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„Damit macht sich Nagelsmann dann ja lächerlich“

„Damit macht sich Nagelsmann dann ja lächerlich“

SPORT1-Experte Stefan Effenberg beurteilt die Situation beim FC Bayern und um Coach Julian Nagelsmann. Auch zum BVB nach dessen Pleite gegen RB Leipzig äußert er sich.
Der FC Bayern München begeistert mit offensiven Tempo-Fußball. Almuth Schult erklärt das System von FCB-Trainer Julian Nagelsmann.
Stefan Effenberg
Stefan Effenberg
von Stefan Effenberg

Hallo Fußball-Freunde,

Borussia Dortmund hat taktische Fehler gemacht bei der Pleite im Topduell gegen RB Leipzig (1:2). Sie haben mit einer Fünferkette angefangen, später dann haben sie umgestellt auf eine Viererkette, was etwas besser geklappt hat.

Für mich ist diese Pleite unerklärlich, ich habe sie in der letzten Zeit stabiler gesehen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Natürlich kann man nun sagen: Erling Haaland fehlt. Aber auch mit Haaland haben sie nicht das Zeug, um den Titel mitzuspielen. Leipzig hat für mich auch das beste Saisonspiel gemacht, Dortmund dagegen war nicht wach.

So einfache Ballverluste auch im Zentrum, das darf dir einfach nicht passieren. Und wenn ich weiß, dass der Gegner mich unter Druck setzt, dann muss ich halt auch mal den langen Ball spielen.

Borussia Dortmund: Effenberg versteht Reus-Kritik

Was Marco Reus dazu hinterher gesagt hat, war dann auch zu 100 Prozent richtig (Kritik am System, mit einer Viererkette zu agieren, Anm. d. Red.). Dir fehlt dadurch eben einer im Mittelfeld, und das Dortmunder Spiel ist ja nun eben schnell nach vorn angelegt. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Das war eine klare Ansage von Reus in Richtung Rose. Wenn Rose sagt, dass Hazard einen guten Linksverteidiger abgegeben hat, dann muss ich sagen, da blutet mir das Herz. Wenn ich so einen kreativen Spieler als linken Verteidiger aufbiete - so einen stellst du doch nicht nach hinten.

Borussia Dortmund kassiert im Topspiel bei RB Leipzig eine hochverdiente Niederlage. Die Doppelpass-Runde geht hart mit der Leistung des BVB ins Gericht.
04:36
Effenberg: "BVB braucht Drecksäcke"

Der Titel ist für den BVB natürlich noch nicht weg, es sind ja nur vier Punkte Rückstand auf den FC Bayern. Aber wenn sie so weiterspielen, wird das nichts. Und dass Haaland enorm wichtig ist, das kann man nicht wegdiskutieren. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Wenn bei Bayern Lewandowski wegbricht, dann haben sie zumindest Choupo-Moting als Ersatz - so einen sehe ich in Dortmund aber nicht.

Im Kampf um die Meisterschaft sind erfahrene Spieler so wichtig, du brauchst eben auch mal Drecksäcke. Die haben die Dortmunder in der Breite aber nun einmal nicht, und wenn so viele Leute ausfallen, dann kannst du das nicht auffangen.

Effenberg: Welche Schwachstelle Bayern noch immer hat

Was die Liga-Dominanz der Bayern sowie die Rolle von Coach Julian Nagelsmann angeht, auch als Reaktion auf das Aus im DFB-Pokal: Für die Bayern war es ein perfektes Wochenende - sie schlagen mit dem SC Freiburg (2:1) den Tabellendritten und der Zweite Dortmund verliert.

Bayern spielt guten Fußball, aber eine Schwachstelle werden die Topteams in Europa noch aufdecken: Die Bayern bekommen immer noch relativ viele Gegentore.

Noch einmal: Julian Nagelsmann ist ein super Trainer. Aber gemessen wirst du bei den Bayern immer nur an Titeln, und das kann nur die Champions League sein.

Als Trainer musst du bei Bayern das Gespür finden, dass du es bei Bayern mit absoluten Weltklassespielern zu tun hast. Nagelsmann braucht einem Lewandowski nicht zu sagen: „Du pass auf, du musst jetzt im Strafraum das machen.“ Damit macht sich Nagelsmann dann ja lächerlich.

Vielleicht muss er das noch ein bisschen herausfinden, dann ist weniger manchmal mehr. Mit Hoffenheimer, Leipziger oder Frankfurter Spielern musst du da anders reden, denen musst du immer etwas an die Hand geben.

Der FC Bayern bezwingt den SC Freiburg im Top-Spiel. Leon Goretzka und Robert Lewandowski treffen zum Sieg. Einige Bayern-Fans fallen mit einem provokanten Plakat auf.
04:22
Pleite bei den Bayern - Streich nach Abpfiff fuchsteufelswild

Ein paar Worte am Ende noch zur weiteren Bayern-Konkurrenz und damit auch zu RB Leipzig und der Situation um Coach Jesse Marsch.

Die hohe Kunst ist: Du kannst nicht fünfmal weltklasse spielen und dann wieder unterirdisch. Du muss konstant gut sein, sonst rutschst du da oben auch ganz schnell wieder raus.

Bis bald,

Euer Stefan Effenberg

Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 gehört der 52-Jährige zum festen Experten-Team des STAHLWERK Doppelpass.

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