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VfL Wolfsburg vor der Woche der Wahrheit - Kolumne von Tobias Holtkamp

Der Ursprung allen Wolfsburger Übels

Der VfL Wolfsburg steht vor einer Woche der Wahrheit in der Bundesliga, findet SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.
Tobias Holtkamp über den VfL Wolfsburg
Tobias Holtkamp über den VfL Wolfsburg
© SPORT1/Imago
Der VfL Wolfsburg steht vor einer Woche der Wahrheit in der Bundesliga, findet SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.

Kurz vor Weihnachten stürzt der VfL Wolfsburg noch in eine Woche der Wahrheit. Tatsächlich sind es nur vier Tage, Dienstag Heimspiel gegen Köln, Freitag der Jahresabschluss beim FC Bayern.

Dass der Verein aus der VW-Stadt einen Kader hat, der, also theoretisch, beide Spiele gewinnen kann, das sehen nicht nur die VfL-Verantwortlichen so.

Eine missratene Entwicklung

Dass ausgerechnet dieser Kader im Laufe der vergangenen Wochen aber zu einem großen Problemfall wurde, dass wissen und spüren sie genauso. Es wird auch jedem Beobachter klar, der sich die vergangenen Wolfsburger Wochen etwas näher angeschaut hat. Drei Bundesliga-Niederlagen nacheinander, raus aus Champions League - als Gruppenletzter.

Jörg Schmadtke, der mächtige Fußball-Chef der VfL, hat seine Sorgen intern zuletzt sehr deutlich auf den Punkt gebracht. Und im engsten Kreise schon Anpassungen angekündigt, die sehr schnell auch in Spielerkreisen Thema wurden.(DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Der Auftritt gegen Köln, so heißt es in Wolfsburg, wird zur großen Prüfung. Was den Charakter betrifft, wer schmeißt sich wie rein, jetzt, wo es sehr ungemütlich wird. Aber auch, was den Druck betrifft. Wer kann umgehen mit dieser Situation? Wer fordert den Ball, zeigt sich, übernimmt Verantwortung und versucht alles - statt sich weiter wegzuducken. Es war erschreckend, als was für ein Scherbenhaufen sich die teuren VfL-Stars zuletzt präsentierten.

Philipp Förster vom Gegner Stuttgart traute am Samstag seinen Augen kaum. Die Wolfsburger, beschrieb er nach dem Spiel (2:0), waren „überhaupt nicht anwesend. Sie haben gar keine Gegenwehr gezeigt.“ Das sei doch, sagte Förster noch, „für einen Verein wie den VfL Wolfsburg zu wenig.“

Eine treffende Analyse, direkt vom Platz, die auch Schmadtke teilte. Völlig konsterniert stellte er fest, im Mini-Studio des ZDF, dass der nächste Wolfsburger Entwicklungsschritt, den sie in dieser Saison gehen wollten, „missraten“ sei. Da könne man „nicht drumherum reden“.

Doch, und das ist entscheidend, denn es zeigt die Besonderheit des Wolfsburger Einbruchs: Schmadtke sieht den Ursprung allen Übels auf seiner Seite, die schwierige Lage basiere auf einem „Planungsfehler“ - dessen Korrektur, das wird hart für die VfL-Fans, nun einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Kohfeldt trifft keine Schuld

Florian Kohfeldt, der von Mark van Bommel das Traineramt vor ein paar Wochen übernommen hatte, sei laut Schmadtke „nicht verantwortlich für das, was gerade passiert“. Er müssen „Dinge ausbaden, die er nicht zu verantworten hat“.(NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Diese Einsicht und seine Haltung ehren Schmadtke - auch wenn das dem VfL Wolfsburg in dieser Saison kaum noch helfen wird. Die Leistungsbereitschaft im Kader, unter Spielern, die mit großen Flutlichtnächten in der Champions League und Kampf um Titel geködert wurden, wieder hochzufahren, jetzt, nachdem die Luft auf einmal raus war, ist eine brutal schwierige Aufgabe.

Es braucht da einen Neustart, sicher im Sommer, wenn die Tabelle wieder auf null gestellt wird, vielleicht gelingt es auch über den Jahreswechsel, in der kurzen Winterpause. Schmadtke arbeitet mit Hochdruck daran. Zwei starke Leistungen in der Woche der Wolfsburger Wahrheit wären extrem wichtig, um vielleicht doch noch Kontakt zu bekommen an die vorderen Plätze. Aber vor allem, um sich selbst zu zeigen, dass sie es ja doch können - wenn sie denn wollen. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Ja, wenn sie denn wollen...

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Kolumnist die wöchentliche „Bundesliga-Kolumne“.

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