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Als in Hamburg die Lichter ausgingen: Der erste Abstieg des Hamburger SV in die 2. Bundesliga

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Als in Hamburg die Lichter ausgingen: Der erste Abstieg des Hamburger SV in die 2. Bundesliga

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Schwarzer Tag in der HSV-Historie

Schwarzer Tag in der HSV-Historie

Nach über 54 Jahren steigt der Hamburger SV zum ersten Mal aus der Bundesliga ab. SPORT1 blickt auf ersten Abstieg des Bundesliga-Dinos zurück.
12. Mai 2008: Der Hamburger SV steigt zum ersten Mal aus der Bundesliga ab. Ein Abschied, der von Krawallen überschattet wird.
Udo Muras
Udo Muras

Als das Undenkbare Realität wurde, stieg im Hamburger Volksparkstadion schwarzer Rauch auf. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Ein sichtbares Zeichen des Unmutes im Fan-Block, das für einen massiven Polizeieinsatz und eine sechzehnminütige Spielunterbrechung am 12. Mai 2018 im Heimspiel des HSV gegen Borussia Mönchengladbach sorgte.

Und doch nichts mehr daran änderte, dass Nummer 1866 das vorläufig letzte Bundesliga-Spiel des „Dinos“ sein sollte, der nach 54 Jahren, 261 Tagen, 36 Minuten und zehn Sekunden nun keiner mehr war.

Um 17.36 Uhr war das Spiel zu Ende und trotz des 2:1-Sieges gab es nichts zu feiern für die Hamburger, weil sich der VfL Wolfsburg gegen den bereits feststehenden Absteiger 1. FC Köln erwartungsgemäß den Relegationsplatz sicherte.

Dort landete der HSV zuvor auch zweimal (2014 und 2015) und nach einem ruhigeren Jahr (10. Platz) ging es 2017 weiter mit dem Abstiegskrimi: Ein Tor von Luca Waldschmidt brachte am letzten Spieltag (2:1 gegen Wolfsburg) die Rettung (Platz 14).

HSV stürzt vom zweiten auf den letzten Platz

Nun aber half nichts mehr, der Abstieg mit Ansage war vollzogen und die Bundesliga um eine Gewissheit ärmer: Dass „nur der HSV“ immer dabei ist, wenn im Sommer eine Saison startet.

Dabei war der Bundesliga-Dino selten so gut gestartet: Zwei Siege hatte es zuletzt 2010/11 gegeben und das blamable Pokal-Aus in Osnabrück (1:3) wurde vorschnell als Betriebsunfall eingestuft.

Aber schon mit dem ersten Treffer von Nicolai Müller zum 1:0 gegen Augsburg fing das Unheil an. Der Schütze riss sich bei einer missglückten Tanzeinlage an der Eckfahne, wo er sein Tor feierte, das Kreuzband und fiel bis Mai 2018 aus.

Es begann eine auch in der langen HSV-Geschichte beispiellose Talfahrt vom zweiten bis auf den letzten Platz. Historisch auch, dass die Mannschaft in der Hinrunde vier Heimspiele in Folge ohne Tor blieb.

Am 1. Dezember 2017 begann die bislang längste Serie ohne Sieg in der Vereinshistorie. Sie dauerte 15 Spiele, beteiligt daran waren drei Trainer. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Hamburger Sieglos-Serie und drei Trainer

Markus Gisdol musste am 21. Januar seinen Stuhl räumen. Nach nur vier Hinrundensiegen, war es „Zeit für neue Impulse“, sagte Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen, selbst erst seit Dezember 2016 amtierend.

Er verpflichtete Bernd Hollerbach, zuvor mit Kickers Würzburg aus der 2. Liga abgestiegen und eine ganze Rückserie sieglos geblieben. Entsprechend skeptisch waren die Stimmen.

Aber „Holler“ hatte eine HSV-Vergangenheit - als Spieler. Es half ihm nicht. Seine Amtszeit war selbst für HSV-Verhältnisse äußerst kurz: Nach sieben Spielen ohne Sieg (vier Punkte) musste er am 12. März wieder gehen, nach nur 49 Tagen.

Das 0:1 in Bremen, durch ein umstrittenes Tor entschieden, und das 0:0 gegen Mainz, in dem Filip Kostic einen Elfmeter kläglich verschoss, lösten im Frühjahr weitere interne Unruhen aus. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Die Männer, die Hollerbach verpflichtet hatten, mussten noch vor ihm gehen. Bruchhagen und sein glückloser Sportdirektor Jens Todt (14 Monate Amtszeit) wurden vom am 10. Februar gewählten neuen und doch altbekannten Vereinspräsidenten Bernd Hoffmann am 8. März vor die Tür gesetzt.

Kühne-Kritik am HSV und Bruchhagen-Entlassung

Ein Vorwurf: Sie hätten die Mannschaft in der Winterpause nicht verstärkt. Als einziger Verein hatte der HSV das Transferfenster im Januar nicht genutzt.

Die Personalpolitik kritisierte auch Milliardär Klaus-Michael Kühne, dessen Liebe zum Klub Fluch und Segen zugleich ist, wie sich auch 2017/18 wieder zeigte. Er gibt großzügig sein Geld - und genauso gerne vernichtende Interviews über Amtsträger.

Bruchhagen, ein alter Fahrensmann mit über 30 Jahren Bundesliga-Erfahrung und bei der Entlassung schon 69, ging nun endgültig in Rente. Mannhaft übernahm er „die Verantwortung für die sportliche Krise“, die den HSV am 27. Spieltag nach dem 0:6 bei den Bayern auf den 18. Platz führte.

Dort übernahm ihn der Trainer der U23, Christian Titz. Viele deuteten das als vorzeitige Aufgabe, statt eines klassischen Feuerwehrmanns kam ein Unbekannter aus den eigenen Reihen, der den Übergang in die 2. Liga einleiten sollte.

Zumal er das erste Spiel gegen Hertha BSC verlor (1:2). Nun rasteten auch die Fans, die schon in Bremen fast für einen Abbruch gesorgt hatten (Pyro-Attacken) aus. Sie belagerten die Ausgänge und hängten Drohplakate auf („Wenn ihr absteigt, jagen wir euch durch die Stadt!“).

Titz kann den Hamburger Abstieg nicht verhindern

Unter Titz gab es aber auch einen beachtlichen Aufschwung. Am 7. April riss die Sieglosserie dank eines Traumtores von Aaron Hunt gegen den kommenden Vize-Meister Schalke 04.

Das 3:2 hatte einen Knalleffekt, die Hoffnung kehrte für ein paar Wochen zurück in die Hansestadt, wo „erstmals seit vier Jahren wieder Fußball gespielt wird“, wie Spieler Lewis Holtby sagte. Dass sie noch am letzten Spieltag hoffen durfte, war fast schon ein Wunder.

Das Wunder der Rettung glückte ihnen aber nicht mehr und schon bald zeigte es sich, dass der Abstieg mehr als ein Betriebsunfall war. Seit 2018 ist der HSV fester Bestandteil der 2. Liga und verpasste vier Mal hintereinander die Rückkehr ins deutsche Oberhaus. Am Sonntag haben die Hamburger die Möglichkeit, es im fünften Anlauf doch noch zu schaffen.

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