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Bundesliga: Schiedsrichter und VAR bei Bayern und Stuttgart in der Kritik - Schiri-Boss Fröhlich bezieht Stellung

Wieder Ärger! Schiri-Boss bezieht Stellung

Auch an diesem Bundesliga-Wochenende sorgen fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen für Irritationen. Der Schiri-Boss bezieht im Doppelpass Stellung.
Nach seinen Entscheidungen beim Spiel zwischen dem BVB und Bayern musste sich Schiedsrichter Felix Zwayer heftige Kritik gefallen lassen. Sein zuständiger Chef beim DFB äußert sich zu seiner Zukunft.
Auch an diesem Bundesliga-Wochenende sorgen fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen für Irritationen. Der Schiri-Boss bezieht im Doppelpass Stellung.

Auch der 15. Spieltag in der Bundesliga hatte wieder jede Menge Aufreger zu bieten – und einmal mehr standen die Schiedsrichter im Fokus.

Kaum hat sich der Rauch vom Spieltag zuvor um das Spitzenspiel Borussia Dortmund gegen den FC Bayern sowie die umstrittenen Entscheidungen von Referee Felix Zwayer verzogen, waren eine Woche später erneut die Münchner beteiligt, aber auch in Wolfsburg gab es eine strittige Szene.

SPORT1 nimmt die Vorfälle genauer unter die Lupe. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Tatort Wolfsburg

In der vierten Minute der Nachspielzeit schoss sich der Stuttgarter Pascal Stenzel beim Stand von 2:0 für die Schwaben den Ball an der Strafraumgrenze selbst gegen den ausgestreckten Arm, ehe er im Anschluss den Wolfsburger Lukas Nmecha zu Fall brachte.

Schiedsrichter Sascha Stegemann ahndete keins der beiden Vergehen, auch der Videoassistent griff nicht ein.

Aber warum nicht? Schiri-Boss Lutz Michael Fröhlich, für den es „unzweifelhaft ist, dass wir da ein Foulspiel gesehen haben“, klärte im STAHLWERK Doppelpass bei SPORT1 bezüglich des Handspiels auf.

„Wir haben eine Veränderung des Regeltextes in dieser Saison im Bereich des Handspiels, und da schauen wir uns mal den Bewegungsablauf an“, führte Fröhlich aus. „Im letzten Jahr, vielleicht auch in der Vergangenheit, hätte man gesagt, der Arm ist weit vom Körper abgespreizt, und deswegen ist es Handspiel. Soll ja nicht mehr sein, sondern der Bewegungsablauf soll im Zentrum der Bewertung stehen.“

Im Stuttgarter Fall sei es „zwar ein abgespreizter Arm, ich finde es aber noch akzeptabel, dass man diesen Vorgang als kein absichtliches Handspiel und keinen unnatürlichen Bewegungsablauf zum normalen Körper-Movement bewertet“, fügte Fröhlich hinzu.

Effenberg hätte Elfmeter gegeben

Anderer Meinung war dagegen SPORT1-Experte Stefan Effenberg, der „in dieser Situation“ einen Elfmeter gegeben hätte.

Auch vor einer Woche in Dortmund hatte es großen Ärger nach einem Handspiel gegeben.

Der Dortmunder Mats Hummels war nach einer Ecke – wenn auch unabsichtlich und ohne hinzusehen – mit dem Ellbogen zum Ball gegangen.

Zwayer entschied daraufhin – aber erst nach Studium der Video-Bilder – auf Strafstoß, den die Bayern zum 3:2-Sieg verwandelten.

Zwei nachvollziehbare Entscheidungen, aber mit einem gewaltigen Unterschied: Während Zwayer auf die Video-Bilder zurückgriff, passierte in Wolfsburg nichts dergleichen.

Genauso wenig in München, was jede Menge Unverständnis und Irritationen hervorrief.

Tatort München

Was war passiert? In der 19. Minute gab es in der Partie zwischen den Bayern und dem FSV Mainz 05 einen klaren Kontakt im Strafraum der Münchner beim Duell zwischen Dayot Upamecano und dem Mainzer Jae-Sung Lee.

Dass sich der Videoassistent bei diesem „klaren Elfmeter“ nicht eingeschaltet hatte, konnte Mainz-Trainer Bo Svensson überhaupt nicht fassen. Er könne verstehen, dass Schiedsrichter Benjamin Cortus die Szene „im Spiel mit dem Tempo“ als nicht strafstoßwürdig bewertet habe.

Allerdings sei der VAR ja genau dafür da, um dann einzugreifen. „Dass der Schiri das nicht nochmal anschaut, das verstehe ich nicht“, schimpfte der Däne: „Es ist keine schwer zu bewertende Szene.“

Svensson erläuterte, dass er im Spiel nur deshalb nicht allzu laut protestiert hatte, „weil ich 70 Meter weg war. Hätte ich die Wiederholung gesehen, wie der liebe Schiri im Videoraum, wäre es schwer gewesen für mich, ohne Gelbe Karte rauszukommen.“

Unterstützung bekam Svensson im STAHLWERK Doppelpass von Effenberg.

„Es war ein klarer Kontakt, daher ein klarer Elfer“, betonte der SPORT1-Experte. „Das zeigt auch der Gesichtsausdruck von Upamecano: Der weiß, dass es Elfer gibt, wenn sich der Keller meldet. Es war ein klarer Kontakt am Fuß. Daher muss man das unterbinden. Das ist ein klarer Elfmeter.“

Bungert wünscht sich proaktive Schiedsrichter

Niko Bungert, langjähriger Kapitän der Mainzer und inzwischen Vereinsbotschafter, plädierte im STAHLWERK Doppelpass vor allem dafür, dass sich Schiedsrichter fragwürdige Szenen selbst noch mal anschauen.

„Es muss eine Gesetzmäßigkeit geben“, sagte Bungert. „Dann macht man es allen Beteiligten leichter. Wenn es einen Kontakt gibt, soll sich der Schiedsrichter das draußen nochmal anschauen können. Das macht es auch den Unparteiischen leichter. Mittlerweile ist der VAR auch deutlich etablierter. Eins bis zwei Pausen pro Spiel tun den Leuten nicht mehr so weh wie zur Einführung des VAR.“

Auch Fröhlich ist nicht entgangen, dass der Ruf lauter geworden ist, dass sich Schiedsrichter mit Hilfe des Videostudiums selbst ein Bild von fragwürdigen Szenen machen sollten.

„Vor ein, zwei Jahren hatten wir die Diskussion, die Schiedsrichter schauen sich zu viel an, da wird viel zu viel interveniert“, betonte Fröhlich. „Im Moment haben wir einen Trend, dass es mehr akzeptiert wird, wenn die Schiedsrichter rausgehen. Es ist ein neuer Trend, wir nehmen das mal so auf. Dann schauen wir, wie wir damit umgehen. Aber ein Restrisiko besteht immer.“

Denn: Irren ist einfach menschlich.

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