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„Wir waren alle total schockiert“

„Wir waren alle total schockiert“

Josuha Guilavogui schwärmt im Gespräch mit SPORT1 von Trainer Mark van Bommel und Ex-Mitspieler Kevin De Bruyne. Er blickt auch auf bittere Stunden zurück.
Josuha Guilavogui schwärmt im Gespräch mit SPORT1 von Trainer Mark van Bommel und Ex-Mitspieler Kevin De Bruyne. Er blickt aber auch auf bittere Stunden zurück.
. SPORT1
Niclas Löwendorf
von Niclas Löwendorf, Moritz Thienen
14.10.2021 | 12:16 Uhr

Seit sieben Jahre spielt Josuha Guilavogui beim VfL Wolfsburg.

Der Franzose erlebte absolute Höhepunkte, aber auch bittere Tiefschläge. In der Saison 2014/15 spielte Guilavogui bei den Wölfen an der Seite von Kevin De Bruyne.

„Wir hatten damals eine richtig gute Mannschaft, aber unser Spieler, der besonders war, war Kevin. Er machte aus einem guten Spiel ein super Spiel und aus einer guten Saison eine herausragende Saison“, berichtete der Mittelfeldmann im Gespräch mit SPORT1.

De Bruyne sei zu dieser Zeit der beste Spieler der Bundesliga gewesen.

„Manchmal habe ich einen schlechten Pass gespielt, aber er hat den Ball so gut angenommen, dass aus meinem schlechten Pass trotzdem eine Torvorlage wurde. Wir waren im Training manchmal wie Zuschauer, weil es einfach Wahnsinn war, wie er gespielt hat.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Pokalsieg das sportliche Highlight

Gemeinsam mit De Bruyne gewann Guilavogui gleich in seinem ersten Jahr, der Saison 2014/15, mit den Wölfen den DFB-Pokal - ein absolutes Highlight.

„Ich wusste gar nicht, dass der Pokal in Deutschland so wichtig ist, ich hatte in Frankreich bereits einen Pokal gewonnen, aber in Deutschland habe ich dann erfahren, dass so ein Pokalsieg für den Verein sehr viel bedeutet. Das ist definitiv meine beste Erinnerung“, meinte er. Den Moment des Triumphes habe er immer noch im Kopf.

Nach der Saison wechselte De Bruyne zu Manchester City - und bei den Wölfen ging es bergab bis zum bitteren Gang in die Relegation 2017.

Guilavogui: „Kämpfst für deine Karriere“

Am letzten Spieltag verlor der VfL beim direkten Konkurrenten Hamburger SV und rutschte auf den 16. Platz. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Für Guilavogui der schlimmste sportliche Moment im Wölfe-Trikot. „Das Tor (Luca Waldschmidt traf in der 88. Minute zum 2:1 für den HSV, Anm. d. Red.) war wie ein kleines Trauma. Nach dem Spiel habe ich gar nicht auf mein Handy geschaut und wir als Mannschaft waren in der Kabine alle total schockiert. In dem Moment ist man wie ein kleines Kind und will sich am liebsten nur noch unter einer Decke verstecken.“

In der Relegation rettete sich der VfL anschließend gegen Eintracht Braunschweig. Doch auch im Jahr darauf mussten die Niedersachsen erneut nachsitzen, gegen Holstein Kiel gelang erneut der Verbleib in der Bundesliga.

Für Guilavogui gehörten die vier Relegationsspiele zu den nervenaufreibendsten Momenten seiner Laufbahn: „Du kämpfst da für deine Karriere. Du kämpfst nicht um drei Punkte, sondern um deine ganze Karriere.“

Aufschwung unter Labbadia

Unter Retter Bruno Labbadia ging es anschließend wieder nach oben: „Er hat aus 22 Einzelspielern eine Mannschaft gemacht. Großen Respekt für Bruno Labbadia, weil er hat es geschafft, eine Mannschaft vom 16. Platz nach Europa zu führen.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Trotz des sportlichen Erfolges musste Labbadia nach der Saison 2018/19 gehen. Es folgte Oliver Glasner als Trainer, unter dem Guilavogui seinen Stammplatz verlor und extrem mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Obwohl er Mannschaftskapitän war, kam er in der vergangenen Saison häufig nur zu Kurzeinsätzen. Auch deshalb überlegte er, im Sommer zu wechseln.

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„Ich persönlich habe noch nie so eine schlimme Saison erlebt“, hatte der Routinier im Juni den Wolfsburger Nachrichten erklärt. Das Jahr sei eine „Katastrophe“ gewesen, „da meine Beziehung zu Oliver Glasner auch sehr schlecht war“. Er sei „sehr froh, dass er weg ist“.

Guilavogui betonte nun: „Ich habe im Sommer schon überlegt, zu gehen. Ich fühle mich immer noch in der Lage zu spielen und ich war nicht wegen schlechter Leistungen draußen.“

Am Ende wechselte Glasner aber nach Frankfurt und Guilavogui blieb doch. „Ich bin sehr froh, dass ich trotz der Schwierigkeiten in Wolfsburg geblieben bin. Meine Familie fühlt sich hier wohl und deshalb sind wir alle froh, dass wir weiter hier sind, beim VfL Wolfsburg.“

Mit Van Bommel will Guilavogui nach Europa

Unter dem neuen Trainer Mark Van Bommel ist der Franzose wieder gefragt.

„Wenn dein Trainer schon die Champions League gewonnen hat, dann musst du einfach zuhören“, schwärmte Guilavogui: „Aber er ist auch sehr für unsere gute Stimmung verantwortlich. Er macht auch ab und zu Späße. Er ist eine besondere Person.“

Van Bommel sei als Trainer, anders als früher als Spieler, ganz ruhig. Diese Ruhe, die er auf die Mannschaft ausstrahle, sei auch für den aktuellen Erfolg mitverantwortlich. Wolfsburg steht derzeit auf Platz fünf der Bundesliga-Tabelle, in den ersten zwei Partien der Champions League gab es zwei Remis.

„Klar, wir wollen nach Europa, mindestens in die Top sechs. Aber wenn man einmal Champions League gespielt hat, dann will man auch wieder dahin“, meinte Guilavogui.

Das Ziel sei aber gerade auch wegen der Doppelbelastung nicht einfach zu erreichen: „Ich hoffe aber, dass wir das trotzdem schaffen.“

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