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Kobel als Dortmunder X-Faktor

Kobel als Dortmunder X-Faktor

Mit Gregor Kobel hat Borussia Dortmund einen starken Rückhalt gefunden. Nun kann der Schweizer beweisen, dass er der adäquate Nachfolger für Manuel Neuer ist.
BVB-Neuzugang Gregor Kobel überzeugt bisher vollends als neue Nummer eins bei den Schwarz-Gelben. Seine besten Paraden und Flugshows im Video.
Patrick Berger
Patrick Berger
von Patrick Berger

Ein kurzer Blick nach oben genügte. Joshua Kimmich sah, dass Roman Bürki einen Tick zu weit vor dem Dortmunder Tor stand. Der Bayern-Star setzte folglich zu einem sanften Weitschuss-Lupfer an und erzielte das entscheidende 1:0. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

An jenem 26. Mai 2020, sechs Spieltage vor Schluss, brachte der Geniestreich die Vorentscheidung in der Saison 2019/2020 im Kampf um die Meisterschaft.

Damals reifte der Gedanke bei den BVB-Bossen, dass es mit Bürki im Kasten für den ganzen großen Coup offenbar nicht reicht. Zu oft griff der Schlussmann, der auf der Linie durchaus starke Reflexe zeigte, in all den Jahren daneben. In der darauffolgenden Saison sollte er in den Duellen gegen Leverkusen und Gladbach patzen und letztlich seinen Stammplatz verlieren.

Seither ist Bürki nur noch Torhüter Nummer 3 und soll im Winter nach Möglichkeit als einziger Akteur im aktuellen BVB-Kader abgegeben werden, wie Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Donnerstag auf der Jahreshauptversammlung bestätigte. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Zorc schwärmt von BVB-Keeper Kobel

Mit Gregor Kobel haben die Dortmunder mittlerweile einen starken Rückhalt gefunden. Der Schweizer, den der BVB im Sommer für 15 Millionen Euro aus Stuttgart holte und mit einem Vertrag bis 2026 ausstattete, kann zum x-Faktor im Liga-Gipfel am Samstagabend werden.

„Gregor hat vom ersten Tag an mit seinem Auftreten und seiner Leistung gezeigt, warum wir ihn verpflichtet haben“, schwärmte Manager Michael Zorc im exklusiven SPORT1-Interview. „Er verkörpert mit seiner positiven Körpersprache einen unbändigen Siegeswillen. Er ist ein Spielertyp, der uns unheimlich guttut.“

Interviewtermin mit Gregor Kobel: SPORT1-Chefreporter Patrick Berger trifft den BVB-Torhüter zwei Tage nach dem Ajax-Debakel.
02:53
Mentalitätsproblem beim BVB? Das sagt Kobel

Ist Kobel wirklich das letzte fehlende Mosaiksteinchen, um den Bayern endlich mal wieder ein Schnippchen zu schlagen?

Seit sechs Pflichtspielen wartet der BVB auf einen Sieg gegen den Rivalen. Schlimmer noch: In den letzten 14 Ligaspielen gab es nur zwei Siege für die Borussia. „Wir wollen alle hier in Dortmund wollen am Samstagabend Tabellenführer sein“, sehnt sich Zorc nach einem Achtungserfolg (Bundesliga: BVB - FC Bayern, Samstag ab 18.30 Uhr im LIVETICKER).

Kobel genießt hohes Ansehen beim BVB

Dazu beitragen soll auch Kobel. Der 23 Jahre alte Schlussmann wächst immer mehr in die Rolle des Führungsspielers hinein. Er genießt ein hohes Ansehen bei den Teamkollegen, eckt durch sein forsches und selbstbewusstes Auftreten allerdings auch an.

Nach unnötigen Gegentoren wird er in der Kabine schon mal deutlich. Dass er in dieser Bundesliga-Saison erst einmal zu Null spielen konnte, wurmt den ehrgeizigen Schlussmann gewaltig.

Die Sieger-Mentalität und die Leistungen veranlassten die beiden Ex-Bayern-Spieler und heutige Experten Lothar Matthäus und Stefan Effenberg dazu, Kobel als potenziellen Nachfolger des 35 Jahre alten Manuel Neuer (Vertrag läuft 2023 aus) beim FC Bayern ins Gespräch zu bringen.

Neuer und Kobel im Datencheck gleichauf

Hat Kobel wirklich das Zeug dazu? Mit 71 Prozent abgewehrter Bälle ist der Ex-Stuttgarter (erst ein Zu-Null-Spiel in der Liga) laut Datendienstleister deltatre gleichauf mit Neuer (vier Zu-Null-Spiele). Damit liegen die beiden Keeper zwar über dem Ligaschnitt, jedoch sind sieben andere Stammtorhüter aktuell besser.

„Wir können uns in allen Bereichen verbessern, auch ich“, findet Kobel. „Ich bin sehr selbstkritisch und arbeite täglich hart an mir. Wir wissen, dass wir zu viele Gegentore bekommen haben. Das sprechen wir auch intern an.“

In welchem Punkt Kobel momentan die Nase vor Neuer hat: Der BVB-Torwart vereitelte fünf der 16 gegnerischen Großchancen und ist hinter Bochums Manuel Riemann und Gladbachs Yann Sommer ligaweit auf Rang drei. Neuer hat bislang nur zwei von neun Mega-Chancen verhindert.

„Greg ist ein hervorragender Torhüter“, schwärmte Trainer Marco Rose am Freitag. „Er hat eine große Zukunft vor sich, wenn er gesund bleibt. Er gibt uns jetzt schon sehr viel, ist auf der Linie gut und top im Eins-gegen-Eins.“

Verbessern müsse sich Kobel allerdings im Spiel mit dem Ball. Mit einer Quote von 45 Prozent bei angekommenen, langen Pässen ist Neuer zurzeit besser als Kobel, der bei 34 Prozent liegt. „Daran arbeitet er“, sagt Rose. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Rose: „Kobel gehört die Zukunft“

Auf die Frage nach der möglichen Neuer-Nachfolge sagte Rose: „Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Am Ende geht es immer um Leistung und da ist Manuel Neuer noch auf absolutem Top-Niveau, aber Manu wird auch nicht jünger – deswegen: Greg gehört sicherlich die Zukunft.“

Kobel selbst sagte vor einigen Wochen im SPORT1-Interview, dass es „natürlich eine Riesenehre“ und „ein großes Lob“ sei, in einem Atemzug mit Neuer genannt zu werden. „Ich setze mich aber so wenig wie möglich damit auseinander. Worte bringen mich nicht weiter. Ich konzentriere mich auf mich und meine Leistung hier in Dortmund. Für mich geht es darum. Jedes Wochenende eine geile Leistung zu zeigen und mit diesem geilen Team Spiele zu gewinnen.“

Das will er freilich auch am Samstag. Mit einem erneuten Heimsieg (Kobel hat in der Liga zu Hause noch nicht verloren mit dem BVB) könnte sich der 1,94-Meter-Hüne selbst ein großes Geschenk machen. Am Sonntag feiert Gregor Kobel nämlich seinen 24. Geburtstag.

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