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Hoeneß faltete Matthäus zusammen

Hoeneß faltete Matthäus zusammen

Uli Hoeneß nimmt im OMR-Podcast kein Blatt vor dem Mund. Er erklärt unter anderem, wann Christoph Daum Fehler machte und warum er Lothar Matthäus jüngst die Meinung geigte.
Sebastian Deisler litt unter Depressionen. Der Nationalspieler hörte mit nur 27 Jahren auf. Jetzt schildert Uli Hoeneß die letzten Tage vor dem Karriereende des Hochbegabten.
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von SPORT1

Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß ist überzeugt, dass bei einem erfolgreichen Fußball-Verein auch ehemalige Fußballer in Führungspositionen arbeiten sollten.

„Es hat sich herausgestellt, dass viele super Unternehmer begreifen müssen, dass Fußball etwas anderes ist“, erklärt Hoeneß im OMR-Podcast von Philipp Westermeyer. Clemens Tönnies und Schalke 04 seien so ein Beispiel. Hoeneß sagt: „Von Fußball hat er jetzt nicht so viel Ahnung. Das ist ganz entscheidend.“ (Der OMR-Podcast mit Uli Hoeneß: Hier in voller Länge hören)

Auch auf Martin Kind und Hannover würde diese Beschreibung zutreffen. „Ich schätze ihn sehr. Das ist einer der besten Unternehmer, die wir in Deutschland haben. Aber er schafft es einfach nicht, dass er aus Hannover etwas Gescheites macht. Weil man, das glaube ich schon, auf einem bestimmten Niveau Fußball gespielt haben muss, um wirklich durchzublicken und bei den Spielern ernst genommen zu werden.“

Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß (l.) zu Gast im OMR Podcast mit Philipp Westermeyer
Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß (l.) zu Gast im OMR Podcast mit Philipp Westermeyer

Doch nicht nur das Fußball-Geschäft als Ganzes ist Thema im Podcast. Hoeneß spricht zu zahlreichen weiteren Dingen Klartext.

SPORT1 fasst die wichtigsten Aussagen zusammen.

Uli Hoeneß...

...darüber, warum es bei Schalke nicht funktioniert: „Dort haben sich in den vergangenen 20, 30 Jahren viele Leute versucht.“

...über den Aspekt, dass Clemens Tönnies dort war: „Aber von Fußball hat er nicht so viel Ahnung.“

...darüber, ob das so entscheidend sei: „Ganz entscheidend. Es hat sich herausgestellt, und das ist überhaupt keine Kritik an ihm, dass viele Super-Unternehmer begreifen müssen, dass Fußball etwas anderes ist. Ich schätze den Herrn Kind in Hannover sehr. Er ist einer der besten Unternehmer, die wir in Deutschland haben. Aber er schafft es einfach nicht, dass er aus Hannover was Gescheites macht. Weil man, das glaube ich, auf einem bestimmten Niveau Fußball gespielt haben muss, um wirklich durchzublicken und vor allem bei den Spielern ernst genommen zu werden.

Wenn ich zu einem Spieler sage: ‚Was du heute wieder zusammengespielt hast, ist schöner Mist.‘ Dann nimmt er das ernst. Aber wenn da einer kommt, der vorher in der A-Klasse Ostwestfalen gespielt hat, dann denkt er sich: ‚Was will der jetzt? Der will mir erklären, wie man einen Seitspannstoß macht?‘ Das ist ein ganz großer Vorteil. Auch in den Medien. Wenn ich mit einem Journalisten rede und ihn kritisiere, weil er ein Spiel mal wieder ganz anders geschaut hat als ich, dann muss ich in diese Diskussion schon Substanz reinbringen. Das kann ich aber nur, wenn ich was davon verstehe.“

...darüber, ob Spieler nicht auch Respekt davor haben, wenn man als Unternehmer Karriere gemacht hat? Beispielsweise im Fall von Lars Windhorst: „Überhaupt nicht. Wenn der in die Kabine kommt und über Fußball redet, dann werden die sich sagen: ‚Naja…'“

Hoeneß: Streich für Bayern ein „irres Risiko“

...über den SC Freiburg und Christian Streich: „Ein Verein wie der SC Freiburg, wenn der mal in Schwierigkeiten käme, da würde ich hunderte Male hinfahren. Denn ich liebe diesen Verein, weil die alles so toll machen: Emotional, bescheiden und mit harter Arbeit. Ich hätte gerne mal den Streich bei Bayern München gesehen.

Hasan und ich haben darüber mal lange diskutiert. Aber wir haben am Ende doch nicht den Mut gehabt. Ich weiß nicht, ob es gut gegangen wäre. Für uns wäre es ein irres Risiko gewesen. Aber wie der Menschen führt, seine Spieler liebt und auch striezt, das ist schon erstaunlich.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Hoeneß schwärmt von aktueller Bayern-Mannschaft

...über die aktuelle Mannschaft des FC Bayern: „Wenn ich sehe, wie selbstbewusst unsere Mannschaft auf dem Platz und außerhalb auftritt, das ist die reine Freude. Mit Typen wie Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Serge Gnabry, Manuel Neuer, auch Robert Lewandowski auf seine Art. Die haben eine klare Meinung.

Aber das Wichtigste ist: Wenn man das Maul aufreißt, das finde ich gut, aber dann muss man am Samstag auch seine Leistung bringen. Das machen sie. Aber reißt man das Maul auf und bringt keine Leistung, dann ist das ein Problem. Aber wenn man seine Leistung zeigt, sich toll engagiert, Hunger bis zur letzten Minute zeigt, das ist der Idealzustand.“

Im Poker um Robert Lewandowski lässt sich niemand in die Karten schauen. Die Bayern planen noch keine konkreten Gespräche. Lewandowski selbst trifft einfach wie er will und macht so weiter Werbung für sich.
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...über seine verbalen Attacken: „Wenn ich attackiert habe, dann zu 98 Prozent, um den FC Bayern zu schützen. Bis heute rufe ich Journalisten an und beschimpfe sie. Wenn ich das Gefühl habe, dass der FC Bayern - oder Teile des Vereins, Spieler, Trainer und Vorstände – ungerecht behandelt werden, dann muss man mal was sagen.

Ich habe zum Beispiel den Lothar Matthäus kürzlich angerufen und gesagt: ‚Was hast du da eigentlich für einen Schwachsinn erzählt, dass der FC Bayern in der Breite der am schlechtesten aufgestellte Verein in der Bundesliga ist - von den Spitzenvereinen? Da habe ich ihn natürlich nach unserem 3:1 in Leipzig angerufen. Er hatte wenig Argumente.

Und wenn ich jetzt wieder die Entwicklung in der Champions League sehe. In Lissabon, ein sehr gutes Fußballspiel von beiden Seiten. Wer da noch bei uns auf der Bank hockt! Da kommt der Gnabry rein … Da denk ich mir: ‚Dieser Lothar!‘ Da will er mir erklären, dass wir in der Breite nicht gut aufgestellt sind. Dabei haben wir noch fünf Nationalspieler, die wir jederzeit einsetzen können. Und die anderen haben ein Problem.“

...über etwaige Provokationen: „Ich habe schon immer meine Meinung geäußert. Es war nicht so, dass ich mir morgens beim Frühstück überlegt habe, was ich raushaue. Aber manchmal, wenn es zu langweilig wurde, hat man schon mal provoziert.“

Warum Hoeneß Daum bewusst provoziert hat

...über seine Beziehung zu Willi Lemke und Christoph Daum: „Wenn wir gegen Werder Bremen gespielt haben, habe ich mich mit Lemke schon gerne mal angelegt, damit was los war. Oder auch mit Daum. Als der bei Leverkusen und vorher in Stuttgart schon richtig gut war, dann haben wir ihn provoziert, denn wenn er provoziert war, hat er Fehler gemacht. Dann hat er seine Mannschaft so nach vorne gepusht, dass wir sie auskontern konnten.“

...über Sebastian Deisler: „Er konnte nichts dafür. Er ist einfach krank gewesen. Das war ein Drama für uns. Kurz bevor er aufgehört hat, waren wir im Trainingslager in Dubai. Und jeden Abend um 10, halb 11, hat er mich angerufen und gesagt: ‚Herr Hoeneß, ich muss mit Ihnen sprechen!‘ Dann bin ich zu ihm aufs Zimmer. Jeden Abend. Weil er nicht mehr konnte.“

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...über Deisler, der riesige Summen gekostet hat: „Handgeld und 15 Millionen Euro Ablöse. Das war der größte Geldverlust für einen Spieler, den wir je hatten. Aber er kann ja nichts dafür. Das Ganze hat uns 50 Millionen gekostet.“

...über mögliches finanzielles Risiko bei Erling Haaland: „Kalkulierbare Risiken muss man machen, aber kein Harakiri.“ (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

...darüber, ob Haaland womöglich zu teuer ist: „Das weiß ich nicht. Ich kenne die Summen im Moment nicht. Man muss immer das Gesamtpaket sehen. Es geht nicht nur um die Ablösesumme: Es geht um Gehalt und Manager-Forderungen, die, wie ich gehört habe, relativ hoch sind. Insofern muss man das als Gesamtpaket sehen.

Dann muss es der Vorstand entscheiden und im Aufsichtsrat diskutieren. Aber ich weiß, dass da momentan überhaupt nichts Konkretes auf dem Tisch liegt. Also ich habe immer gesagt: Wenn ich überzeugt gewesen bin, dann bin ich auch große Risiken eingegangen, die auch schiefgehen können. Wo gehobelt wird, da fallen Späne.“

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