Rummenigge-Aus: Effenberg warnt

Rummenigge-Aus: Effenberg warnt

Stefan Effenberg kann den vorzeitigen Abschied von Karl-Heinz Rummenigge nachvollziehen - sieht aber auch Risiko bei der Entscheidung an der Spitze des FC Bayern.
Karl-Heinz Rummenigge verlässt den FC Bayern ein bisschen früher als gedacht. Zum 1. Juli übernimmt Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzender - und tritt dabei in riesige Fußstapfen.
Rummenigges Ära endet vorzeitig: "Mia bleim mia"
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. SPORT1
von SPORT1
am 1. Juni

Eine Entscheidung, die man absolut nachvollziehen kann, aber auch gewisse Risiken mit sich bringt - sagt der SPORT1-Experte Stefan Effenberg in seiner Kolumne für t-online. Der ehemalige Bayern-Star wertete den Abgang des Vorstandsvorsitzenden zwar als Vertrauensbeweis für dessen Nachfolger Oliver Kahn, warnt aber dennoch. 

"Rummenigge hat es selbst gesagt: Ein neues Trainergespann übernimmt und wichtige Spieler haben den Verein verlassen", mahnte Effenberg: "Er hätte noch abwarten und verfolgen können, wie die Mannschaft mit Julian Nagelsmann in die Vorbereitung und die Saison kommt, wie sie sich in der Vorrunde der Champions League schlägt – um dann im Winter zu gehen." 

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Rummenigge hatte in einer offiziellen Mitteilung des FCB von dem "strategisch sinnvollsten und logischen Zeitpunkt" für die Entscheidung gesprochen. "Wir schreiben das Ende des Geschäftsjahres, zugleich beginnt ein neuer Abschnitt mit einem neuen Trainergespann. Die neue Spielzeit sollte von Beginn an von Oliver Kahn als neuem CEO verantwortet werden – auch im Sinne der handelnden Personen und damit im Sinne der Zukunft des FC Bayern." 

Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern wird nicht erst zum Jahresende aufhören, sondern schon mit sofortiger Wirkung.
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Rummenigge hört früher auf

Effe: Bayern vor größtem Umbruch aller Zeiten

Aber ist das auch so? "Effe" sieht es ein bisschen anders: "Nun stehen Kahn und Salihamidzic (Sportvorstand, Anm.) sofort komplett in der Verantwortung und damit natürlich auch unter einem enormen Druck. Der Anspruch ist, dass sie kein Stück weniger erfolgreich sind als ihre Vorgänger in der Vergangenheit – und alles im Griff haben wie Rummenigge und Hoeneß (Aufsichtsratsmitglied)." 

Dabei stehe die neue Bayern-Führung vor "Mega-Herausforderungen. Der FC Bayern befindet sich mitten in dem vielleicht größten Umbruch aller Zeiten." (SERVICE: Der Spielplan der EM)

Die personelle Umstrukturierung in der Führungsetage sei dabei auch nicht mit den Abgängen von Klub-Legenden wie Arjen Robben, Franck Ribery oder gar Jupp Heynckes zu vergleichen. "Hoeneß hat sich nach knapp 50 Jahren bei Bayern vor eineinhalb Jahren zurückgezogen, nun folgt Rummenigge nach 30 Jahren. Mit Julian Nagelsmann kommt ein neuer Trainer – gemeinsam mit Hansi-Flick ging Co-Trainer und Klub-Ikone Hermann Gerland."

Muss Bayern vielleicht sogar Musiala verkaufen?

In nächster Zukunft stünden zudem wichtige Vertragsgespräche mit Spielern wie Niklas Süle, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Serge Gnabry, Thomas Müller, Manuel Neuer und Robert Lewandowski bevor. Dass die Bayern nicht mehr alle Summen zahlen können, machten Hoeneß und Kahn zuletzt im Interview mit SPORT1 unmissverständlich klar. 

Verstärkt auf Talente setzen zu wollen sei lobenswert - allerdings werde "das nicht funktionieren. Hoeneß hat zu Recht stets betont, dass der FC Bayern kein Ausbildungsverein ist. Die zweite Mannschaft ist gerade aus der dritten Liga abgestiegen, das haben viele womöglich übersehen." Fraglich auch, ob der FCB die wenigen Hochbegabten behalten könne. Zum Beispiel einen Jamal Musiala: "Doch auch hier ist die Frage, was der FC Bayern macht, wenn in den nächsten Jahren ein Klub aus England 80, 100 oder mehr Millionen für ihn auf den Tisch legt."

National müsse sich der Meister zwar keine Sorgen machen, aber: "Was für die neue Führung wirklich auf dem Spiel steht, ist, ob Bayern dauerhaft international den Anschluss halten kann." (NEWS: Alles zur EM)

Und da hätte Rummenigge vielleicht weiter in vorderster Front helfen können: “Wie werden Kahn und Salihamidzic diesen zahlreichen Herausforderungen begegnen? Ihre Arbeit in den nächsten ein, zwei Jahren entscheidet darüber, wie erfolgreich Bayern in den nächsten zehn Jahren sein wird.”