Das schätzt Fürths Held an Favre

Das schätzt Fürths Held an Favre

Kapitän Branimir Hrgota blickt im SPORT1-Interview auf Greuther Fürths Aufstiegssaison zurück, spricht über Erfolgstrainer Stefan Leitl, seine Zukunft - und Lucien Favre.
Branimir Hrgotas Zukunft ist noch offen
Branimir Hrgotas Zukunft ist noch offen
© Imago
Christopher Michel
von C. Michel
am 1. Juni

16 Tore, 9 Vorlagen, Tabellenplatz zwei. Branimir Hrgota erlebte bei Greuther Fürth ein starkes Jahr, die Franken werden zum zweiten Mal nach der Saison 2012/13 wieder in der 1. Bundesliga dabei sein.  

Ob der 28-Jährige dann im Trikot mit dem Kleeblatt auf der Brust mitwirken wird, ist noch offen. Seine sehr gute Performance hat Begehrlichkeiten geweckt. Hrgota, der zunächst in seiner Heimat Urlaub macht und abschaltet, will sich die nötige Zeit für die richtige Entscheidung nehmen.

Im SPORT1-Interview spricht Hrgota über Fürths-Aufstiegssaison, Erfolgstrainer Stefan Leitl und seine Zukunft.

SPORT1: Die Saison ging eigentlich denkbar schlecht los mit nur drei Punkten aus vier Spielen. Was war der Grund dafür, dass sich Greuther Fürth schüttelte und am Ende direkt aufsteigen konnte?  

Branimir Hrgota: Wir haben auch schon in den ersten Partien sehr gut gespielt, aber nicht gepunktet. Gerade die Niederlage gegen den Hamburger SV (0:1, Anm. d. Red.) hat uns sehr wehgetan. Danach haben wir lange mit Trainer Stefan Leitl gesprochen und an unserem Weg festgehalten. In Kiel, die gleich ganz oben dabei waren, haben wir verdient gewonnen und eines unserer besten Saisonspiele gezeigt. Das hat uns gezeigt, dass wir ein sehr großes Potenzial in der Mannschaft haben.   

SPORT1: War das ein Schlüsselmoment für die gesamte Mannschaft?  

Hrgota: Ja, der Sieg in Kiel hat uns sehr geholfen. Wir haben gesehen, dass wir uns selber belohnen können. Dieser Erfolg war ein Drehmoment in der Saison. Danach haben wir noch sechs Siege in Serie eingefahren.  

Kapitänsbinde war ausschlaggebend 

SPORT1: Sie haben dabei als Kapitän eine tragende Rolle übernommen. Auf dem Platz steuerten Sie 16 Tore und neun Vorlagen bei. War das die stärkste Saison Ihrer Karriere?  

Hrgota: Das würde ich tatsächlich so sagen. Es war wichtig für mich, dass der Trainer mir die Kapitänsbinde gegeben hat. Das hat mir geholfen und mir gezeigt, dass ich ein Leader sein kann. Ich war motiviert und wollte besser werden. Am Ende konnte ich meine Qualitäten mit Toren und Vorlagen nachweisen.  

SPORT1: Doch auch neben dem Platz gingen Sie voran. In der Halbzeitpause am letzten Spieltag haben Sie das Team gegen Düsseldorf noch einmal kräftig aufgerüttelt. Können Sie einen Einblick geben?  

Hrgota: Wir waren alle nicht so glücklich in diesem Moment. Anton Stach war nach seinem Platzverweis in der Kabine am Weinen und ich habe ihn getröstet. Der Trainer hat dann seine Ansprache gehalten und uns auf die zweite Halbzeit eingeschworen. Nachdem Leitl die Kabine verlassen hat, habe ich das Wort ergriffen. Ich habe gesagt, dass wir Düsseldorf noch schlagen werden, weil wir viel besser sind. Ich habe bewusst eine härtere Wortwahl gewählt, weil ich sauer war. Wir waren besser und mussten uns belohnen. Ich habe in diesem Moment gespürt, dass die Mannschaft so denkt wie ich.  

SPORT1: Haben Sie spätestens in diesem Moment gemerkt, dass Sie in die Kapitänsrolle hineingewachsen sind?  

Hrgota: Ja, das habe ich dann endgültig gespürt. Es gab zwar noch andere Momente, in denen ich eine Führungsrolle übernommen habe. Wenn ich zurückblicke, dann war das für mich ein sehr wichtiger Augenblick als Kapitän.  

"Leitl ist taktisch sehr stark"

SPORT1: Hat Ihnen ihr Trainer Stefan Leitl so viel Vertrauen geschenkt wie noch kein anderer Trainer zuvor?  

Hrgota: Gut beobachtet. Dieses Vertrauensverhältnis zu Stefan Leitl war etwas Besonderes. Ich habe das Team als Kapitän geführt und habe von ihm ein einzigartiges Vertrauen erhalten.  

SPORT1: Was zeichnet Stefan Leitl aus?  

Hrgota: Stefan Leitl ist taktisch sehr stark. Wir hatten auch in verschiedenen Formationen immer Lösungen parat. Er hat uns gezeigt, was wir machen müssen. Für mich persönlich ist er ein Top-Mensch. Wir haben nicht nur über Fußball geredet und haben uns dabei sehr gut verstanden. Meine Mitspieler haben auch gute Gefühle in Gesprächen mit ihm gehabt. Es hat uns geholfen, dass er so nah an uns dran war.  

SPORT1: Kann er auch die 1. Bundesliga bewältigen?  

Hrgota: Ja, das auf jeden Fall. Leitl hat die Möglichkeit dazu.  

"Das ist ein Moment, den ich in meinem Leben nicht mehr vergessen werde"

SPORT1: Zusammen mit Branimir Hrgota? Sie sind in Fürth zu einem der Topspieler der 2. Liga gereift und waren Kapitän. Der Vertrag läuft am 30. Juni aus...  

Hrgota: Meine Zukunft ist komplett offen. Es ist schwierig, etwas zu meiner Vertragssituation zu sagen. Die Saison ist erst wenige Tage vorbei und ich weiß, dass mein Berater im Hintergrund arbeitet. Es kann sein, dass ich in Fürth bleibe, aber es kann auch sein, dass ich woanders spiele. Mein Berater hört sich die Angebote an, es bleibt spannend.  

SPORT1: Was würde denn für Fürth sprechen?  

Hrgota: Mir gefällt es, dass ich Kapitän bin. Die Mannschaft ist top und die Spieler sind mir ans Herz gewachsen. Rachid Azzouzi (Manager Greuther Fürth, Anm. d. Red.) leistet sehr gute Arbeit mit seinen vielen Mitarbeitern. Der Zusammenhalt in der Fürth-Familie war groß und so haben wir den Aufstieg geschafft. Die ganze Stadt hat mitgefiebert. Das ist ein Moment, den ich in meinem Leben nicht mehr vergessen werde.  

SPORT1: Doch ist es nicht schade, dass mit David Raum (TSG Hoffenheim) und Paul Jaeckel (Union Berlin) bereits zwei Leistungsträger den Klub ablösefrei verlassen?  

Hrgota: Was heißt schade? So ist das Fußballgeschäft. Sie haben sich früh für einen Abgang entschieden. Die Gründe dafür? Die kenne ich nicht. Natürlich ist es schade, dass wir solche Spieler verlieren. Aber Spieler kommen und gehen. Wir müssen trotzdem den richtigen Weg gehen. David Raum und Paul Jaeckel haben bis zum Schluss Gas gegeben und das haben wir alle gesehen.  

"Das war eine sehr gute Entscheidung"

SPORT1: Sollten Sie in Fürth bleiben oder in die Bundesliga wechseln, dann werden Sie auch auf Ihre Ex-Klubs treffen. Vor allem die Zeit bei Eintracht Frankfurt endete enttäuschend mit nur vier Einsatzminuten 2018/19. Bereuen Sie, dass Sie im dritten Jahr unter Adi Hütter noch dortgeblieben sind?  

Hrgota: Das ist schwer zu sagen. Ich habe überlegt und mich dazu entschieden, dass ich noch ein Jahr bleibe. Leider habe ich dann nur so wenig Spielzeit bekommen. Trainer Adi Hütter wollte das so und das musste ich akzeptieren. Natürlich war es schade, dass ich das Jahr verloren habe. Ich bin dann einen Schritt zurück in die 2. Liga gegangen. Am Ende war das eine sehr gute Entscheidung von mir und meinem Berater.  

SPORT1: Aber Sie waren zu Adi Hütters Beginn in Frankfurt auch in der "Trainingsgruppe 2" und die Rückennummer wurde nach dem Transfer von Kevin Trapp ohne Absprache neu vergeben. War das nicht eine heftige Enttäuschung?  

Hrgota: Natürlich war diese "Trainingsgruppe 2" ein heftiger Move der Eintracht. Ich glaube, dass so etwas keinem Spieler guttut. Vereine sollten so ein Konstrukt unbedingt vermeiden. Da ist es auch egal, ob Spieler gehen wollen oder nicht. Eine solche Entscheidung hat nichts mit Fußball zu tun. In einer Saison können sich die Dinge schnell ändern. Das war keine faire Entscheidung der Eintracht.  

SPORT1: Dabei hatten Sie unter Hütter-Vorgänger Niko Kovac einen guten Start. Wo würden Sie mit dem Abstand von zwei Jahren den Knackpunkt verorten?  

Hrgota: Ich würde sagen, dass ich im zweiten Jahr den Anschluss verloren habe. In der ersten DFB-Pokal-Runde habe ich eigentlich gut gespielt. Nach dem Platzverweis gegen unsere Mannschaft hat mich Niko Kovac aber vom Feld genommen. Danach hat es angefangen, dass ich auf der Bank saß und nicht mehr so viel gespielt habe. Als ich dann nicht mehr im Kader stand, habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr gefragt bin. Warum? Das ist schwer zu sagen. Ich habe kaum gespielt und dennoch wurde entschieden, dass ich auf die Tribüne gehe. Ich musste die Entscheidung des Trainers akzeptieren.  

Über Favre: "Durch ihn bin ich der Spieler geworden, der ich heute bin"

SPORT1: Bei Ihrem zweiten Ex-Klub Borussia Mönchengladbach wurden Sie von Lucien Favre trainiert. Welche Bedeutung hatte er für Ihre Karriere?  

Hrgota: Lucien Favre ist ein Top-Trainer. Es ist kein Wunder, dass er in Gladbach, Frankreich und Dortmund so erfolgreich gearbeitet hat. Für mich war er ein besonderer Trainer, weil ich als junger Spieler von einer Zweitligamannschaft aus Schweden kam. Plötzlich durfte ich in so einem großen Stadion vor 54.000 Zuschauern spielen. Favre hat oft mit mir gesprochen und mir sehr geholfen. Nach dem Training haben wir noch Extraeinheiten geschoben. Er hat mit mir Tipps beim Passspiel gegeben und mir erklärt, wie ich bei der Ballannahme richtig stehen muss. Durch ihn bin ich der Spieler geworden, der ich heute bin. Ich bin ihm dafür sehr dankbar.  

SPORT1: Ein Vergleich ist immer schwierig, dennoch versuchen wir es einmal. Gibt es Gemeinsamkeiten bei Favre und Leitl?  

Hrgota: Das stimmt, so ein Vergleich ist schwierig. Aber in ein paar Dingen sind sie sich sehr ähnlich. In taktischer Hinsicht kann man aber sagen, dass Favre und Leitl eine Lösung für jeden Gegner haben und ihre Spielidee auch glaubhaft aufzeigen. Das haben wir damals in Gladbach und jetzt in Fürth gezeigt.   

SPORT1: Zlatan Ibrahimovic wollte mit 39 Jahren noch an der EM teilnehmen, aufgrund der Knieverletzung klappt es wohl nicht. Einmal standen Sie sogar mit ihm bei der Nationalmannschaft auf dem Spielfeld. Was zeichnet diese lebende Fußball-Legende denn aus?  

Hrgota: Es ist kein Wunder, dass Ibrahimovic bei solchen Top-Vereinen gespielt hat. In der Nationalmannschaft hat man gesehen, dass er ein Weltfußballer ist. Das hat er auch gezeigt – nicht nur in den Spielen, sondern auch in den Trainingseinheiten. Natürlich ist es etwas Besonderes, so einen Weltklassespieler aus nächster Nähe zu sehen. Ich war noch sehr jung, als ich mit der Nationalmannschaft unterwegs war. Das war schon etwas ganz Spezielles, dass ich mit ihm spielen durfte. Ibrahimovic war immer einen Schritt vor dem Spieler und wusste sofort, was er mit dem Ball machen musste.