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Grafite: „Lewandowski ist wirklich eine Maschine“

Grafite: „Lewandowski ist wirklich eine Maschine“

Der Brasilianer Grafite hat mit dem VfL Wolfsburg Geschichte geschrieben. Noch heute spielt ein Tor gegen Bayern eine besondere Rolle. Seinen Nachfolgern traut er eine Menge zu.
In der Saison 2008/2009 empfängt der spätere deutsche Meister VfL Wolfsburg den FC Bayern. Grafite setzt zum Solo-Lauf an und vollendet mit der Hacke. Später wird es zum Tor des Jahres gewählt.
Reinhard Franke
von Reinhard Franke
am 16. Sept

Es war der 4. April 2009, als der VfL Wolfsburg den FC Bayern bis auf die Knochen blamierte. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Allen voran Grafite. Der Brasilianer ließ zwei Abwehrspieler sowie Torwart Michael Rensing aussteigen. Als er sich plötzlich mit dem Rücken zum Tor wieder fand, beförderte er den Ball schließlich mit der Hacke zum 5:1-Endstand ins Tor.

Am Ende der damaligen Saison wurden die Wölfe Deutscher Meister. Aktuell stehen sie wieder vor den Münchnern. Trainer der Wolfsburger ist Mark van Bommel, der damals das Trikot des Rekordmeisters trug. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Vor dem Heimspiel der Wölfe gegen Eintracht Frankfurt erinnert sich Grafite im SPORT1-Interview an sein Tor des Jahres und freut sich mit dem VfL. (Bundesliga: VfL Wolfsburg - Eintracht Frankfurt, So., 19.30 Uhr im SPORT1-LIVETICKER)

SPORT1: Grafite, Sie haben 2018 Ihre Profikarriere beendet. Wie geht es Ihnen jetzt und was machen Sie?

Grafite: Ich arbeite jetzt im Fernsehen als Kommentator. Ich habe mein eigenes Geschäft und bin Botschafter des VfL Wolfsburg. Auch wenn wir keine Aktionen gemacht haben, weil die Pandemie leider noch immer da ist. Ich bin total happy mit meinem Leben.

SPORT1: Als Botschafter haben Sie natürlich den VfL noch auf dem Schirm, oder?

Grafite: Na klar. Ich verfolge den Verein immer und schaue mir die Spiele des VfL und die Nachrichten über den Klub an. Ich freue mich sehr auf den Moment, wenn wir wieder Meister werden. Ich bin guter Hoffnung, denn die vergangene Saison war sehr gut und diese Runde hat auch wieder top begonnen. Ich freue mich sehr darüber.

Edin Dzeko (l.) und Grafite erzielten zusammen 54 Treffer
Edin Dzeko (l.) und Grafite erzielten zusammen 54 Treffer

SPORT1: Wie schwer war es damals mit Felix Magath? Er galt immer als Schleifer oder als ein Trainer, bei dem es für die Spieler nicht viel zu lachen gab.

Grafite: Es fällt mir schwer, etwas Schlechtes über Herrn Magath zu sagen. Meine Meinung über ihn war und ist immer positiv. Er war der Trainer, der mir eine faire Chance gab, in Deutschland zu glänzen. Er hat mit mir immer über mein Leben gesprochen, sich um mich gekümmert, wenn ich private Probleme außerhalb des Platzes hatte. Magath hat mir in jedem Training geholfen, besser zu werden, so, dass ich dem Team helfen konnte. Seine Trainingseinheiten waren sehr hart und anstrengend, das stimmt, aber für die Saison und die Leistung waren wir topfit, weil wir viel gearbeitet haben und somit gute Spiele abliefern konnten. Außerhalb des Feldes war Herr Magath ganz normal, man konnte mit ihm reden, scherzen und lachen, aber wenn auf dem Platz gearbeitet wurde, war er ernst. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

SPORT1: 2009 sind Sie mit dem VfL überraschend Deutscher Meister geworden. Was war das Geheimnis Ihres Erfolgs?

Grafite: Wir haben wirklich sehr hart gearbeitet, uns konzentriert und fokussiert, wir waren als Team extrem stark, weil es einen unglaublichen Zusammenhalt gab. Ich denke, dass unser Zusammenhalt in der Meistersaison der Schlüssel zu unserem Erfolg war. Es hat großen Spaß gemacht mit dieser Truppe.

SPORT1: Marcel Schäfer war damals Ihr Mannschaftskollege, heute ist er Sportdirektor beim VfL. Wie sieht Ihr Kontakt aus und wie hat er sich über die Jahre entwickelt?

Grafite: Wir sind immer in Kontakt geblieben. Das freut mich. Auch wenn ich jetzt beim Fernsehen arbeite, habe ich viele Kontakte in der Welt des Fußballs und wir tauschen Nachrichten und Chats über Spieler aus. Auch über Brasilianer und andere, die die Möglichkeit haben, zum VfL zu kommen. Aber bis jetzt sind es nur Chats und Gesprächen. Vielleicht können Marcel und ich in Zukunft zusammenarbeiten, um dem Verein zu helfen. Marcel ist ein sehr professioneller und sympathischer Typ. Das war er damals als Fußballer, so ist er jetzt auch als Manager. Ich mag ihn sehr für seinen feinen Charakter.

SPORT1: Der VfL ist perfekt in die neue Saison gestartet. Vier Spiele, vier Siege. Was sagen Sie dazu?

Grafite: Ich bin froh zu sehen, dass die Saison für den VfL so gut begonnen hat,. Man knüpft an die Erfolge der vergangenen beiden Jahre an und hält so die Euphorie für die Champions League hoch. Ich unterstütze das Team aus der Ferne und habe regelrecht auf den Start in der Königsklasse hingefiebert. Man kann zufrieden sein mit dem Unentschieden gegen Lille (0:0, d. Red.).

Der perfekte Moment: Grafite erzielt mit seinem Hakentor gegen den FC Bayern das 5:1, da hatte selbst ein Philipp Lahm das Nachsehen
Der perfekte Moment: Grafite erzielt mit seinem Hakentor gegen den FC Bayern das 5:1, da hatte selbst ein Philipp Lahm das Nachsehen

SPORT1: Auf dem Weg zum überraschenden Meistertitel haben Sie den FC Bayern in seine Einzelteile zerlegt. Ihr geniales Tor zum 5:1-Sieg wird für immer in Erinnerung bleiben. Wie oft denken Sie an diesen Moment und sehen Sie sich das Tor noch mit der Ferse an?

Grafite: Ich schaue mir dieses Tor fast jeden Tag an, denn seit ich diesen speziellen Treffer erzielte, habe ich in den sozialen Medien viel Begeisterung gespürt und bekomme dieses Tor jeden Tag von den Fans gezeigt oder auf den Fanseiten zu sehen. Mein Tor ist überall immer noch allgegenwärtig. Das macht mich unglaublich stolz.

SPORT1: Wie war es denn für Sie damals?

Grafite: Es war ein großartiger Nachmittag am 4. April 2009, nur zwei Tage nach meinem 30. Geburtstag war das. Nach diesem Spiel haben wir den ersten Platz in der Tabelle erreicht, am Saisonende waren wir tatsächlich Erster und ich wurde Torschützenkönig, es war ein perfekter Tag und ich habe das wichtigste und schönste Tor in meiner Profikarriere erzielt. Unglaubliche Erinnerungen.

Der STAHLWERK Doppelpass vom 12. September in voller Länge zum Nachschauen - unter anderem mit VfL Wolfsbürg Geschäftsführer Jörg Schmadtke und RB Leipzig Spieler Konrad Laimer.
1:54:48
Sendung verpasst? Der STAHLWERK Doppelpass mit Jörg Schmadtke und Konrad Laimer vom 12.09.

SPORT1: Mark van Bommel hat beim 1:5 für Bayern gespielt. Jetzt ist er der Trainer des VfL. Ist er der richtige Mann? Es ist seine erste Bundesliga-Station. (SERVICE: Bundesliga-Spielplan zum Ausdrucken)

Grafite: Ob er der richtige Mann ist, werden wir in der Zukunft sehen, die aber beginnt schon jetzt sehr gut mit den vier Siegen in Folge. Ich hoffe, dass er einen richtig guten Job als Trainer machen wird. Ich drücke ihm beide Daumen.

SPORT1: Sie haben in der Meistersaison 18 Tore erzielt. Was sagen Sie dazu, dass Robert Lewandowski in der zurückliegenden Saison 41 Tore geschossen hat?

Grafite: Wahnsinn! Lewandowski ist wirklich eine Maschine. Er ist der kompletteste Stürmer nach dem brasilianischen Ronaldo. Robert ist aber noch etwas stärker, schließt immer perfekt ab, auch mit dem Kopf ist er extrem stark und er öffnet ideal den Raum für seine Mitspieler und unterstützt seine Kollegen. Mit Lewandowski in der Mannschaft spielen alle viel stärker und mit vielen Top-Spielern wie beim FC Bayern ist es dann nicht so schwer, viele Tore zu erzielen. Lewandowski ist beängstigend gut. Mit ihm in einem Team hätte ich gerne mal gespielt.

SPORT1: Kann der VfL in dieser Saison wieder Meister werden?

Grafite: Das ist schwer zu sagen, aber es ist möglich, jedenfalls nicht unmöglich. Aber wenn man Vereine wie den FC Bayern und Borussia Dortmund sieht, ist es nicht einfach, Meister zu werden. Da geht mein Blick natürlich zurück. 2009 gab es auch diese beiden Vereine und wir haben am Ende dennoch den Titel gewonnen. Ich hoffe sehr, dass der VfL das ganz große Ding wieder landen kann. Es wäre so toll, wieder Deutscher Meister zu werden.


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