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Bundesliga: RB Leipzig vor Europa-Endspiel ohne Trainer und Sportdirektor

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Bundesliga: RB Leipzig vor Europa-Endspiel ohne Trainer und Sportdirektor

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Marsch-Aus: Verkennt Mintzlaff die Realität?

Marsch-Aus: Verkennt Mintzlaff die Realität?

RB Leipzig entlässt in der Krise Trainer Jesse Marsch. RB-Boss Oliver Mintzlaff sieht den Klub trotzdem bestens aufgestellt - verkennt er die Realität?
RB Leipzig kann auswärts weiterhin nicht gewinnen. Bei Union Berlin setzt es eine 1:2-Niederlage, wodurch die Krise bei den roten Bullen weiter verschärft wird.
Felix Kunkel
Felix Kunkel

Nach nur fünf Monaten ist die Ära Jesse Marsch bei RB Leipzig schon wieder Geschichte. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Bitter wiegt die Erkenntnis, dass es zwischen Trainer und Mannschaft nicht funkte, vor allem bei RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff.

„Wir sind mit großer Überzeugung in diese Saison gegangen, mit einem sehr guten Gefühl, einem tollen Kader und einem richtig guten Transferfenster“, stellte der Verantwortliche im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1 klar. „Es ist eine überragende Mannschaft, ein sehr guter Trainer, aber sie passen nicht zusammen.“

Letztlich sei Marsch auf die Führungsebene zugekommen und habe gesagt: „Ich weiß nicht, ob ich der richtige Trainer für diese Mannschaft bin und meine Spielphilosophie wirklich zu diesem fantastischen Kader passt“, erklärte Mintzlaff.

Marsch bei RB mit seiner Philosophie gescheitert

Es scheint, als sei die Lücke bei den Sachsen, welche der jetzige Bayern-Coach Julian Nagelsmann nach seinem Abgang hinterlassen hat, viel größer als befürchtet. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Marsch wollte mit RB - im Gegensatz zu Nagelsmanns Ballbesitzfußball - zum typischen Überfallfußball aus Rangnick-Zeiten zurückkehren. „Das hat nicht geklappt, weil die Mannschaft nicht bereit war, zu 100 Prozent dieser Überzeugung und diesen Matchplänen zu folgen“, erläuterte Mintzlaff.

Oliver Mintzlaff erklärt in der Schalte beim STAHLWERK Doppelpass, weshalb sich RB Leipzig letztendlich dazu entschieden hat, von Trainer Jesse Marsch zu trennen.
03:51
Mintzlaff begründet Marsch-Aus: "Wenn wir das so gewusst hätten ..."

Die Probleme zeigten sich bereits am ersten Spieltag, als RB mit voller Kapelle angeschlagenen Mainzern unterlag. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Wenige Monate später bestätigen 18 Punkte nach 14 Spielen, die geschrumpften Chancen auf einen Champions-League-Platz und das drohende Aus im Europacup den Abwärtstrend. Nach dem 2:1 über den BVB folgten in der Liga zuletzt drei Niederlagen in Serie, auswärts konnte Leipzig noch gar nicht gewinnen.

RB-Defensive deutlich anfälliger

So kommt in der Summe unweigerlich die Frage auf, ob der RB-Kader und die getätigten Transfers wirklich so gut sind, wie Mintzlaff stets behauptete.

Unbestritten ist, dass Akteure wie Christopher Nkunku, Dani Olmo oder Dominik Szoboszlai internationale Klasse besitzen. Zudem steht mit Peter Gulacsi ein ganz starker Rückhalt im Leipzig-Tor.

Aber gerade in der Defensive hat RB an Qualität eingebüßt. Kassierte Leipzig unter der Leitung von Nagelsmann noch die wenigsten Gegentore in der vergangenen Bundesliga-Saison (32), hat das Team jetzt schon mehr als halb so viele auf dem Konto.

Die Erklärung liegt auf der Hand: Mit Dayot Upamecano (FC Bayern) und Ibrahima Konaté (FC Liverpool) verließen beide Stamm-Innenverteidiger vor der aktuellen Saison den Klub. Der neuverpflichtete Josko Gvardiol zählt zwar zu den festen Größen in der RB-Abwehr, doch dem 19-Jährigen mangelt es an Erfahrung.

Leipzig-Kader ohne Sportdirektor supoptimal aufgestellt

Im Sturm beschäftigt die Verantwortlichen das umgekehrte Problem. Der vermeintliche Königstransfer André Silva (kam für 23 Millionen von Eintracht Frankfurt) besitzt die nötige Erfahrung, traf in der Liga jedoch erst dreimal ins Schwarze.

André Silva (Mitte) steht sinnbildlich für die Leipziger Krise
André Silva (Mitte) steht sinnbildlich für die Leipziger Krise

Es bleibt die Erkenntnis, dass der Kader nicht mehr für ein radikales Pressing aufgestellt ist. Dies wurde nicht nur sichtbar an Neuzugang Silva - auch Angelino war nur noch ein Schatten seiner selbst.

Könnte hier auch der fehlende Leipziger Sportdirektor eine Rolle spielen? Nach dem Abgang von Markus Krösche im Sommer nach Frankfurt holte der Klub keinen adäquaten Ersatz.

Mintzlaff, der auch einen Abschied von Kapitän Marcel Sabitzer nicht abwenden konnte, wehrte derartige Nachfragen ab: „Wir haben Top-Leute, die sich täglich mit der Mannschaft, dem Trainer und der sportlichen Weiterentwicklung beschäftigen.“

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass der Klub sehr wohl einen neuen Sportdirektor verpflichten möchte. „Wir haben einen Sportdirektor gefunden. Wenn die Zeit reif ist, werden wir ihn verkünden und dann wird er auch bei uns anfangen“, verriet Mintzlaff.

Ohne Cheftrainer ins Europa-Endspiel

Größeres Augenmerk dürfte nun auf der Trainersuche liegen, da RB keinen unmittelbarer Nachfolger für Marsch vorstellte.

„Wir führen jetzt in Ruhe Gespräche. Die nächsten beiden Spiele, möglicherweise auch bis zur Winterpause, wird Achim Beierlorzer interimsweise übernehmen“, erklärte Mintzlaff. Der Geschäftsführer geht davon aus, dass die Sachsen spätestens bis zur Rückrunde einen neuen Cheftrainer präsentieren können.

Da kommt das Europa-Endspiel gegen Manchester City zur Unzeit (Champions League: RB Leipzig - Manchester City, Dienstag ab 18.45 Uhr im LIVETICKER). Die K.o.-Phase in der Champions League ist bereits außer Reichweite, dafür kämpfen die Roten Bullen am Dienstag noch um ein Überwintern in der Europa League.

Letztlich könnte ein Verfehlen der Saisonziele drastische Folgen haben. Nkunku & Co. besitzen den Anspruch, regelmäßig international zu spielen. Sollte diese Möglichkeit in Leipzig nicht mehr gegeben sein, dann steht im nächsten Sommer eventuell der nächste Umbruch bevor.

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