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Ultras bleiben hart - wie reagiert die Eintracht?

Ultras bleiben hart - wie reagiert die Eintracht?

Der Jubel über die Zulassung von 40.000 Zuschauern verhallt schnell bei Eintracht Frankfurt. Die Ultras werden dem Stadion auch weiterhin fernbleiben. Doch es gibt noch ein weiteres Problem.
Eintracht-Keeper Kevin Trapp legte mit etlichen spektakulären Paraden den Grundstein für den Frankfurter Sieg in der Allianz Arena.
Christopher Michel
von Christopher Michel
09.10.2021 | 09:04 Uhr

Das Gesundheitsamt Frankfurt genehmigte am Dienstag 40.000 Zuschauer für das Duell von Eintracht Frankfurt gegen Hertha BSC.

Was bedeutet das? Neben Geimpften und Genesenen dürfen fünf Prozent der Zuschauer mit einem PCR-Test, der ab 11. Oktober über 100 Euro kosten könnte, ins Stadion. Im Stehplatzbereich, der komplett geöffnet werden darf, gilt Maskenpflicht.

Folgt nun automatisch die Rückkehr der Ultra-Gruppierung?

Kehrt mit den Ultras die dominante Fangruppierung, die mit dem Motto „Alle oder Keiner“ eine klare Linie fährt, zurück? Zur Einordnung: Zu Beginn der Pandemie war die Dauer des Zustandes noch nicht absehbar.

Teilzulassungen nach Geisterspielen? Zunächst keine Option für die Ultras, die aber in einer weiteren Stellungnahme am 3. August 2021 entgegenkamen: „Nach wie vor werden wir das Stadion erst besuchen, wenn es wieder Stehplätze ohne Restriktionen gibt, zumindest alle Dauerkarteninhaber ebenso wie Gästefans in gewohnter Größenordnung reinkönnen, und keine umfangreiche Personalisierung stattfindet.“

Was auf den ersten Blick nun gegeben schien, erwies sich für die Ultras als so nicht darstellbar. In einer weiteren Erklärung am Mittwochnachmittag sagten die Fans den Stadionbesuch ab. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

„Wir werden auch gegen Hertha BSC nicht in unser Wohnzimmer zurückkehren. Uns ist dabei wichtig, noch einmal zu betonen, dass das ganze kein „Boykott“ ist – wogegen auch?“ Man wisse um die Bemühungen des Klubs. Die Ultras jedoch haben „eine klare Vorstellung“ von der Fankurve, sie seien „kein Stimmungsdienstleister“.

Ultras kritisieren Behörden

Zwei Punkte sind für die Gruppe inakzeptabel und illusorisch: Die Maskenpflicht im Stehplatzbereich und das „3G Plus“-Modell. „Betrachtet man die aktuelle Impfquote wird also weiterhin ein nicht geringer Teil der Eintracht-Fans keinen Zugang finden – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen äußerst problematisch.“

Der Blick geht dabei in andere Länder und Bundesländer, wo „ohne weitere Restriktionen unter 3G fast vollausgelastet werden können“.

Die jetzige Regelung des Gesundheitsamtes Frankfurt entspricht nicht den Erwartungen der Ultras: „Wir hoffen und erwarten, dass auch die hiesigen Behörden baldmöglichst dem Vorbild an anderen Standorten folgen – zumal ja auch in Frankfurt bspw. einigen Kulturstätten mittlerweile eine 3G-Vollauslastung sogar in Innenräumen gestattet wird.“

Was passiert mit Kindern zwischen 6 und 12?

Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, Peter Tinnemann, konterte bereits im hr-sport: „Wir erwarten, das gibt der Antrag der Eintracht her, dass viele Leute im Stehplatzbereich sind. Das sind Gedrängesituationen. Das gibt uns die Corona-Schutzverordnung vor, dass wir da eine Maske erwarten müssen.“ Und die Eintracht? Die wartet nach SPORT1-Informationen zunächst die Nachfrage aus dem Vorverkauf ab.

Eine Frage, die allerdings mehr und mehr in den Mittelpunkt gerät, ist die nach Kindern in der Altersspanne von 6 bis 12 Jahren. Sie können sich nicht impfen lassen, ein Stadionbesuch wäre somit nicht mehr nur auf Ticket, Bratwurst, Getränk und Fanshop-Besuch, sondern auch mit einem teuren PCR-Test verbunden.

Der klassische Familienbesuch des Stadions, beispielsweise mit geimpften Eltern und zwei Kindern, die sich nicht impfen lassen können, wäre somit auf einen Schlag rund 200 Euro teurer. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Und was machen Menschen, die sich gesundheitsbedingt nicht impfen lassen können? Die Entscheidung ist ein Rückschlag für die Bemühungen der Eintracht, eine ganze Generation droht durch die 3G-Plus-Regelung ausgeschlossen zu werden.

Was macht die Eintracht?

Kommt das Gesundheitsamt den Frankfurtern noch entgegen und genehmigt den Zutritt über das Corona-Testheft.

Ob dadurch 40.000 Fans ins Stadion strömen? Oder greifen die Frankfurt auf das Modell mit 25.000 Zuschauern, bei denen ein Testnachweis in Form eines Bürgertests reicht, zurück? In Pandemiezeiten lässt sich darauf auch bei der Eintracht keine seriöse Antwort geben.

Finanziell schmerzt die Lage weiterhin. Finanzvorstand Oliver Frankenbach rechnete vor, dass selbst bei einer 60-Prozent-Auslastung am Saisonende ein Verlust in Höhe von 30 Millionen Euro droht. Das letzte Wort ist deshalb noch nicht gesprochen.

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