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Das Rätsel da Costa

Das Rätsel da Costa

Eintracht Frankfurt hat auf der rechten Verteidigerseite enorme Probleme. Danny da Costa kommt unter Trainer Oliver Glasner dennoch nicht mehr zum Zug. Eine Spurensuche.
Im STAHLWERK Doppelpass verteidigt Markus Krösche vehement die Mannschaft von Eintracht Frankfurt und nimmt auch den Trainer in Schutz.
Christopher Michel
Christopher Michel
von Christopher Michel

Danny da Costa kehrte im Sommer nach einem äußerst erfolgreichen Leih-Halbjahr beim FSV Mainz 05 mit großem Selbstvertrauen zu Eintracht Frankfurt zurück. Die Hessen ihrerseits erfreuten sich über die gute Entwicklung des Rechtsverteidigers, ein weiterer Transfer für diese Position war somit nicht mehr nötig.

Da Costa nur zu Beginn gesetzt

Da Costa absolvierte eine sehr ordentliche Vorbereitung – und ging anschließend mit der Eintracht im Pokalspiel in Mannheim (0:2) und zum Bundesligaauftakt in Dortmund (2:5) unter. Trainer Oliver Glasner fing daraufhin mit Experimenten an, vor allem auf der rechten Seite wurde fröhlich durchgetauscht. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Mit Ausnahme von Erik Durm (7 Bundesligapartien/326 Minuten als rechter Verteidiger) kam kein Akteur auf dieser Position in der Bundesliga über 300 Minuten zum Einsatz. Almamy Touré (5/283 Minuten), Timothy Chandler (4/46 Minuten als Rechtsverteidiger) und eben da Costa (5/298 Minuten) konnten sich nur selten über einen längeren Zeitraum zeigen. Der Bezug auf statistische Werte fällt somit nur bedingt aussagekräftig aus, das Quartett wechselte sich schlicht zu häufig ab.

Starke Leistung gegen den FC Bayern

Weshalb da Costa seit der Länderspielpause im Oktober, nachdem er gegen den FC Bayern München nach Einwechslung seine Seite dicht bekam, gar keine Rolle mehr spielt? Unklar. Er gewann in dieser Partie 60 Prozent seiner Zweikämpfe, zog 17 Mal zu Tempoläufen an und überzeugte in der Rückwärtsbewegung. Alphonso Davies und Jamal Musiala kamen in diesen 30 Minuten kaum noch zum Zug, die Frankfurter standen deutlich kompakter und konnten so noch mit 2:1 gewinnen. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Weitere Einsatzminuten gab es seitdem nicht mehr, obwohl in kürzester Zeit sechs Partien in Bundesliga und Europa League auf dem Programm standen. Dabei muss sich da Costa mit Blick auf die Werte in der Bundesliga nicht verstecken.

Gegen den FC Bayern konnte Danny da Costa überzeugen
Gegen den FC Bayern konnte Danny da Costa überzeugen

Mit 2,24 abgefangenen Bällen pro Spiel (Chandler: 0,74/Durm: 1,4/Touré 0,62), 50 Prozent erfolgreichen Dribblings (Chandler: 33,3 Prozent/Durm: -/Touré: 40 Prozent) und einer Zweikampfquote von 57,1 Prozent (Chandler: 16,7 Prozent/Durm: 56,1 Prozent/Touré: 36,7 Prozent) übertrifft er seine Konkurrenten in Kerndisziplinen. Die insgesamt zweikampfschwächste Mannschaft der Liga benötigt eigentlich eine solche Robustheit.

Da Costa stark im Zweikampf - dafür mit Schwächen im Passspiel

Schwächen hat er in Sachen Passgenauigkeit (61,5 Prozent/Chandler: 61,2 Prozent/Durm: 66,1 Prozent/Touré 68,5 Prozent). Da Costa sucht oftmals das riskante Zuspiel – entweder vertikal oder in die Schnittstelle. Dadurch entstehen bei einem Fehlpass Lücken, die Gefahr für das eigene Tor hin bedeuten. Andererseits ist der Gegner nach einem solchen Pass überspielt und der Weg zum gegnerischen Gehäuse kurz. So leitete da Costa etwa das 1:1 gegen den 1. FC Köln mit ein.

Die Bewertung der Leistungen auf der rechten Seite „leidet“ dabei auch an der herausragenden Performance von Filip Kostic. Der Serbe unterstützt die eigene Defensive nicht immer wie gewünscht und ist in der Rückwärtsbewegung teilweise schlampig unterwegs.

Doch mit seinem Offensivdrang, seiner Power, seinen herausragenden Flanken und seinem harten Schuss ist er an der Hälfte aller zwölf Frankfurter Ligatore beteiligt (zwei Tore und vier Vorlagen).

Oliver Glasner und Eintracht Frankfurt hinken ihren Anforderungen in der Bundesliga bislang noch hinterher. Daher entsteht die Frage, ob der neue SGE-Trainer keinen guten Draht zu seiner Mannschaft hat.
04:20
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Warum hat Glasner keine Verwendung mehr für da Costa?

Über die rechte Seite hingegen wurde noch kein Treffer vorbereitet, auch Durms Assist war ein Querpass aus der zentralen Position heraus. Dennoch hat Glasner bei der Suche nach dem passenden Puzzleteilchen auf dieser Position zuletzt keine Verwendung mehr für da Costa gehabt.

An der vertraglichen Situation kann dies SPORT1-Informationen zufolge nicht liegen. Da Costa belegt in der Gehaltsstruktur einen Platz im gehobenen Mittelfeld, er gehört aber nicht zu den Spitzenverdienern. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Sein im Sommer auslaufender Kontrakt hat keine besonderen Klauseln, die an Einsätze oder Spielminuten gekoppelt sind. Möglicherweise hält Glasner bei Touré, der mit 25 Jahren etwas mehr Entwicklungspotenzial hat, eine Marktwertsteigerung für realistischer.

Fehlerfrei jedenfalls agierte bislang kein Akteur auf der rechten Verteidigerseite, doch die mehrwöchige Nichtberücksichtigung da Costas lässt Fragen nach dem warum offen. Die Chancen, sich für eine Vertragsverlängerung anzubieten, werden somit immer geringer für den Familienpapa. Ein klares Zeichen der Hessen, dass er sich umsehen und neu orientieren muss? Möglich, da Sportvorstand Markus Krösche Geld einsparen und den Etat kürzen muss.

FC Augsburg? Die Spur ist noch kalt

Sollte im Winter kein Transfer über die Bühne gehen, könnte der frühere U-Nationalspieler zum Nulltarif wechseln. Das von der Augsburger Allgemeinen ins Spiel gebrachte Interesse des FC Augsburg ist SPORT1-Informationen zufolge aktuell aber kalt. Konkrete Angebote oder Anfragen für da Costa gibt es bislang keine. Auch in Mainz ist kein Platz mehr, Silvan Widmer überzeugt dort. Da Costa wird sich also gedulden – und auf weitere Chancen in Frankfurt warten müssen.

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