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Bundesliga: Als Borussia Dortmund Champions League und gegen den Abstieg spielte

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Bundesliga: Als Borussia Dortmund Champions League und gegen den Abstieg spielte

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Die Wiedergeburt des BVB

Die Wiedergeburt des BVB

Borussia Dortmund hat sich als Bayern-Jäger längst etabliert. 2014/2015 schien der Lauf der Borussia jäh zu enden, ehe die Klopp-Elf eine Aufholjagd startete, die ihresgleichen sucht.
Eine katastrophale Hinrunde, Tabellenletzter, die halbe Mannschaft angeschlagen – nicht nur körperlich. Borussia Dortmund hat eine Saison fast hinter sich, in der beinahe alles schieflief.
Udo Muras
Udo Muras

Borussia Dortmund unter Jürgen Klopp, im oft verklärenden Rückblick der Fans war das eine scheinbar makellose Ära. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Meisterschaften, einmal das Double, Champions League-Finale und gefühlt sieben Jahre immer ganz oben dabei. Aber das stimmt nicht. Die verflixte siebente und letzte Saison führte den BVB an den Rande des Abstiegs, ehe sie sich in einem wundersamen Kraftakt noch vom letzten Platz zum Start der Rückrunde bis in die Europa League hochhangelten. Ein solches Kunststück hatte zuvor nur der HSV (2006/07) unter Retter Huub Stevens geschafft. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Was war da los in der Spielzeit 2014/15, die auf eine WM folgte, als sich Fußball-Deutschland in den Armen lag: Weltmeister in Brasilien!

Auch auf den BVB viel Glanz ab: mit fünf Weltmeistern ging er in die neue Saison, wenn auch nur einer – Mats Hummels – zum Einsatz gekommen war. Aber auch die WM-Fahrer mit anderen Nationen (weitere fünf) waren urlaubsreif und stießen erst vier Wochen nach dem Trainingsstart zur Mannschaft, zu der Robert Lewandowski (ablösefrei zu Bayern) nicht mehr und der verletzte Marco Reus noch nicht gehörten.

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Hohe Ansprüche bei Borussia Dortmund

Im Trainingslager erklärte der sportlich nicht mehr gesetzte Kapitän Sebastian Kehl seinen Rücktritt und überließ Hummels die Binde. So begann das im Nachhinein verflixte siebte Jahr des zweimaligen Meistertrainers Jürgen Klopp schon mit Misstönen.

Der Gewinn des Supercups (2:0 gegen die Bayern) gab ihnen trügerische Sicherheit, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke drückte den Wunsch aus, zu „den zehn besten Mannschaften Europas“ gehören zu wollen. In allen Meisterumfragen landete der BVB auf Platz zwei. Wie weit das von der Realität entfernt sein würde, ahnte kein Mensch.

Im August 2014 war die Welt bei der Borussia noch in Ordnung
Im August 2014 war die Welt bei der Borussia noch in Ordnung

Obwohl sich das Unheil denkbar früh anbahnte: Neun Sekunden war die Saison alt, da lag der BVB gegen Leverkusen schon zurück. Der Start mit einer Heimniederlage war der Auftakt in eine Horrorsaison, die Borussia in lange nicht aufgesuchten Regionen verbrachte.

Klopp wäre einer vorzeitigen Trennung nicht im Weg gestanden

Zwischen 27. September und 1. November gab es fünf Niederlagen in Folge, nach dem 0:2 in Frankfurt war man erstmals seit 1985 im Herbst Letzter und Klopp sprach in der ARD von Rücktritt. „Wenn der Verein ankäme und hätte eine Spitzenidee, würde ich mich dem gewiss nicht verschließen.“ Der Messias zweifelte, wie sollten ihm da seine Jünger folgen?

Klopp war eine der größten Kultfiguren der Bundesligageschichte. Als Trainer hatte er das Mainzer Märchen geschrieben und den Klub erstmals ins Oberhaus geführt – und seit 2008 verantwortete er in Dortmund regelmäßig die von ihm versprochenen „Vollgasveranstaltungen“, die den Klub 2013 gar ins Finale der Champions League geführt hatten.

Dank ihm hatten die Bayern noch einen Gegner. Doch der BVB 2014/15 war nur noch eine Karikatur der Meisterelf, auch weil die Einkäufe kolossal floppten. In seiner Not nahm Klopp sogar Kulttorwart Roman Weidenfeller aus dem Kasten, aber auch das half nichts. In die Winterpause ging man als Vorletzter, was einem Vizemeister seit 1969 (Alemannia Aachen) nicht mehr passiert war.

Roman Weidenfeller (Mitte) blieb in der Rückrunde 2014/2015 oft nur ein Platz auf der Ersatzbank
Roman Weidenfeller (Mitte) blieb in der Rückrunde 2014/2015 oft nur ein Platz auf der Ersatzbank

Watzke rief zu Geschlossenheit beim BVB auf

Watzke wurde pathetisch: „Jeder bei uns weiß, was die Stunde geschlagen hat.“ Nach dem letzten Heimspiel 2014 gegen Wolfsburg (2:2) entschuldigte er sich auf der Stadionleinwand bei den Fans, die in Treue fest das Stadion (80.000 pro Heimspiel) füllten. „Wir haben euch eine Menge abverlangt“, sagte er und setzte auf ihre Solidarität: „Einmal Borusse, immer Borusse!“

Eine katastrophale Hinrunde, Tabellenletzter, die halbe Mannschaft angeschlagen – nicht nur körperlich. Borussia Dortmund hat eine Saison fast hinter sich, in der beinahe alles schieflief.
01:16
SPORT1 Bundesliga Classics: Borussia Dortmunds historische Aufholjagd

Das schien auch für Klopp zu gelten, dessen Vertrag noch bis 2018 galt. Er wäre dann zehn Jahre in Dortmund gewesen und nur er selbst konnte das ändern. Zu tief war die Freundschaft zu Watzke und Sportdirektor Michael Zorc. Nach dem 1:2 in Bremen setzten sie sich drei Tage vor Weihnachten achteinhalb Stunden zusammen und beschlossen ein „Weiter so“. Klopps Fazit: „Wir hatten zu viele Spiele, zu wenig Spieler und zu wenig Trainingseinheiten.“

Auch der Start ins Jahr 2015 missriet, nach dem 0:1 gegen Augsburg vor eigenem Publikum war der BVB erneut Letzter – nach 19 Spielen. Dann rissen sie sich zusammen, gewannen vier Spiele in Folge, darunter das wichtigste – das Derby gegen Schalke (3:0).

Abstiegskampf und Champions-League-Viertelfinale beim BVB

Grotesker Weise war der Abstiegskandidat weiterhin in der Champions League, ehe im Viertelfinale der ewige Rivale Juventus Turin ein Stoppschild aufstellte. Am Tag des Hinspiels versicherte Zorc noch, es gebe „überhaupt keinen Anlass“ über eine Trennung von Klopp oder dessen Rücktritt zu denken. Das war am 18. März 2015. Am 15. April, Borussia war mittlerweile Zehnter, kam es doch so.

Gegen Juventus Turin war für den BVB Schluss in der Champions League
Gegen Juventus Turin war für den BVB Schluss in der Champions League

Weil die Meldung durchgesickert war, musste der börsennotierte Klub selbst die Personalie verkünden. Es gab eine spontane und emotionale Pressekonferenz, während der sich Watzke und Klopp umarmten. Einig waren sie sich trotzdem nicht; nur Klopp wollte die Trennung, weil er der Meinung war „dass ich nicht mehr der perfekte Trainer für diesen Verein bin.

Eine Veränderung musste her, weniger für mich als für den Verein. Der Verein ist größer als wir alle.“ Watzke versicherte dem Trainer mit stockender Stimme, ihm werde „der ewige Dank aller Borussen zuteil.“

Auch dafür, dass sie in der Rückrunde noch die Kurve bekamen und sich als Fünfter der Rückrunde noch für die Europa League qualifizierten. Sie wurden Siebter, unter normalen Umständen eine Enttäuschung, im Frühjahr 2015 ein Sechser im Lotto. Klopps letzter Wunsch indes, noch mal mit einer Trophäe um den Borsigplatz zu fahren, wurde nicht erfüllt. Zwar gewannen sie im Pokalhalbfinale sogar bei den Bayern, in Berlin aber scheiterten sie am VfL Wolfsburg.

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