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Warum Gerland bei Wanner Druck machte

Warum Gerland bei Wanner Druck machte

Mit seinem Einsatz gegen Borussia Mönchengladbach avanciert Paul Wanner zum jüngsten Bundesliga-Profi des FC Bayern. Wer der 16-Jährige ist, was ihn auszeichnet und warum die FCB-Bosse jetzt unter Zugzwang geraten – der große Wanner-Report.
Gladbach hat sich erneut gegen Bayern durchgesetzt und mit 2:1 in München gewonnen. Durch das Corona-Chaos der Münchner kam es zum Bundesliga-Debüt des 16-jährigen Paul Wanner.
Kerry Hau
Kerry Hau
von Kerry Hau

Diesen Start ins neue Jahr hätte sich Paul Wanner nicht einmal in seinen kühnsten Träumen vorgestellt!

Am Dienstag brach der Nachwuchsspieler des FC Bayern noch mit der U17-Auswahl des DFB ins Trainingslager nach San Pedro del Pinatar in Andalusien auf, drei Tage darauf feierte er sein Bundesliga-Debüt für die coronabedingt dezimierte Profimannschaft von Julian Nagelsmann. (BERICHT: Wanner wird zum neuen Bayern-Rekordyoungster)

Der Bayern-Coach wechselte den 16 Jahre und 15 Tage alten Teenager bei der 1:2-Heimpleite gegen Gladbach in der 75. Minute für Marc Roca ein – und machte ihn damit vor Jamal Musiala (17 Jahre, 115 Tage) zum jüngsten Bundesliga-Profi der Vereinshistorie. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Ligaweit war nur Borussia Dortmunds Youssoufa Moukoko (16 Jahre, 1 Tag) bei seinem ersten Einsatz im deutschen Fußball-Oberhaus jünger als Wanner.

Nagelsmann schwärmt von Rekord-Teenie Wanner

„Paul ist ein unfassbares Talent“, schwärmte Nagelsmann hinterher vom Debütanten. Wanner sei „sehr schnell, sehr ballsicher“ und vor allem: „mutig“. Das habe seine erste Aktion, ein erfolgreiches Dribbling auf der rechten Außenbahn, gezeigt.

Die Bayern müssen aufgrund einer Vielzahl von positiven Corona-Fällen im Team erfinderisch werden. Die Bayern-Bosse lassen daher vor dem Spiel in Gladbach extra zwei 16-Jährige Youngster einfliegen.
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Ibrahimovic ist da: Hier landen Bayerns Youngster

Einen ähnlichen Eindruck hatte der offensiv variabel einsetzbare Linksfuß nach SPORT1-Informationen auch im einstündigen Abschlusstraining am Donnerstag hinterlassen, nachdem er gemeinsam mit Campus-Kollege Arijon Ibrahimovic (ebenfalls 16) am frühen Morgen aus Madrid eingeflogen worden war. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Deshalb plante Nagelsmann die Einwechslung bereits im Vorfeld - eine spontane Idee war das Rekord-Debüt, so unverhofft es wegen der vielen Ausfälle auch zustande kam, nicht!

„Er ist ein Spieler, den ich auf dem Schirm habe“, stellte der 34-Jährige klar und berichtete, Wanner bereits mehrere Male zum Training eingeladen zu haben. Zugleich warnte der Trainer den Youngster aber auch. Er müsse „klar im Kopf bleiben“, dann würden ihm „Tür und Tor offenstehen“.

Wanner-Förderer: „Ruhig, bodenständig, fokussiert“

Doch kann der Gymnasiast (10. Klasse) bei all dem plötzlichen Wirbel um seine Person klar bleiben?

„Ja“, ist sich Alexander Moj sicher. Der Trainer der U17 des Rekordmeisters erklärt im Gespräch mit SPORT1: „Paul ist ein ruhiger, bodenständiger und absolut fokussierter Junge. Er weiß, was er will und arbeitet extrem hart für seine Ziele – ein Wettkampftyp, der Herausforderungen liebt. Daneben hat er ein gutes Umfeld und eine super Familie.“

Mit 16 Jahren und 15 Tagen debütiert Paul Wanner für den FC Bayern gegen Gladbach und überzeugt direkt. Trainer Julian Nagelsmann schwärmt nach dem Spiel vom Rekord-Youngster.
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Nagelsmann schwärmt: "Ihm stehen Tür und Tor offen!"

Kaum ein Jugendtrainer am Bayern-Campus kennt Wanner so gut wie Moj. Er beobachtete das aus Amtszell im Allgäu stammenden Talent bereits in der U10 des FV Ravensburg, ehe er bei dessen Wechsel ins Münchner NLZ im Jahr 2018 mitwirkte und ihn daraufhin drei Jahre lang – von der U14 bis zur U16 – trainierte.

„Paul ist sehr kreativ und intuitiv in seinen Aktionen. Seine Technik, vor allem sein erster Kontakt, und das Eins-gegen-Eins sind seine größten Waffen. Typ Straßenkicker“, sagt der Förderer und kündigt an: „Ich werde seinen Weg weiter gespannt verfolgen.“

Wie Musiala: Gerland schwärmt von Wanner

Allerdings ist unklar, ob sich dieser Weg auch beim FC Bayern fortsetzt.

Fakt ist: Bis auf Musiala konnte sich in den vergangenen Jahren kein Offensivspieler aus den eigenen Reihen nachhaltig bei den Profis behaupten. Fakt ist auch: Wanners Ausbildungsvertrag läuft nur noch bis zum 30. Juni.

Das ruft zwangsläufig andere Vereine aus der Bundesliga auf den Plan – die Bayern geraten spätestens seit Wanners unerwartetem Debüt unter Zugzwang! Die zentrale Frage in den kommenden Monaten: Können sie Wanner ähnlich wie Musiala eine klare Perspektive aufzeigen? (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

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Campus-Chef Jochen Sauer ist schon seit Saisonbeginn in der Spur und versucht, das Talent langfristig zu binden – nicht zuletzt auf Empfehlung von Nachwuchsguru Hermann Gerland hin.

SPORT1 weiß: Der „Tiger“ höchstpersönlich machte vor seinem Abschied zum DFB im Sommer als eine seiner letzten Amtshandlungen intern klar, dass es sich bei Wanner um ein ähnliches Ausnahmetalent wie Musiala handele und der Verein ihn unbedingt hochziehen müsse.

Hermann Gerland kritisiert die deutschen Nachwuchsleistungszentren und spricht sich für eine verstärkte Ausbildung von Dribblern im Nachwuchs aus - auch beim FC Bayern!
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"Roboterfußball!" Darum ist Gerlands Bayern-Kritik richtig

Kampf um Wanner: Salihamidzic und Neppe in der Spur

Kein Wunder also, dass sich auch die Kaderplaner an der Säbener Straße um Hasan Salihamidzic und Marco Neppe längst bei der Personalie Wanner eingeschaltet haben. Insbesondere Musiala-Entdecker Neppe zeigt sich von dem Spieler begeistert und pocht im Hintergrund vehement auf eine Verlängerung.

Den Bayern-Bossen ist klar: Wanner könnte zum ersten Eigengewächs aus der Region seit Thomas Müller werden, das den Sprung zu den Profis schafft.

Da seine Mutter Österreicherin ist, würde auch ein Hauch David Alaba an die Säbener zurückkehren. Nagelsmann bezeichnete Wanner schon vor dessen Einsatz gegen Gladbach als Spieler, „den wir fördern müssen“.

So überrascht es nicht, dass der Newcomer nach SPORT1-Informationen auch für das Profitraining in der kommenden Woche eingeplant ist. Ein Kaderplatz für das anstehende Bundesliga-Spiel beim 1. FC Köln am 15. Januar? Möglich – erst recht aufgrund der dünnen Personaldecke im Nagelsmann-Kader.

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