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Bundesliga: Thomas Reis im Leadertalk von Mounir Zitouni über seine Arbeit beim VfL Bochum

Heynckes? „Das fand ich sensationell“

Thomas Reis ist aktuell Trainer beim VfL Bochum. Im SPORT1-Podcast „Leadertalk“ mit Mounir Zitouni spricht der ehemalige Verteidiger über seine Arbeit dort und seine Erfahrungen mit Jupp Heynckes.
Thomas Reis hat den VfL Bochum in die Bundesliga zurückgeführt
Thomas Reis hat den VfL Bochum in die Bundesliga zurückgeführt
© Imago
Thomas Reis ist aktuell Trainer beim VfL Bochum. Im SPORT1-Podcast „Leadertalk“ mit Mounir Zitouni spricht der ehemalige Verteidiger über seine Arbeit dort und seine Erfahrungen mit Jupp Heynckes.

Mittlerweile 20 Jahre hat Thomas Reis bis heute für den VfL Bochum als Spieler und Trainer gearbeitet. Der Ex-Profi, der mit Bochum als Aktiver dreimal ins Oberhaus aufgestiegen ist, ist wie kaum ein anderer mit dem VfL verbandelt. Nun hat der 48-Jährige auch als Trainer das Team ins Oberhaus geführt, wo der VfL weiter für Furore sorgt. Reis geht voran, hat klare Führungsprinzipien und ehrgeizige Ziele. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Über all das, aber auch über ein besonderes Tattoo, weshalb er nicht weinen kann und was er von Jupp Heynckes als Trainer lernte, darüber redet der 48-Jährige mit Business-Coach und Autor Mounir Zitouni in der neuen Folge von Leadertalk.

Reis: Eine hohe Zielsetzung ist wichtig

Nach elf Jahren ist der VfL Bochum zurück im Oberhaus. Für Thomas Reis ist der weitere Erfolg nicht selbstverständlich. „Wir sind der David in dieser Liga. Wir waren elf Jahre nicht in dieser Liga. Da müssen wir erst einmal wieder ankommen. Dass wir wieder Niederlagen erleben und damit umgehen, ist ein Lernprozess. In der 2. Liga waren wir es ja gar nicht mehr gewohnt zu verlieren. Ich bezeichne die Mannschaft plus die Fans als eine Familie. Wir wollen das Wunder erleben. Das wäre der Klassenerhalt. Da ist es wichtig, dass die Mannschaft weiß, wir können das. Aber es ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt der Cheftrainer.

Als Reis 2019 den Verein im Tabellenkeller der 2. Liga übernahm, deutete nicht viel daraufhin, dass Bochum bald wieder Erfolgsgeschichten schreiben könnte. „Ich bin einer, der hohe Erwartungen an sich selber hat. Und ich habe bei meiner Antrittsrede gesagt, dass ich den VfL Bochum dorthin bringen will, wo er mal war.“

Zielsetzungen sind für den Trainer wichtig. „Ich habe mir mein Motto tätowieren lassen: Setze deine Ziele hoch und höre nicht eher auf, bis du dort ankommst“, erzählt Reis.

Umso schöner, dass 2021 der Aufstieg gelang. „Der Aufstieg nach elf Jahren war einfach fantastisch, weil viele Trainer mit ihren Mannschaften besser waren. Du hast tolle Spieler beim VfL gehabt, wo der Aufstieg nicht geklappt hat, auch gute Trainer. Und dann kommt der Trainernovize Thomas Reis und schafft mit einer Mannschaft, die super zusammengewachsen ist, etwas, woran keiner mehr geglaubt hat.“

Nach außen wirkt Reis robust, das hat sich der Ex-Profi in all den Jahren auch angeeignet. „Ich als Trainer darf keine Probleme haben, ich muss immer funktionieren. Du kannst dir keine Schwächephase gönnen. Das ist so in dem Geschäft“, stellt Reis fest.

„Meine Frau würde sagen, dass ich alles in mich reinfresse. Ich bin ein Typ, der vieles mit sich selber ausmacht“, gibt sich Reis sehr persönlich. „Als Trainer ist es schwierig, wenn private Dinge sind, wenn man Schwächephasen hat. Ich bin auch keiner, der viel weinen kann. Ich kann das einfach nicht. Ich versuche das anders zu verarbeiten. Ich gehe eine Runde joggen und versuche da dann ein wenig Dampf abzulassen.“(DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Was Reis von Heynckes mitgenommen hat

Für die gemeinsame Arbeit mit seinen Spielern wünscht er sich vor allem einen respektvollen Umgang. „Das Wichtigste ist, dass man ehrlich miteinander umgeht. Die Gespräche mit den Spielern nehmen mehr Zeit in Anspruch als das eigentliche Training“, berichtet Reis. Nicht ohne Grund.

„Du bist für die Jungs eine Art Vaterfigur. Sie werden von dir gelobt, sie werden von dir getadelt. Da ist es schon wichtig, dass man versucht, alle irgendwo gleich zu behandeln.“ Auf die Spieler einzugehen, ist einer der Schlüssel für einen guten Teamgeist. So ist Reis überzeugt.

„Zu meiner Zeit als Spieler hat es keinen interessiert, ob du zu Hause Probleme hattest oder ob irgendetwas war. Du musstest Leistung auf dem Platz bringen. In der heutigen Zeit sind die Spieler viel sensibler geworden. Das sind sensible Rennpferdchen, die du immer wieder streicheln musst. Natürlich will ich die Leistung auf dem Platz sehen. Aber es gibt immer wieder Situationen, wo der eine mental nicht so auf der Höhe ist oder hat einfach eine Blockade drin. Und wenn ich dann weiß, dass da was ist, wo ich dem Spieler helfen kann, dann bin ich einfach froh, dass sie sich öffnerlich sind. Dann bin ich als Trainer dankbar. Dann kann ich gewisse Dinge, gewisse Trainingsleistungen anders einschätzen.“

Viel mitgenommen hat Reis von einem seiner ersten Trainer im Profigeschäft, Jupp Heynckes, einst in Frankfurt. „Ich war ein junger Spieler ohne Einsatzminute und musste operiert werden und er war am zweiten Tag bei mir im Krankenhaus. Das hat mich so fasziniert von einem Welttrainer, wie er mit mir umgegangen ist. Das fand ich sensationell. Das ist 30 Jahre her, aber das ist so im Kopf geblieben, weil es einfach eine besondere Geste war. Deswegen versuche ich, wenn ein Spieler verletzt ist, Kontakt zu halten. Das ist meine Art.“(DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Mounir Zitouni (51) war von 2005 bis 2018 Redakteur beim kicker und arbeitet seitdem als Businesscoach, betreut Sportler, Trainer und Führungskräfte in punkto Auftreten, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Der ehemalige Profifußballer (OFC, SV Wehen, FSV Frankfurt, Esperance Tunis) hat zuletzt die Autobiographie von Dieter Müller verfasst und veröffentlicht regelmäßig eine Kolumne auf www.sport1.de. Kontakt: Mounir Zitouni mail@mounir-zitouni.de 0152 5198 5995

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