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Nur dann bleibt Nagelsmann fünf Jahre

Nur dann bleibt Nagelsmann fünf Jahre

Julian Nagelsmann spricht über seinen langen Vertrag. Will er ihn erfüllen, glaubt der Trainer des FC Bayern den Kader radikal umbauen zu müssen. Nagelsmann erklärt auch, was in München so anders ist.
Bayern München verliert das erste Spiel in dieser Saison. Gegen Eintracht Frankfurt sind die Bayern lange die bessere Mannschaft - bis ein Taktikwechsel von Julian Nagelsmann nicht aufgeht.
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von SPORT1

Das werden die Spieler FC Bayern vermutlich nicht ganz so sehr gerne hören.

Trainer Julian Nagelsmann hält einen Kader-Austausch alle drei, vier Jahre für wichtig, um als Trainer langfristig bei einem Klub arbeiten zu können. Das hat er nun im Podcast „Einfach mal Luppen“ von Toni und Felix Kroos verraten. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

„Ich ziehe immer gern das Beispiel von Sir Alex Ferguson heran. Der hat im drei, vier Jahres-Ryhthmus fast den gesamten Kader immer geändert. Wenn du als Trainer eine ordentliche Halbwertszeit haben möchtest, musst du dich weiterentwickeln und deine Idee anpassen, aber auch den Kader ändern und auffrischen“, sagte Nagelsmann.

Nagelsmann: „Dann wird es einfach langweilig“

Der Bayern-Coach erklärte auch, warum eine lange Amtszeit sonst kaum machbar ist: „Da bist du als Trainer von dem einen oder anderen genervt, weil er immer das Gleiche macht - und als Spieler kennt man auch jeden Spruch. Dann wird es einfach langweilig.“

Nagelsmann zog sogar den Vergleich mit einer Liebesbeziehung heran, in der man auch immer wieder neue Reize setzen muss. Und genau diese wird er setzen müssen, wenn er seinen Fünfjahresvertrag bis 2026 bei den Bayern erfüllen will.

Der 34-Jährige scherzte aber auch mit den Kroos-Brüdern: „Die Geschichte zeigt, dass es fast unmöglich ist, solange bei Bayern zu bleiben.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Julian Nagelsmann wechselt seinen persönlichen Ausstatter und greift dafür freiwillig tief in die eigene Tasche. Der 34-Jährige bastelt weiter an seinem Weg zur Stilikone.
01:59
Neuer Ausrüster-Deal: Nagelsmanns Weg zur Stilikone

Nagelsmann spricht über Bayern-Anfrage

In einer idealen Welt hätte er sich einen Wechsel zum deutschen Rekordmeister auch etwas später gewünscht: „Wenn man sich eine Karriere malt, wären noch ein oder zwei Jahre bei einem anderen Verein nicht verkehrt gewesen.“

Doch Nagelsmann war klar: „Solche Anfragen musst du annehmen, wenn sie da sind. Es gibt einen schlauen Spruch: Jede Chance im Leben hat ein Verfallsdatum.“

Zumal er sich auch jetzt trotz seines eher jungen Alters dafür bereit hält: „Ich habe das nötige Selbstvertrauen und eine Mannschaft, die sehr angenehm zu trainieren ist.“

Anderer Klub wollte Nagelsmann drei Mal

Nagelsmannn weiter: „Wenn ich das Angebot nicht angenommen hätte, wäre ein anderer Trainer für zwei oder drei Jahre gekommen. Dann ist die Frage: Hätte es dann wieder funktioniert?“

Er verriet Überraschendes: „Ich hatte eine ähnliche Situation mit einem anderen großen deutschen Klub, der mich dreimal wollte. Da hat es dreimal aufgrund unterschiedlicher Themen nicht funktioniert. Da habe ich dann beim dritten Mal gesagt: Jetzt will ich nicht mehr, wir warten noch ein bisschen und dann hat es wieder nicht funktioniert.“

Da habe er „schon gelernt, dass du nicht alles vor dich herschieben kannst. Es gibt oft eine einmalige Chance und die musst du einfach ergreifen“. Ob es sich dabei um den BVB oder einen anderen Klub handelte, ließ Nagelsmann offen.

In der Vergangenheit hatte der 34-Jährige zumindest schon einmal erklärt, dass ein BVB-Engagement einst gescheitert war.

So denkt Nagelsmann über die Bayern-Ablöse

Dass die Bayern für ihn eine hohe Ablösesumme bezahlt haben, hält Nagelsmann aus Trainer-Sicht grundsätzlich für richtig: „Man hört ja sehr oft, dass der Trainer mit die wichtigste Person im Verein ist. Daher finde ich es schon relativ normal, dass irgendwann auch Trainer etwas kosten.“

Über die Höhe der Summe könne man natürlich „aber immer diskutieren, und ob ein Mensch 5, 10, 25, 100 Millionen wert ist, weiß ich nicht.“ Grundsätzlich ginge es aber auch um das Standing eines Trainers. „Wenn du mit Spielern arbeitest, die 70 Millionen gekostet haben und du als Trainer bist der, der am schlechtesten verdient und am wenigsten gekostet hat, dann ist das meistens nicht zwingend förderlich.“

Es war ein hartes Urteil, das Lothar Matthäus da über Bouna Sarr gefällt hat. Der Franzose ist aber nicht der einzige, der beim FC Bayern keine echte Alternative ist.
03:27
Wird Bayerns fehlende Breite zum Problem?

Nagelsmann: Bei Bayern bewegst du dich im Extremen

Auf jeden Fall habe er früh gemerkt, dass beim FC Bayern vieles anders ist als bei seinen bisherigen Vereinen. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

„Jeder Schritt, den du machst, ist transparent und wird tausendfach diskutiert. Du bewegst dich nur in Extremen. Kiew war kein großartig besseres Spiel als gegen Frankfurt. Da waren wir die Götter Europas, jetzt ist es die erste Nagelsmann-Krise oder keine Ahnung, was in der Bild-Zeitung steht“, sagte Nagelsmann.

Nur im Verein selbst merkt Nagelsmann keinen so großen Unterschied: „Die Mannschaft ist extrem angenehm zu trainieren. Im Klub sind ein paar neue Leute mit Oli (Oliver Kahn, Anm. d. Red.) und Herbert Hainer (Präsident, Anm. d. Red.). Es ist ein angenehmes Miteinander. Wir haben einen guten Austausch, da sehe ich keinen großen Unterschied - es ist hier nur alles etwas in größeren Dimensionen.“

Eintracht-Keeper Kevin Trapp legte mit etlichen spektakulären Paraden den Grundstein für den Frankfurter Sieg in der Allianz Arena.
01:09
Trapps irre Paraden-Show bringt Bayern zur Verzweiflung

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