT1: Wie war es für Sie als Spieler, als er die Nachricht mitgeteilt hat?

Sow: Wenn man die Medien verfolgt hat, ist es nicht so plötzlich gekommen. Es ist interessant: Es wird so viel geschrieben, aber intern ist es so ruhig und alle sind fokussiert.

SPORT1: Lässt man den Gedanken 'jetzt bricht alles auseinander' an sich ran?

Sow: Ich persönlich überhaupt nicht, und auch bei den anderen Spieler habe ich überhaupt nicht das Gefühl, dass sie über so etwas nachdenken. Wenn das eine normale Saison gewesen wäre und dann zwei, drei wichtige Leute gehen, vielleicht macht man sich dann Gedanken. Aber nicht jetzt, wo man vor einem so historischen Ziel ist. Da gibt es gar keinen Platz für andere Dinge. Die Stimmung ist genau die gleiche wie vor zwei Monaten, wenn nicht sogar noch mehr Motivation da ist. Ich mache mir gar keine Sorgen, dass irgendetwas schieflaufen kann.

Hütter und Sow: Gleiche Situation bei YB

SPORT1: Sie haben das gleiche schon einmal erlebt. Sie und Hütter sind Schweizer Meister mit den Young Boys Bern geworden - und dieser ging damals zur Eintracht und entschied sich gegen die die Champions League ...

Sow: Damals ging auch durch die Medien, dass die Mannschaft jetzt zusammenbricht und der FC Basel wieder die Nummer eins im Land wird. Aber wie man sieht, sind die Young Boys auch nach vier Jahren immer noch die Nummer eins und werden zum vierten Mal Meister. Da hab ich es auch erlebt, dass der Trainerwechsel beinahe etwas Positives hatte, weil die Spieler mit dem neuen Trainer etwas erreichen wollten.

SPORT1: Können Sie seine Entscheidung nachvollziehen, vor allem auch, weil Sie es bereits zum zweiten Mal miterleben?

Sow: Ich persönlich würde eher bei der Eintracht bleiben und Champions League spielen. Aber ich bin auch kein Trainer und in einer ganz anderen Situation. Dass er eine neue Herausforderung sucht, ist völlig legitim und da ist auch der Zeitpunkt egal. Wenn du bei einem Verein bist, brauchst du 100 Prozent Commitment und musst alles dafür geben, damit er erfolgreich ist - und das war bei ihm der Fall. Nach all dem, was er für den Verein gegeben hat, muss man das auch akzeptieren.

Erst "Ich bleibe", jetzt doch der Wechsel: Adi Hütter geht zur neuen Saison von Frankfurt nach Gladbach. Bei der Eintracht steht ein Umbruch an.
01:51
Hütter zu Gladbach - jetzt also doch!

Eintracht spielt auf: Champions League zum Greifen nah

SPORT1: Wie sehr ist sich die Mannschaft gewiss, dass sie das Ziel Champions League schafft?

Sow: Wir sind sehr fokussiert und entschlossen, das nächste Spiel ist immer das Wichtigste. Wenn wir so weitermachen, können wir uns nur selbst stoppen. Aber da mache ich mir gar keine Gedanken, alle sind immer so heiß auf das nächste Spiel. Es macht enorm Spaß.

SPORT1: In der Hinrunde hat die Eintracht gegen die unmittelbaren Konkurrenten Bayern, Leipzig, Dortmund und Wolfsburg kein einziges Spiel gewonnen. In der Rückrunde hat sie drei gewonnen und eines unentschieden gespielt – was ist in der Mannschaft passiert?

Sow: Wir haben uns gefunden, als Mannschaft und auch in Bezug auf das Spielsystem. Und es sind ein, zwei Spieler dazugekommen, die unserem Spiel sehr gut tun. Wir wussten, dass wir oben mitspielen können, haben es aber nie konstant zeigen können. Aber jetzt wo wir es über einen längeren Zeitraum zeigen konnten, hat uns das enorm viel Selbstvertrauen gegeben und Sicherheit in unser Spiel gebracht.

Woche der Wahrheit für die Eintracht

SPORT1: Sie haben eine Englische Woche vor sich, es geht mit schnellen Schritten dem Saisonfinale entgegen. Darf man sich noch Fehler erlauben?

Sow: Wir alle wissen, dass wir die Entscheidung vielleicht schon in dieser Woche klarmachen können und es eine sehr, sehr wichtige Woche ist. Mit Gladbach, Augsburg und einem kleinen Finale gegen Leverkusen wird es eine geile Woche, auf die jeder Bock hat. Auch die Spieler in der zweiten Reihe werden Einsatzzeiten bekommen und sind ein Stück motivierter.

SPORT1: Worauf kommt es gegen Gladbach an, das es ja zumindest noch in die Europa League schaffen kann?

Sow: Sie haben ihre Qualität in der Champions League oft bewiesen. Wenn wir hinfahren und denken 'Wir sind Vierter und sie haben eine schlechte Phase, das wird schon', dann werden wir hundertprozentig verlieren. Ich persönlich habe in meiner Zeit in Frankfurt noch nie gegen Gladbach gewonnen und bin extra motiviert.

SPORT1: Marco Rose geht zum BVB, Adi Hütter geht zu Gladbach – bringt das Ruhe oder Unruhe vor dem direktem Duell rein?
Sow: Es ist eher eine Gewissheit. Ich denke, dass kein Spieler davon beeinflusst sein wird. Wir sind alle Profis, Trainer kommen und gehen wie Spieler. Das darf keine Ausrede sein. Jeder muss das große Ziel vor Augen haben, und das ist Motivation genug.