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Allofs: Bayern hat „die Dinge klargestellt“

Allofs: Bayern hat „die Dinge klargestellt“

Über viele Jahre war Klaus Allofs mit seinen Klubs ein wesentlicher Konkurrent von Bayern München im Meisterkampf. Im Gespräch mit SPORT1 äußert sich der Vorstand von Fortuna Düsseldorf zum aktuellen Meisterkampf und zur Lage der Nationalmannschaft.
Wäre Simon Terodde eine Option für Hansi Flick? Klaus Allofs hält von dieser Idee nicht viel.
. SPORT1
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von Moritz Thienen

Klaus Allofs kämpfte sowohl als Spieler als auch als Vereins-Funktionär oft mit dem FC Bayern München um die Meisterschaft. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Aktuell ist der Europameister von 1980 und ehemalige Geschäftsführer von Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg Vorstand für Fußball und Entwicklung bei Fortuna Düsseldorf in der zweiten Liga. Den Meisterkampf in der ersten Liga und die aktuelle Entwicklung der Nationalmannschaft verfolgt er trotzdem noch intensiv.

Im Gespräch mit SPORT1 am Rande des Maschinensucher Doppelpass 2. Bundesliga verrät Allofs, was er Dortmund im Meisterkampf mit den Bayern zutraut und ob die Nationalmannschaft mit dem neuen Bundestrainer Hansi Flick schon wieder reif für einen großen Titel ist.

SPORT1: Herr Allofs, Sie werden bestimmt auch die erste Liga verfolgen. Die Bayern dominieren schon wieder. Wie bewerten Sie das, auch in Hinblick auf das Ansehen der Bundesliga?

Klaus Allofs: Auf der einen Seite ist es schön, dass man eine so starke Mannschaft hat, insbesondere dann, wenn sie auf internationalem Parkett auch glänzen kann. Es ist wichtig für die Bundesliga, im Konzert der Großen eine Rolle zu spielen. Auf der anderen Seite brauchen wir aber natürlich auch den Faktor Spannung innerhalb der Bundesliga und eine gewisse Ausgeglichenheit, auch mal ein Überraschungsmoment. Aber die Bayern machen es einfach gut und haben nicht nur eine gute Mannschaft, sondern anscheinend auch jetzt wieder den richtigen Trainer. Das macht sie zum herausragenden Team in der Bundesliga. Ich glaube, wir müssen uns damit abfinden, dass die Bayern immer eine überragende Rolle spielen. Damit hat die Bundesliga allerdings ein Problem, was die Spannung um die Meisterschaft angeht. Da würde man sich schon wünschen, dass es mal wieder einen Konkurrenten gibt.

Allofs: Meisterkampf hängt von den Bayern ab

SPORT1: Wer könnte das sein?

Allofs: Borussia Dortmund sehe ich derzeit als einzigen Herausforderer. RB Leipzig kann es im Moment nicht sein, auch der VfL Wolfsburg nur mit Einschränkungen. Im direkten Duell mit Bayer Leverkusen sind gerade die Dinge klargestellt worden. Die Spannung fehlt. Und darüber hinaus fehlen natürlich auch Traditionsvereine wie Schalke 04 und Werder Bremen, die die Liga verlassen haben. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

SPORT1: Was trauen Sie den Dortmundern zu?

Allofs: Das hängt in erster Linie von den Bayern ab, das muss man leider so sagen. Dortmund hat viel Qualität, sie haben viele junge Spieler mit viel Talent. Aber es ist wirklich schwer, eine Konstanz wie die Bayern hinzulegen. Es hängt also besonders davon ab, ob die Bayern es bis zum Ende sehr konzentriert durchspielen oder sie auch mal schwächere Phasen haben, auch ob sie von der Champions League abgelenkt werden. So wie sie aktuell auftreten, kann ich mir aber nicht vorstellen, dass sie es unter Julian Nagelsmann in seiner ersten Saison irgendwo locker angehen lassen.

SPORT1: Ein Erfolgsfaktor für Dortmund ist Erling Haaland. Wie sehen Sie ihn und glauben Sie, dass Dortmund ihn noch länger als diese Saison halten kann?

Allofs: Erling Haaland ist sicher das größte Argument dafür, dass es für Dortmund vielleicht doch etwas werden könnte. Er ist ein ganz außergewöhnlicher Spieler. Ob er zu halten ist, ist schwer einzuschätzen. Wir wissen alle nicht, wie die Verträge dann wirklich aussehen. Dass sein Weg irgendwann in eine andere Liga gehen wird, davon müssen wir ausgehen.

Für Allofs war Bundestrainer-Wechsel überfällig

SPORT1: Nochmal kurz weg von der Bundesliga. Beim DFB gab es auch einen Wechsel auf der Trainerposition. Wie haben Sie das Debüt von Hansi Flick erlebt?

Allofs: Ich glaube, nach so einer langen Zeit mit Jogi Löw gab es in der Nationalmannschaft viele Dinge, wo vielleicht der letzte Kick nicht mehr da war. Das soll gar nicht die Leistung von Jogi Löw schmälern. Es war aber trotzdem Zeit für eine Veränderung. Hansi Flick hat natürlich mit dieser Visitenkarte, bei Bayern so erfolgreich gewesen zu sein, die totale Autorität und Anerkennung, die man in dieser Position braucht. Ich glaube, er versteht es, als Auswahltrainer den richtigen Ton zu treffen und neue Dinge anzustoßen. Von daher sehe ich das sehr positiv.

SPORT1: Trauen Sie Deutschland bei der WM im kommenden Jahr den Titel zu?

Allofs: Es ist ja nicht mehr lange hin bis zur WM. Ausgeschlossen ist sicher nichts. Wir haben viele talentierte Jungs, die inzwischen auch bei großen Klubs im Ausland spielen. Von daher sehe ich bei der Qualität keine Einschränkungen. Die Frage wird sein, ob man die mannschaftliche Geschlossenheit und den nötigen Siegeswillen entwickelt. Gerade das ist bei solchen Turnieren von großer Bedeutung.

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