Warum Didavi nur um ein Jahr verlängerte

Warum Didavi nur um ein Jahr verlängerte

Daniel Didavi steht als ältester Profi des VfB Stuttgart vor neuen Aufgaben. Mit SPORT1 spricht der 31-Jährige über seine Rolle und bilanziert seine Zeit in Wolfsburg.
Mit 31 Jahren ist Daniel Didavi der älteste Spieler im Kader des VfB Stuttgart. Im SPORT1-Interview blickt der Schwabe auf seine Karriere zurück und beleuchtet seine Rolle im Verein.
Unter jungen Wilden: So prägt "Oldie" Didavi den VfB
02:33
Katharina Hosser
von Katharina Hosser
am 3. Aug

Daniel Didavi verbrachte bislang fast seine ganze Karriere beim VfB Stuttgart.

Nun ist der Mittelfeldspieler der älteste Profi im Kader der Schwaben. Auch deshalb möchte der 31-Jährige vorangehen und ein Vorbild für die jungen Spieler sein (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga).

Mit SPORT1 sprach Didavi über seine Vertragsverlängerung und neue Rolle beim VfB. Ebenfalls bewertete der Bundesliga-Profi seine nicht weniger erfolgreiche Zeit beim VfL Wolfsburg.

SPORT1: Herr Didavi, Sie bereiten sich gerade mit dem VfB Stuttgart hier in Kitzbühel auf die neue Saison vor. Außerdem sind Sie jetzt der älteste Spieler im Kader. Wie läuft das Trainingslager und wie fühlt sich ihre neue Rolle an?

Daniel Didavi: Es tut weh, dass Sie mir das nochmal unter die Nase reiben müssen (lacht). Ich bin jetzt der älteste Spieler, aber ich habe es mittlerweile verkraftet. Alles gut, jedes Training mit Vollgas macht richtig Spaß. Die ersten beiden Tage waren etwas ungemütlich mit viel Regen. Dafür wurden wir jetzt umso mehr mit Sonne belohnt. Eine super Kulisse, da lässt es sich gut arbeiten.

Didavi will als ältester Spieler beim VfB vorangehen

SPORT1: Haben Sie als ältester Spieler irgendwelche Privilegien in der Kabine oder einen besonderen Draht zum Trainer?

Didavi: Das muss man den Trainer fragen. Klar, wir reden oft, auch über alltägliche Sachen. Natürlich fragt der Trainer auch nach meiner Meinung, weil er weiß, dass ich schon einiges erlebt habe. Aber ich habe keine Sonderstellung in der Mannschaft. Ich versuche es anders zu machen: Wenn ich als ältester Spieler vorangehe bei allen Sachen, dann gibt es keine Ausreden für die jungen Spieler. Mein Alter ist aber kein großes Thema, ich bin ganz normal Teil der Mannschaft, wie jeder andere auch - und das ist auch gut so.

SPORT1: Kaum jemand hat erwartet, dass der VfB Stuttgart so gut in die Bundeliga zurückkehrt. Welche Ziele formulieren Sie sich jetzt im zweiten Jahr nach dem Aufstieg?

Didavi: Die Ziele formulieren wir nicht als Mannschaft, sondern wir wollen mit dem Trainer Tag für Tag arbeiten und besser werden. Sven Mislintat hat schon früh gesagt, um was es dieses Jahr geht. Wenn man als Aufsteiger die erste Saison gut gespielt hat, wird die zweite meistens schwerer. Deswegen wollen wir so früh wie möglich die Klasse halten. Aber worum es uns als Mannschaft eher geht, ist die Entwicklung fortzuführen und wie letztes Jahr hungrig zu bleiben. Die jungen Spieler haben sehr viel Entwicklungspotenzial, das haben sie letztes Jahr gut gemacht. Wenn wir in die ähnliche Richtung gehen, bin ich mir sicher, dass wir ein Stück weiterkommen und nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden.

VfB setzt auf eigene Jugend: „Das zahlt sich aus“

SPORT1: Sie sind seit vielen Jahren beim VfB Stuttgart, waren nur zwei Jahre zwischendurch in Wolfsburg. Wie beschreiben Sie die Entwicklung der letzten Jahre beim VfB?

Didavi: Der VfB ist vom Umfeld und Drumherum einer der größten Vereine in Deutschland. Das sieht man an der Fankultur, in der Stadt und an der Kraft, die drumherum ist. Ich weiß noch, als ich damals hochgekommen bin: Da war der VfB ein Verein, der mal Meister wurde, ab und zu in der Champions League oder in der Europa League gespielt hat. Dann gab es so eine Zeit, in der man sich vielleicht verloren hat, höher hinauswollte und ein bisschen seine Wurzeln vergessen hat. Mit dem zweiten Abstieg 2018 hat man sich wieder besonnen und gesagt, wir gehen zurück und machen das, was uns immer stark gemacht hat: Auf junge Spieler zu setzen, die eigene Jugend zu fördern. Das hat man radikal gemacht in der 2. Liga. Man hat in Kauf genommen, dass man nicht gleich wieder aufsteigt, aber hat es auf Biegen und Brechen geschafft. Letztes Jahr hat man gesehen, dass es sich auszahlen kann. Ich finde es super, dass man den Weg weitergeht. Aber man darf sich nicht ausruhen. Es ist ein langer Weg und ich bin froh, dass ich den mitgehen kann.

Erfolgslose Zeit in Wolfsburg: „Habe nie etwas bereut“

SPORT1: Sie sind in Nürtingen, in der Nähe von Stuttgart geboren. Trotzdem waren sie zwischenzeitlich mal nicht in Stuttgart. Wie beurteilen Sie rückblickend ihr Kapitel beim VfL Wolfsburg?

Didavi: Ich habe nie etwas bereut im Leben, das kann ich sagen. Jetzt bin ich der Mensch, der ich bin - durch viele Entscheidungen. Auch wenn das sportlich in Wolfsburg vielleicht nicht so war, wie ich mir das vorgestellt habe, bin ich froh, dass ich diesen Wechsel gemacht habe. Ich habe dort viel gelernt, Erfahrungen gesammelt und super Menschen kennengelernt. Ich denke, wenn ich damals nicht dorthin gegangen wäre, wäre ich nicht der Mensch, der ich jetzt bin. Es war auch eine gute Erfahrung, aber ich habe gemerkt, dass ich schon heimatverbunden bin und es mir wichtig ist, Freunde und Familie um sich zu haben. Von daher war ich umso fröhlicher, wieder hier zu sein.

SPORT1: Gibt es dieses Phänomen, dass ein Spieler nur bei einem Verein richtig funktionieren kann?

Didavi: Das würde ich nicht sagen. Meine Statistik in Wolfsburg war nicht unerfolgreich. Ich hatte in über 50 Spielen 20 Scorerpunkte. Ich war damals 25, 26, hatte viele Verletzungsprobleme davor. Es war einfach die Frage, willst du mal was anderes machen. Damals war Dieter Hecking Wolfsburg-Trainer, den ich auch in Nürnberg hatte. Die Ziele waren groß in Wolfsburg. So wie es dann im Fußball läuft, kam es anders. Nach drei Monaten war Dieter Hecking weg und sportlich war es nicht wie erwartet. Persönlich habe ich alles richtig gemacht und ein paar Sachen dazugelernt.

SPORT1: Haben Sie mal im Nachhinein bereut, dass Sie ein Angebot abgelehnt haben?

Didavi: Ich nicht. Mit 20 wurde ich ein Jahr nach Nürnberg ausgeliehen. Dann war die Phase, wo mein Vertrag ausgelaufen ist und ich mich entschieden habe, was anderes zu machen. Aber jetzt bin ich ja wieder hier - und wenn ich irgendwann wieder eine Entscheidung treffe, ob ich aufhöre, weitermache oder ins Ausland gehe, werde ich mir das gut überlegen.

Didavi: „Muss niemanden was beweisen“

SPORT1: Sie haben Ihren Vertrag beim VfB um ein Jahr verlängert. Hätten Sie gerne größere Planungssicherheit gehabt und um zwei oder drei Jahre verlängert oder war die Entscheidung für ein Jahr bewusst getroffen?

Didavi: Wenn ich nicht dahintergestanden hätte, hätte ich nicht um ein Jahr verlängert. Ich bin kein Mensch, der groß an die Zukunft denkt. Ich bin jetzt 31 und mir passt es gut rein, von Jahr zu Jahr zu denken. Ich spiele jetzt auch nicht um einen neuen Vertrag, ich muss niemanden was beweisen. Ich spiele für mich, weil mir Fußball Spaß macht und am liebsten mache ich es hier ins Stuttgart. Deswegen ist alles super, wie es ist.

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SPORT1: Ihr Teamkollege und Angreifer Sasa Kalajdzic ist nach seinen starken Leistungen in der letzten Saison ein großes Thema in den Medien, es gibt viele Gerüchte um seine Zukunft. Ist das auch ein Thema in der Mannschaft?

Didavi: Sasa ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. Er hatte vor über einem Jahr eine sehr schlimme Verletzung und wie er zurückgekommen ist, hat mich für ihn sehr gefreut, weil er einfach ein sehr guter Mensch ist. Er ist wichtig für die Mannschaft, sportlich und menschlich. Und grade ist er hier und macht keine Anstalten, dass er irgendwie unzufrieden ist. Das ist eher ein Thema der Medien. Fußball ist Fußball: Wenn jemand beim VfB Stuttgart eine sehr gute Saison und bei der EM gespielt hat, dann gibt es Interessenten.